Hundebesitzer in der Kurstadt sind in Habachtstellung – Zettel mit der Warnung vor Giftködern sind im zentral gelegenen Hindenburgpark aktuell kaum zu übersehen. Der Hintergund zu den Warnungen ist ernst. In den sozialen Netzwerken berichtete eine Hundebesitzerin bereits vor mehr als zwei Wochen von einer Vergiftung ihres Hundes, eine andere machte öffentlich, sie habe ein Stück Fleisch im Bereich der Stillen Musel im Hindenburgpark entdeckt und es zur Polizei gebracht. Für ein Gespräch mit dem SÜDKURIER stand sie jedoch nicht zur Verfügung. Nun hat erst Ende vergangener Woche eine Hundebesitzerin eine Warnung veröffentlicht, die sich um das Gebiet rund um den Salinensee erstreckt. Veterinäramt, Polizei und Ordnungsamt raten zu Vorsicht, wollen die Vorfälle aber nicht dramatisieren.

Amtliche Untersuchung teuer

Christian Lippert vom Polizeiposten Bad Dürrheim bestätigt, dass eine Dame Anfang Oktober Anzeige erstattet und ein Stück Fleisch als Beweisstück abgegeben habe. Ob das ein Giftköder sei oder nicht, wisse man nicht. Einen Täter zu ermitteln, stellt sich als äußerst schwierig heraus. Das Auslegen von Giftködern, um damit einen Hund zu töten, das heißt mit Vorsatz zu handeln, ist laut Tierschutzgesetz strafbar. Eine Strafe für das Auslegen von Giftködern kann bis zu 25 000 Euro betragen, außerdem kann auch eine Freiheitsstrafe verhängt werden. "Es ist nahezu unmöglich, bei solchen Fällen einen Täter zu finden. Denn meistens werden Köder nachts ausgelegt", sagt Lippert. Ihm seien aber in den vergangenen Jahren in Bad Dürrheim oder der Umgebung auch keine aktenkundigen Fälle bekannt. Man könne Hundebesitzern nur raten, ihre Hunde anzuleinen und penibel darauf zu achten, dass sie beim Spaziergang nichts vom Boden fressen.

Beim Veterinäramt kann eine Laboruntersuchung nur erfolgen, wenn sich Fälle häufen. "Uns ist eben nur ein Fall in Bad Dürrheim bekannt", sagt der Amtsleiter des zuständigen Veterinäramtes, Michael Langer. Eine amtliche Untersuchung, die zwischen 400 und 500 Euro koste, kann nur bei einem hinreichenden Verdacht beauftragt werden. Auf das Ergebnis einer solchen Untersuchung warte man gerne drei bis vier Wochen, führt Langer aus. Er erklärt, dass er der Frau geraten habe, das Fleisch einzufrieren, damit man es gegebenenfalls, wenn weitere aktenkundige Fälle auftreten, noch einmal zur Ermittlung hinzuziehen kann. Pro Jahr gebe es in seinem Zuständigkeitsbereich nur ein bis zwei Fälle, die wirklich durch Ermittlungen weiterverfolgt werden können. Langer, der schon seit fast 30 Jahren in dem Bereich arbeitet, gibt zu bedenken, dass es nicht immer Giftköder seien, die zu Problemen führen, sondern Hunde auch durch beispielsweise tote Mäuse gefährliche Stoffe aufnehmen könnten.

Bericht einer Betroffenen

Was es bei Luna, der Hündin von Marina Giesser war, ist nicht aufgeklärt. Vergangenen Mittwoch war ihr Mann mit der Labrador-Hündin in der Nähe des Salinensees und den angrenzenden Schrebergärten spazieren. Die Hündin tobte sich beim Stöckchenholen aus. Am Donnerstagmorgen dann erbrach die Hündin und zeigte Trägkeit. Zu diesem Zeitpunkt ist die Hundebesitzerin noch von einer Unverträglichkeit ausgegangen, die zum Beispiel vorkommt, wenn ein Tier Gras frisst.

Aufgrund des erbrochenen Schaumes, der nicht mehr aufhörte, verständigte Giesser den Tierarzt und vereinbarte einen Termin für freitags. Doch als sie am Donnerstag auch Kot im Stuhl ihrer Hündin bemerkte, wurde sie aktiv. In der Tierklinik wurde klar, dass es sich um eine Vergiftung handelt und schnelle Maßnahmen erforderlich sind, weil die Leber- und Nieren-Werte total abgesackt waren. Nieren und Leber wurden gespült, Luna verbrachte zwei Tage in der Klinik. Heute, eine Woche danach, geht es ihr wieder besser. "Es besteht keine Lebensgefahr mehr", sagt Giesser. Ihr macht der Vorfall aber weiterhin Angst. Anzeige hat sie jedoch nicht erstattet, "das würde im Sande verlaufen."

Ordnungsamt unterstützt Polizei

Auch wenn die eigentliche Ermittlungsarbeit von der Polizei gemacht werde, kann das städtische Ordnungsamt seine angestellten Gemeindevollzugsdienstler bitten, verstärkt auf Giftköder zu achten, um die 720 Hundebesitzer in der Stadt zu schützen. Sachgebietsleiterin Stephanie Wehrle wurde erst jetzt von der Polizei über die Anzeige informiert. "Jedoch ist auch uns eine 24-Stunden-Überwachung nicht möglich", sagt Wehrle. Die Hundehalter seien selbst gefordert, sich durch die Einhaltung der Leinenpflicht zu schützen.

Das können Hundebesitzer tun, um ihre Tiere zu schützen

  • Prävention: In großen Teilen der Kurstadt herrscht Leinenpflicht, an diese sollten sich Hundebesitzer halten, um genauer überprüfen zu können, was die Hunde fressen.
    Nach Möglichkeit sollte man nicht in der Dunkelheit spazieren gehen oder eine Taschenlampe dabei haben, um Gefahrenstellen im Blick zu haben. Hunde können auf solche Situationen trainiert werden, kein fremdes "Futter" zu fressen. Im Einzelfall wird von Experten auch zu speziellen Maulkörben geraten, die von der Aufnahme von Giftködern abhalten. Damit andere Hundebesitzer nicht in dieselbe Falle tappen, ist der Austausch zum Beispiel in Gassi-Gemeinschaften wichtig.
  • Auf Warnzeichen hören: Wenn der Hund sich auffällig verhält, träge wird oder erbricht, sollten Hundebesitzer aufhorchen und einen Tierarzt kontaktieren, um abzuklären, ob es sich tatsächlich um eine Vergiftung oder doch um eine Unverträglichkeit handelt. Anzeichen können auch Unruhe oder Durchfall sein. Der Anruf beim Arzt empfiehlt sich auch deshalb, weil der Tierarzt am Telefon bereits erste Hilfsmaßnahmen anraten kann.
  • Fund sichern und dokumentieren: Wer einen Giftköder, beispielsweise ein Stück Fleisch, das mit Rattengift, Cumarin, Schneckenkorn oder sonstigen Stoffen präpariert wurde, findet, sollte es sichern (zum Beispiel in einen Beutel packen) und fotografieren. Auch die nähere Umgebung sollte nach weiteren Ködern abgesucht werden. Je mehr Hinweise gesammelt werden, desto mehr Handhabe gibt es auch bei den Behörden, etwas zu unternehmen.
  • Polizei und Veterinäramt verständigen: Um eine Strafverfolgung einzuleiten, sollten Besitzer Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle erstatten und das zuständige Veterinäramt informieren.