Villingen-Schwenningen Villinger holt sich den Weltrekord: Aldo Berti läuft 2115 Kilometer barfuß durch Deutschland

Der Villinger Aldo Berti kommt nach über 2100 Kilometern quer durch Deutschland am Kloster Einsiedeln in der Schweiz an. Im Gepäck: eine Weltrekord, Blasen an den Füßen und das Gefühl, über sich selbst hinausgewachsen zu sein.

"Es ist vollbracht!" schreibt Aldo Berti am 19. August in seinem Internetblog. Nach 2115 Kilometern barfuß quer durch Deutschland hat er am Samstag das Kloster Einsiedeln in der Schweiz erreicht. Den Weltrekord im Barfußlaufen hatte er da schon seit 20 Kilometern in der Tasche. Am Freitag nämlich, als er in Rapperswil ankam, war die offiziell vom Guinnessbuch der Rekorde geforderte Strecke erreicht gewesen.

Sein eigenes Ziel hat er dann am Samstagmorgen erreicht. Ein besonderer Moment für ihn. "Ich realisiere erst langsam, was wirklich hinter mir liegt und bin überglücklich." Am Kloster angekommen trifft er auf Pater Philipp, er öffnet ihm das Portal und führt ihn vor die Schwarze Madonna. Die Briefe, die ihm im Vorfeld und auf der Reise gegeben wurden, konnte er dort niederlegen und selbst in andächtiger Stille einige Momente vor der Madonna verweilen. Er schreibt: "Das war ein sehr inniger und berührender Moment und mir liefen die Tränen herunter."

Am letzten Tag ließ er es langsam gehen, wie er der Deutschen Presse-Agentur beim Eintreffen auf dem Klosterplatz telefonisch berichtete. „So ist Ruhe in mich eingekehrt“, sagt der 53-Jährige. Er habe öfter gezweifelt, ob er es überhaupt schaffe. Deshalb sei er zwar erschöpft, aber zufrieden: „Ab und zu kommt fast eine Träne.“ Am Sonntag war ein größeres Empfangsfest in Einsiedeln geplant.

Der Physiotherapeut aus Villingen war im Mai in Sassnitz auf Rügen losgegangen, mit dem Ziel, den Weltrekord des Iren Eamon Keavenen im Barfußlaufen zu übetreffen. Der war 2016 in 104 Tagen 2080 Kilometer gelaufen. Den 2081. Kilometer habe er am Donnerstag in Sirnach rund 50 Kilometer südlich von Konstanz angetreten, berichtet Berti. Seine Gesamtstrecke liege bei mehr als 2110 Kilometern. Er habe seine Wanderung mit GPS-Daten aufgezeichnet – Schummeln gehe dabei nicht.

Barfußlaufen geht nicht nur auf die Füße, sondern auch ins Genick: Man muss, so Berti gegenüber dem SÜDKURIER, den Blick immer auf den Boden richten, schließlich "muss man sehen, wo man hintritt". Aller Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz lies sich die ein oder ander Blessur nicht vermeiden. Gleich zu Beginn seiner Tour sei er einen Abhang hinuntergestürzt und danach mehrere Tag mit einem dicken Bein weitergelaufen. Mehrere Splitter hat er sich eingelaufen, von den Blasen, Schürfwunden und Schrunden ganz zu schweigen.

Kommende Woche sei darum zu Hause erstmal Ausruhen mit der Familie angesagt. Die Füße werde er aber nicht nur hochlegen: „Die Füße haben schon den Anspruch, sich zu bewegen.“ Für Berti sind kleine Spaziergänge mit dem Hund, „nur zehn Kilometer“, pure Erholung. Außerdem wolle er mal wieder Schuhe tragen, um den Blick wieder nach oben richten zu können beim Laufen.

Berti hat mit der Tour Spenden für hilfsbedürftige Kinder gesammelt. Er rechne damit, dass mindestens 10 000 Euro zusammengekommen seien, sagte er. Der Gedanke an die Kinder habe ihn in schweren Stunden getragen, sagt er, und an seine beiden Enkel, die er nicht habe enttäuschen wollen. „In der Euphorie der Planung macht man sich keine Vorstellung, wie schwer so etwas in Wirklichkeit ist.“

Berti war meist allein unterwegs, mit einem 14 Kilogramm schweren Rucksack. Die Kleidung haber er unterwegs selbst gewaschen. Für die Füße war ein Enzymspray im Gepäck, das den Stoffwechsel anregt, sagt er. Nach der Euphorie des Planens und dem Tal der Realität packte ihn am Samstag die Euphorie des Erfolgs: „Ich könnte eigentlich schon wieder loslaufen“, sagte er. Vielleicht nehme er im kommenden Jahr an einem Marathon in Hamburg teil. Barfuß, versteht sich.

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