Die Resonanz der Bürger auf die Auftaktveranstaltung zum Bürgerbeteiligungsprozess bezüglich der Stadtentwicklung hatte Bürgermeister Jonathan Berggötz und alle Beteiligten beziehungsweise Organisatoren des Abends mehr als positiv überrascht. 300 Bürger waren gekommen und harrten gespannt der Dinge, die sie erfahren würden, nachdem ja bereits seit kurzem bekannt ist, dass sich eingangs des Kurgebietes in puncto Hotelbebauung einiges tun wird. Der Gemeinderat habe klare Ziele vorgegeben, informierte Berggötz die Zuhörer und appellierte eindringlich an alle, sich intensiv und aktiv, konstruktiv-kritisch zu beteiligen.

Die Resonanz der Bürger bei der Auftaktveranstaltung zum Bürgerbeteiligungsprozess ist beeindruckend. Bilder: Sabine Naiemi
Die Resonanz der Bürger bei der Auftaktveranstaltung zum Bürgerbeteiligungsprozess ist beeindruckend. | Bild: Naiemi, Sabine

Nach der Einführung konnten die Bürger sich an drei Themeninseln informieren, ihre Vorschläge und Fragen diskutieren, auf Kärtchen schreiben und anbringen. Gefragt wurde zum Beispiel nach konkreten Zukunftsideen, welche Dinge besonders geschätzt werden und warum, wo man Verbesserungsbedarf sieht, oder welche Probleme es momentan und in der Zukunft gibt und welche Themen bei den öffentlichen Plätzen wichtig sind.

Die Bürger können Anregungen und Wünsche auf Kärtchen an die Tafeln tackern.
Die Bürger können Anregungen und Wünsche auf Kärtchen an die Tafeln tackern. | Bild: Naiemi, Sabine
  • Zieldefinitionen des Gemeinderates: Bad Dürrheim als Tourismusstandort erhalten (Ansiedlung eines Vier-Sterne-Hotels, Investitionen in bisherige Hotels unterstützen, Solemar zukunftsfähig ausrichten); bessere Auslastung des Kurhauses und Reduktion des Defizits; Erhaltung und Aufwertung der Erholungsflächen; städtebaulich: historische Bausubstanz freilegen und erhalten, sinnvolle Nutzung für Wohnen, Tourismus und Gewerbe, Einhaltung angemessener Abstände bei Neubauten, kein Neubau von Mehrfamilienhäusern in unmittelbarer Nähe zu Erholungsflächen; Verbindungswege zwischen den Erholungsflächen und Verbesserung der Anbindung dazwischen; Aktivierung von Freiflächen im Areal; zentrale Parklösung ohne Erhöhung der Verkehrsbelastung; verträgliche Schaffung von Miet- und Eigentumswohnraum; ökologisches Bauen.
  • Drei große Bauprojekte: Das Hotel Solegarten wird teilweise abgerissen und umgebaut. Entstehen soll hier ein Drei-Sterne-Plus-Hotel mit etwa 120 Zimmern, eigener Lobby, Frühstückslounge und Ähnlichem. Es wird kein Restaurant im Hotel geben. Im Bereich der Gärtnerei wird ein Parkdeck entstehen. Geplant ist der Neubau des „Hotels am Solemar„ am Eingang des Kurparks. Das Hotel Soleo wird außer Betrieb genommen und in ein Wohn- und Geschäftshaus umgenutzt. Was aus der Erlöserkapelle wird, steht derzeit noch nicht fest. Das frühere Badhaus steht unter Denkmalschutz und bleibt erhalten. Hier würden sich verschiedene Nutzungsmöglichkeiten anbieten, erklären Michael Rebholz und Joachim Limberger, die noch nicht festgelegt sind und denen man offen gegenüberstehe.
  • Geplante Zeitschiene: Am 1. Dezember 2019 übernimmt die Invenstorengruppe „B.E.S.T.-Holding“ das Hotel Soleo als Eigentümer, das zunächst von Dirk Hetzer aus Tuttlingen betrieben wird. Im vierten Quartal 2020 wird das Hotel am Solegarten außer Betrieb genommen, der Umbau beginnt. Im dritten Quartal 2021 soll der Bau des Hotels am Kurpark beginnen. Im zweiten Quartal 2022 soll das Hotel am Solegarten wieder in Betrieb gehen, im vierten Quartal 2022 soll das Hotel Soleo außer Betrieb genommen werden und im dritten Quartal 2023 ist die Inbetriebnahme des neuen Hotelresorts geplant. Dirk Hetzer wird dann voraussichtlich den Betrieb des neuen Hotels übernehmen.
  • Die Investorengruppe: Die B.E.S.T-Holding wurde von Michael und Jürgen Rebholz und Joachim Limberger gegründet. Zur Finanzierung und Beteiligung an den geplanten Bauvorhaben werden weitere Investoren gesucht.
  • Dieersten Vorschläge: Die Waage hielten sich auf den Kärtchen Beschwerden über die Verkehrssituation (auch bezüglich der Radfahrer) in der Friedrichstraße mit Wunsch nach einer autofreien und parkfreien Innenstadt und andererseits einer weiterhin befahrbaren Innenstadt. Ein großer Wunsch ist allgemein die Verbesserung der Parkplatzsituation. So wurde etwa angeregt, den Großraumparkplatz beim Rathaus unterirdisch zu verlagern und dort eine neue Parkfläche zu schaffen. Die Scheffelstraße wurde als „Raserstrecke“ moniert, mehr Sitzmöglichkeiten in der Innenstadt wurden angeregt. Die Innenstadt solle für Kinder attraktiver gestaltet werden mit Spielmöglichkeiten und beispielsweise einem Wasserspielplatz im Hindenburgpark. Eine „überalterte“ Innenstadt wurde moniert mit hässlichen Fassaden. Auch eine originellere und schönere Gestaltung des „wie ein Friedhof“ aussehenden Kurparks wurde angeregt. Als wichtig erachtet wird der Schutz der Park- und Grünflächen.
  • Stadtbegehungen: Vier geführte Bürgerspaziergänge wird es im Verlauf des Beteiligungsprozesses geben. Auch mit dem Gemeinderat sei ein solcher Spaziergang unternommen worden, erklärte der Bürgermeister. Er sei selbst überrascht gewesen, über die dabei gewonnenen Einsichten in andere Blickwinkel. Die Bürger sind explizit aufgefordert, sich an diesen Begehungen zu beteiligen. Diese werden von Stadtbaumeister Holger Kurz geleitet, der dabei auch über die aktuelle Entwicklung informiert und Anregungen aufnimmt. Die Termine sind extra auf unterschiedliche Tage und Zeiten gelegt: Mittwoch, 16. Oktober, 18 Uhr; Freitag, 25. Oktober, 13 Uhr; Samstag, 26. Oktober, 11 Uhr; Mittwoch, 30. Oktober, 18 Uhr. Treffpunkt ist jeweils am Rathaus.
  • Der weitere Ablauf: Die Bürgerbeteiligung läuft bis 8. November. Ab sofort ist die Online-Plattform (www.bd-imherzen.de) freigeschaltet. Hier kann man sich ab sofort informieren, mitsprechen, mitgestalten. Die eingehenden Daten werden laufend eingepflegt. Mitte bis Ende Dezember soll die Auswertung dem Gemeinderat vorliegen, der dann die Grundlage für den im Frühjahr 2020 auszulobenden städtebaulichen Wettbewerb festlegt.
An den Themeninseln wird gefragt und rege diskutiert.
An den Themeninseln wird gefragt und rege diskutiert. | Bild: Naiemi, Sabine