Wohin mit den Kindern, wenn Schulferien sind, die Eltern arbeiten müssen und die Großeltern nicht einspringen können? Das ist eine Herausforderung, der sich Eltern vermehrt stellen müssen, denn ständig Urlaub nehmen geht auch nicht. In Bad Dürrheim gibt es mit den Kinderferienprogrammen hierfür eine Lösung, die im Vergleich zu manch anderen Angeboten äußerst flexibel gestaltet ist.

Gerlinde Hummel-Höfflin leitet seit rund fünf Jahren das Kinderferienprogramm, das in Kooperation der Stadtjugendpflege und der Jugendkunstschule zu allen längeren Ferienzeiten angeboten wird.

"In erster Linie sollen die Kinder frei spielen können. Das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr", erklärt Hummel-Höfflin. "Die Kinder sind durch Ganztagsschulen, Vereine und andere Verpflichtungen ganz schön durchstrukturiert und sind total begeistert davon, hier einfach mal das tun zu können, wozu sie Lust haben."

So bietet das Team zwar vieles an, dessen Nutzung ist jedoch nicht verpflichtend für die Kinder. Jeder oder jede, die beispielsweise am Herstellen von Freundschaftsbändern mitmachen möchte, kann sich dazu setzen. Wer lieber Fußballspielen möchte, macht eben das. "Wir holen keinen rein, der gerade mitten im Spiel ist, nur um zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwas Neues anzufangen."

"Deshalb bieten wir auch kein Mittagessen oder ähnliches an. Damit wären wir gleich wieder zu strukturiert", betont auch Stadtjugendpfleger Christoph Lauer. "Uns ist extrem wichtig, dass die Kinder hier Raum haben, sich zu entfalten."

So hätten sich am vergangenen Dienstag zum Beispiel Kinder zusammengetan und an die 30 Schnecken gesammelt, denen sie dann Löwenzahn und andere Leckerei zum Fressen gaben.

Andere Kinder haben sich überlegt, wie sie trotz des offenen Geländes rund um das Jugendhaus Bohrturm Verstecken spielen können. Natürlich fanden sie eine Möglichkeit. Wieder andere saßen rund drei Stunden beim Monopoly-Spiel beisammen und ließen sich durch nichts davon ablenken.

"Es ist jeden Tag aufs Neue spannend zu sehen, wie sich neue Gruppen zusammentun, Mädels mal Fußball spielen oder die Jungs auch mal Freundschaftsbändchen knüpfen", erzählt Monia Irion, die gerade ihr Fremdpraktikum beim Kinderferienprogramm absolviert.

Normalerweise ist sie im evangelischen Kindergarten von Bad Dürrheim angestellt, verbringt hier aber Zeit mit älteren Kindern und kann deren Verhalten und Spielweise kennenlernen. In der Woche vor Ostern hat sie mit zahlreichen Kindern gebacken und Osternester gebastelt.

Die Möglichkeiten, die Gerlinde Hummel-Höfflin und ihr Team in der Hinterhand haben, sind schier unerschöpflich. Letztlich wird alles den Kindern und dem jeweiligen Wetter angepasst. So entstehen immer neue spannende Spielsituationen. Und die Resonanz ist durchweg positiv. "Die Eltern sind dankbar und froh, dass es uns und unser Angebot gibt. Viele wüssten sonst nicht, wie sie die Betreung während Ferienzeit überbrücken könnten", weiß Hummel-Höfflin.

Im Durchschnitt sind täglich 30 Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren da und verbringen miteinander eine tolle Zeit. Viele kommen über mehrere Jahre hinweg und so entstehen auch schöne Freundschaften.