Um als etablierte Narrenzunft auf das Etikett einer Bierflasche während der Fastnachtszeit zu kommen, bedarf es zunächst mal einer formellen schriftlichen Bewerbung und dann braucht man jede Menge Geduld. Umso größer sind dann Stolz und Freude, wenn es geklappt hat – so wie jetzt bei den Urviechern. Diese zieren nämlich gemeinsam mit der Hexenzunft Villingen in der kommenden Fastnachtssaison die Etiketten und Plakate der Fürstenberg-Brauerei.

„Wer noch mit auf das Etikett kommt, darauf hatten die Urviecher gar keinen Einfluss“, erklärt Zunftmeister Matthias Nann. Man bewerbe sich eben mit einem ausführlichen Schreiben und quasi einem Lebenslauf bei der Brauerei, was er vor ungefähr eineinhalb Jahren gemacht. Als Anlass der Bewerbung habe er das bevorstehende Jubiläum genommen. „Ich habe die Urviecher-Zunft als traditionellen und jungen, rüstigen und aufstrebenden Verein angepriesen und die Vereins-Vita beigelegt“, so das Oberurviech.

Video: Sabine Naiemi

Er nennt einige Eckpunkte: In den ersten Jahren waren wir noch ohne das „e. V.“. Vereinsgründung war dann 1979 mit 37 Leuten. Anfang bis Mitte der 1980er Jahre erlebten die Urviecher einen erheblichen Zuspruch, wonach die Mitgliederzahl Richtung 250 ging.

Dann wurde die Guggenmusik gegründet und 1985 die Musel-Geister (jetzt Muselmannä). Die Narrenzeitung wurde ins Leben gerufen, seit 1980 wird der Urviecher-Ball veranstaltet. Das Vereinsheim wurde ausgebaut.

Nann: „Uns liegt viel daran, die traditionelle Fastnacht zu beleben und weiterzugeben, insbesondere für die Jungen, für die wir ja auch schon seit Jahren das ganze Jahr durch Aktivitäten anbieten.“ All das habe er in die Waagschale geworfen.

„Dann saßen wir einige Zeit wie auf Nadeln“, so Nann weiter. Andere Zünfte bewerben sich ja auch, die Entscheidung wird immer Mitte des Jahres getroffen. Es mache stolz, ausgewählt zu sein. Es würdige das Jubiläum und die Vereinsarbeit und sei ja auch Werbung in eigener Sache. Bilder wurden zwar bereits im Sommer gemacht. Doch es musste noch Stillschweigen bewahrt werden.

Geschäftspartner der Brauerei zu sein, sei eine der Grundlagen für die Auswahl, erklärt Marketing-Leiterin Regina Gerschermann zu den Vorgaben. Die Aktion mit dem Fastnachtsetikett mache die Brauerei seit mehr als 20 Jahren.

Jedes Jahr werden zwei Zünfte ausgewählt, die von Jahresbeginn bis Ende März Etiketten und Plakate zieren. „Weitere Kriterien sind, dass die Zünfte ein besonderes Jubiläum feiern, zum Beispiel 100 oder 50 Jahre, manchmal auch 33, oder es gibt eine Zunftgründung oder die Gründung einer Gruppe.“

Es müsse immer irgendeinen Anlass geben, den die Zünfte auch feiern. Bewerben können sich alle Zünfte, unabhängig davon, welcher Narrenvereinigung sie angehören. Regina Gerschermann: „Dieses Jahr fiel unserer Jury die Entscheidung besonders schwer, weil drei Zünfte gleich gut in Frage kamen.“