Am Wochenende gab sich die Stadt ganz historisch. Mit gleich zwei unterschiedlichen Führungen ließ sich zwei Mal hervorragend die Geschichte der Stadt erkunden, die bis heute geprägt ist von den Salzvorkommen auf der Gemarkung.

Bei der kleinen Stadtführung des Schwarzwaldvereins, an der gern immer wieder auch Bürger teilnehmen, gräbt sich Jürgen Kauth regelrecht durch die Geschichte Dürrheims: Dort wo sich heute der Busbahnhof befindet, ist nichts mehr zu sehen von dem geschäftigen Treiben der Zeiten, als über 150 Jahre lang Salz in Bad Dürrheim gesiedet wurde, alles dort war bebaut. Es gab drei Siedehäuser in der Stadt. Eines befand sich in der Bahnhofstraße und wurde abgerissen, weiß Kauth. Die beiden anderen Siedehäuser stehen noch – das Haus des Gastes und das Haus des Bürgers, auch die Siedepfanne genannt. Unterirdisch befinden sich unter beiden Häusern immer noch Gänge und Feuerzüge, ebenso sind beide Häuser durch einen Tunnel miteinander verbunden. Dort wo sich heute das Café Röder befindet, war früher ein Sole-Reservoir, auch der Narrenschopf war ein Reservoir, berichtet Jürgen Kauth den Teilnehmern.

Viele wissen heute gar nicht mehr, woher der Salinenpark seinen Namen hat oder überhaupt, dass er so heißt – bei der Führung mit Jürgen Kauth werden Wissenslücken gefüllt.
Viele wissen heute gar nicht mehr, woher der Salinenpark seinen Namen hat oder überhaupt, dass er so heißt – bei der Führung mit Jürgen Kauth werden Wissenslücken gefüllt. | Bild: Naiemi, Sabine

Der Name "Weinbrenner-Saal" im Haus des Gastes geht auf den Architekten Weinbrenner zurück, der für die Bauten verantwortlich zeichnete. Nach den Entwürfen des Architekten und Baumeisters Friedrich Arnold wurden die Salinen in Bad Dürrheim gebaut. Aller Fortschritt, so erzählt Jürgen Kauth, kam durch die Saline nach Dürrheim: Eisenbahn, Elektrizität, die Feuerwehr, Wasserleitungen, Vereine. Gegenüber vom Busbahnhof (heute der Sportplatz) befand sich der Festplatz. "Dort gab es 1924 sogar eine Buffalo-Bill-Show", erklärt Jürgen Kauth. Reich wurde die Stadt durch das Salz jedoch nicht, denn die Förderung war staatlich. Für entlassene Arbeiter mussten sogar Armenhäuser gebaut werden.

Der 1931 gebaute, 81 Meter hohe Kamin auf dem Platz hinter dem Rathaus II wurde nach Stilllegung der Saline 1972 gesprengt. Der Bohrturm als Wahrzeichen blieb, ist aber nicht mehr in Betrieb. Der Bohrturm in der Luisenstraße verfällt immer mehr, ist jedoch noch vollständig ausgestattet und könnte wieder fördern.

Bad Dürrheim, Rathausplatz, So, 16.9., 15 Uhr: Am Sonntag findet eine Stadtführung mit der Badedienerin Johanna statt. Die Teilnehmer erfahren, welche Bedeutung und Wirkung die Sole im 19. Jahrhundert hatte. Tickets gibt es im Haus des Gastes und bei allen Vorverkaufsstellen des Kultur-Ticket Schwarzwald Baar.
Bad Dürrheim, Rathausplatz, So, 16.9., 15 Uhr: Am Sonntag findet eine Stadtführung mit der Badedienerin Johanna statt. Die Teilnehmer erfahren, welche Bedeutung und Wirkung die Sole im 19. Jahrhundert hatte. Tickets gibt es im Haus des Gastes und bei allen Vorverkaufsstellen des Kultur-Ticket Schwarzwald Baar. | Bild: Sabine Naiemi

"Eine Schufterei und Knechterei war es", erklärt Tamara Pfaff als Bade-Dienerin Johanna Magdalena Brugger während ihrer Führung, deren Inhalt das Leben zur damaligen Zeit ist. Die körperliche Belastung sei enorm gewesen. Ein Korb, in welchem die Männer das Salz transportierten wog 50 Kilogramm, ganz zu schweigen von der ständigen Hitze der siedenden Sole. Der Inhalt der Salzsäcke war durch unterschiedliche Farben der Bändel (rot, blau, grün, gelb) erkennbar, was heute noch die Salzsäckchen am Salzhansel-Häs aufnehmen.

Bevor Bad Dürrheim fast 1000 Jahre nach seiner Ersterwähnung im Jahre 1806 badisch wurde, regierten das Adelsgeschlecht der Esel von Dürrheim und der Johanniterorden aus Villingen. So kam es auch, dass das frühere Stadtwappen zwei Esel zeigte, das kann man am Eingang des Heimatmuseums noch anschauen, weiß die Bade-Dienerin. Auf dem heutigen Stadtwappen nimmt das Johanniterkreuz Bezug auf die Bedeutung des Ordens für die Gemeinde, der goldene Stab in der Mitte entspricht einem Bohrloch. Stern, Wellenlinien und blauer Hintergrund symbolisieren die Heilfaktoren Sonne, Sole und Luft.