Einen sehr fröhlichen Gottesdienst feierten am gestrigen Sonntag evangelische und katholische Gemeindemitglieder gemeinsam in der katholischen Kirche St. Johann. Die herrlich mit den reichen Gaben der Natur geschmückte Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt und anhand der unzähligen kleinen Gottesdienstteilnehmer konnte man deutlich sehen wie kinderreich die Stadt.

Die Kinder vom Kindergarten St. Raphael und der evangelischen Kindertagesstätte am Salinensee wirken mit fröhlichen Liedern beim Erntedank-Gottesdienst mit. Bilder: Sabine Naiemi
Die Kinder vom Kindergarten St. Raphael und der evangelischen Kindertagesstätte am Salinensee wirken mit fröhlichen Liedern beim Erntedank-Gottesdienst mit. Bilder: Sabine Naiemi | Bild: Naiemi, Sabine

Allzu oft werde das Danke dafür vergessen, wenn man etwas schenkt oder geschenkt bekommt, leitete Pfarrer Bernhard Jaeckel seine Predigt ein. Dabei gebe es jeden Tag Grund, dankbar zu sein und so solle wenigstens ein mal im Jahr das Erntedankfest dazu dienen, Gott zu danken für all die Gaben, die er den Menschen zuteilwerden lasse. Er wolle auf drei Gedankenkreise eingehen, so der evangelische Geistliche weiter und auf Dankbarkeit für Dinge, die leider oft als selbstverständlich angesehen würden.

So sei ihm kürzlich erst aufgefallen, wie Kinder Kastanien bestaunen und wie achtlos man als Erwachsener oft an den wunderbaren Gaben der Natur vorbeigeht, wie oft man nicht auf die kleinen Dinge achtet, aus denen Großes erwachsen kann – so wie aus einem Apfelkern ein großer Baum wird. „In einem kleinen Samenkorn liegt etwas, das unglaublich viel Kraft hat.“ Jeder habe solch ein Samenkorn in sich.

Beim Weihen der Erntekörbchen segnet Pfarrer Michael Fischer auch die Kinder.
Beim Weihen der Erntekörbchen segnet Pfarrer Michael Fischer auch die Kinder. | Bild: Naiemi, Sabine

Wie gut das ökumenische Miteinander in Bad Dürrheim funktioniere, was alles gemeinsam gemacht wird und was so gut gelingt, das sei nicht selbstverständlich. Das war in der Vergangenheit auch schon anders. Mit großer Sorge und relativ dramatisch nehme er war, welche Veränderungen auf die Katholiken in Bad Dürrheim zukommen durch das Projekt „Kirchenentwicklung 2030“, so Jaeckel. Vielleicht müsse man in Zukunft noch mehr zusammenrücken. Auf jeden Fall habe man hier eine gute Basis dafür geschaffen.

Der evangelische Pfarrer Bernhard Jaeckel hält die Predigt an der katholischen Kanzel.
Der evangelische Pfarrer Bernhard Jaeckel hält die Predigt an der katholischen Kanzel. | Bild: Naiemi, Sabine

Bei den Diakonietagen in Stuttgart seien diakonische Einrichtungen besucht worden – das „MedMobil“; Stuben, in denen Obdachlose Duschen und frühstücken können; ein großes Lagerhaus, das Gebrauchtkaufhäuser beliefert, erklärte Pfarrer Jaeckel weiter. Es sei sehr bedrückend, dass von 600 000 Menschen, die in Stuttgart leben, 80 000 auf Unterstützung und Bezuschussung angewiesen sind, viele davon Kinder. Jaeckel: „Wie kann das sein in so einem reichen Land?“ Oft wisse man die Dinge, die man hat, nicht zu schätzen, wisse nicht wie gut es einem geht und sei überheblich. „Doch so weit ist Stuttgart gar nicht weg“, mahnte der Pfarrer. Auch in den Kindergärten hier tauche manches von dieser anderen Seite auf.

Altar und Kirche sind reich geschmückt. Die Kinder haben viele Erntekörbchen gebracht.
Altar und Kirche sind reich geschmückt. Die Kinder haben viele Erntekörbchen gebracht. | Bild: Naiemi, Sabine

Zum gemütlichen Beisammensein im katholischen Pfarrsaal gehörten Auftritte der Kindergartenkinder, des Jugend- und Kinderchores und des Kirchenchores. Die Katholische junge Gemeinde (KJG) bot einen Markt der Möglichkeiten an und die Kinder durften in der Turnhalle der Schule toben.