Laut Studien bekommen vier von fünf Menschen, die in Deutschland auf offener Straße einen Herzanfall erleiden, nicht schnell genug die richtige oder keine Hilfe. Damit sich diese Ergebnisse verbessern, investiert die Realschule am Salinensee viel Zeit in das Wissen ihrer Schüler, speziell wenn es um das Thema Reanimation geht.

Ganz aktuell fand erst wieder ein Erste-Hilfe-Kurs für die siebten Klassen statt. Dieser zweitägige Kurs ist zu einem festen Bestandteil des Schulkalenders geworden, denn seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet die Realschule hier mit dem DRK-Kreisverband Villingen zusammen. „Wir haben vier Ausbilder, die an insgesamt vier Tagen im Jahr in die Schule kommen und den Schülern vieles beibringen, insbesondere auch, wie man erfolgreich eine Herzdruckmassage macht“, berichtet Josua Papke, Lehrer an der Realschule und selbst Ausbilder beim DRK-Kreisverband.

Motorradunfälle benötigen Fingerspitzengefühl, besonders, wenn es darum geht, den Helm abzunehmen. Josua Papke (links) zeigt wie das geht. Bilder: Wolf-Wilhelm Adam
Motorradunfälle benötigen Fingerspitzengefühl, besonders, wenn es darum geht, den Helm abzunehmen. Josua Papke (links) zeigt wie das geht. Bilder: Wolf-Wilhelm Adam

Papke fuhr früher selbst mit dem Rettungswagen zu genau solchen Einsätzen, wo Menschen Hilfe brauchten, diese aber leider nur selten erfahren haben. Dabei ist genau diese Hilfe von größter Bedeutung. „Wir zeigen den Jugendlichen, wie wichtig die Hilfe in der Zeit ist, bis Notfallsanitäter vor Ort eintreffen.“

Im Gegensatz zu früher hat sich der klassische Erste-Hilfe-Kurs sehr verändert. Was früher über Frontalunterricht den Teilnehmern eingetrichtert wurde, wird heute in Gruppenarbeiten erarbeitet und von den Schülern selbst vorgetragen. In der Regel gebe es nur noch fünf bis zehn Minuten Einweisung von den Spezialisten und dann geht‘s in die Gruppenarbeit. Der praktische Anteil nimmt zudem viel mehr Zeit in Anspruch. „Das lässt die Teilnehmer eines solchen Kurses den Inhalt viel besser verinnerlichen“, betont Papke.

Die rund 110 Schüler der vier siebten Klassen wurden also in mehrere Gruppen aufgeteilt und bekamen die unterschiedlichsten Themen beigebracht. Trainiert wurde die Reanimation mit moderner Technik, bei der ein Tablet-PC anzeigt, wie schnell, wie stark und wie lange die Herzdruckmassage erfolgen muss; die Beatmung natürlich nicht zu vergessen. Chirurgische Notfälle wurden nachgestellt und besprochen, Verbände angebracht, Motorradunfälle simuliert und verschiedenste Anfälle, vom Krampf- über den Herz- bis zum Schlaganfall thematisiert. Mit dabei natürlich der Umgang mit einem Defibrillator, die in Bad Dürrheim an vielen öffentlichen Plätzen zugänglich sind, so auch in der Sporthalle der Realschule.

Da der Kurs zu einem großen Teil vom Bundesinnenministerium gesponsert wird, gehören auch Themen wie Katastrophenschutz und Selbstschutz im Katastrophenfall zum Kursinhalt. „Die ersten drei Unterrichtseinheiten drehten sich darum, wie man sich verhalten soll, wenn durch längere Hitzeperioden, Überschwemmungen oder Stromausfälle das öffentliche Leben zusammenbricht“, erzählt Kreisausbildungsleiter Jens Schwarzwälder. „Dazu gehört auch, dass wir mit den Jugendlichen darüber diskutieren, wie wahrscheinlich solche Szenarien bei uns in Deutschland sind.“ Normalerweise würde der Kurs pro Kind 40 Euro kosten. Neben der Finanzierung durch den Bund, finanziert der DRK-Kreisverband den Restbetrag. Somit sind die Kurskosten komplett abgedeckt.

Eine Herzdruckmassage kann Leben retten. Mit dem Tablet, das Druck, Rhythmus und Länge überwacht, können die Schüler genau sehen, ob sie es korrekt machen.
Eine Herzdruckmassage kann Leben retten. Mit dem Tablet, das Druck, Rhythmus und Länge überwacht, können die Schüler genau sehen, ob sie es korrekt machen.

Die Realschule setzt aber nicht nur auf diesen, einmal jährlich stattfindenden Erste-Hilfe-Kurs mit den Siebtklässlern. Ab der fünften Klasse wird mit jeder Klassenstufe jedes Jahr eine Unterrichtsstunde lang die Reanimation geübt. „Wir haben hierfür extra Übungspuppen angeschafft, an denen die Schüler trainieren können“, berichtet Josua Papke. Mit den Jüngsten wird das doch ernste Thema in spielerischer Form angegangen, mit den älteren Schüler dann im Detail und im Biologieunterricht fortführend. So lernen die Schüler von Beginn an, wie man sich in solchen Situationen richtig verhält und richtig hilft. Denn: Alles ist besser, als gar nicht zu helfen.

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„Das hat auch etwas mit unserem Schulprofil „In Gemeinschaft leben“ zu tun“, klärt Josua Papke auf. „Jeder hat eine gewisse Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber und das wollen wir unseren Schülern mit auf den Weg geben.“