Gestern war ein guter Tag für die 82 Jahre alte Elona Altheim. Bei Kater Moritz konnte der Tierarzt am Vormittag die Fäden der Operationswunde am rechten Oberschenkel ziehen. Endlich. „Jetzt darf Moritz wieder raus“, sagt die alte Dame erleichtert. Doch bei all ihrer Freude schwingt auch große Sorge mit. Sorge um ihren zutraulichen Stubentiger. Denn der schwarze Vierbeiner mit dem weißen Fleck auf der Brust war operiert worden, weil in seinem Bein eine 4,5 Millimeter große Kugel gesteckt hatte. Sie stammt nach Angaben der Polizei aus einem Luftgewehr, abgeschossen wurde sie wohl schon vor einigen Wochen im März. Samtpfote Moritz hat seit dem Tag, an dem ein Unbekannter ihn verletzt hat, einen wochenlangen Leidensweg hinter sich. Weil er offensichtlich Schmerzen beim Laufen hatte, ging Elona Altheim mit dem Tier zum Tierarzt. Da Moritz mit einen zwölf Jahren schon ein echter Katzen-Senior ist, tippte der Veterinär auf Arthrose. Doch die Beschwerden wollten einfach nicht besser werden. Warum, zeigte ein Röntgenbild. Moritz musste sofort operiert, die Kugel entfernt werden. „Es hat sich um ein Bleiprojektil gehandelt, wenn dieser Stoff in die Blutbahn kommt, erleidet das Tier eine Bleivergiftung“, so Harri Frank von der Pressestelle der Polizei.

„Ich bin wirklich entsetzt, dass jemand so etwas tut“, klagt Elona Altheim. Die freundliche Frau und ihr mittlerweile verstorbener Mann haben den Stubentiger vor vielen Jahren aus dem Tierheim geholt und ihm ein liebevolles neues Zuhause gegeben. „Ich bin sehr froh, dass er da ist“, sagt die 82-Jährige. Doch Moritz' Schicksal ist offenbar kein Einzelfall. Sie wisse von drei weiteren Katzen im Ort, die in der Vergangenheit auf die gleiche Weise verletzt wurden, so die Unterbaldingerin. Eine sei am Kopf getroffen worden und musste eingeschläfert werden. Eine andere habe nur noch ein Auge. Um den Täter zu stoppen, hat die 82-Jährige Anzeige erstattet. „Wenn niemand etwas macht, schießt der munter weiter“, fürchtet sie.

Wegen eines Vergehens gegen das Tierschutzgesetz ermittelt jetzt die Polizei im Fall Moritz. Doch Harri Frank schätzt die Erfolgsaussichten als schwierig ein. Einziger Hinweis sei das Luftgewehrprojektil. Deshalb sei man dringend auf Zeugenhinweise angewiesen. Darauf hofft auch Elona Altheim. Sie wünscht sich, dass Moritz bald wieder unbeschwert über die Wiesen rund um sein Zuhause streifen kann – und dass sie selbst auch keine Angst um ihn mehr haben muss.

Zeugen können sich beim Polizeirevier Schwenningen, Tel. 07720/85000, melden.