Villingen-Schwenningen Vergewaltiger gesteht vor Gericht – Opfer akzeptiert Entschuldigung

Das Amtsgericht in Villingen verhandelt einen Fall von Vergewaltigung. Der Täter zeigt sich zunächst uneinsichtig, verständigt sich dann aber doch mit seinem Opfer. Der Frau bleibt immerhin eine unangenehme Befragung erspart. Dafür tritt eine Nachbarin in den Zeugenstand.

Für eine Vergewaltigung im Dezember 2016 wurde nun ein 29-jähriger Mann vor dem Schöffengericht zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Dieses vergleichsweise milde Urteil kam durch eine sogenannte Verständigung zustande.

Seit über vier Monaten sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Er wurde bezichtigt, seine Ex-Verlobte in ihrer eigenen Wohnung in Villingen gewürgt und vergewaltigt zu haben.

Ausführlich schilderte der Angeklagte seine Version. Als er seine Ex-Verlobte besucht hätte, wäre ein Bekannter von ihm aus der Wohnung gekommen und er habe diesen aufgefordert zu gehen. Dann hätten sie geredet, dabei habe sie sich einverstanden erklärt, Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben.

Doch sie habe nach einem kurzen Vorspiel nicht mehr gewollt und ihn stattdessen später der Vergewaltigung bezichtigt. Ob die Frau damals noch seine Verlobte war, wollte Richter Bäumler wissen. Sie habe ihn ständig angelogen, dennoch habe er sie inniglich geliebt, antwortete der Angeklagte ausweichend.

Seiner Ansicht nach habe ein Bekannter von ihm etwas mit der Sache zu tun, den er in der Wohnung seiner Verlobten angetroffen hatte. Außerdem kam er mit dem Verhalten seiner Ex-Verlobten nicht klar. „Ich verstehe sie nicht. Erst ja sagen, dann nein, so etwas geht doch nicht“, sagte der Angeklagte. „Doch“, erwiderte Richter Bäumler trocken, so sei das eben: „Mal sagt man ja und mal nein.“

Auf Widersprüche bei seiner Aussage gegenüber der Polizei wies die Anwältin der Nebenklägerin den Angeklagten hin. Auf dem Smartphone der Geschädigten seien eine Menge von Nachrichten, die auf ein massives Stalking des Angeklagten hinwiesen, führte zudem der Staatsanwalt aus. Auch solch ein Stalking bestritt der Mann in der Verhandlung vehement.

Daraufhin wurde eine Zeugin aufgerufen, die im selben Wohnblock lebt. Der Angeklagte habe sie einige Tage vor dem Vorfall um Hilfe bei der Suche eines Zimmers gebeten, da er von der Geschädigten aus der Wohnung verwiesen worden war. Sie habe ihm tatsächlich ein Zimmer besorgt.

Am fraglichen Abend habe er mitten in der Nacht ins Haus wollen, sie habe ihn aber nicht reingelassen. Ein anderer Mann habe die Wohnung der Geschädigten verlassen. Kurze Zeit später habe sie ein Röcheln gehört, dann Hilferufe der Geschädigten. Sie sei in den Hausflur gegangen und haben den Angeklagten nach unten laufen gesehen. „Sie kauerte am Türstock und stand völlig unter Schock“, berichtete die Zeugin.

Nach einer Besprechung mit den Schöffen wies Richter Bäumler auf die Möglichkeit einer Absprache hin. Denn der vorliegende Fall sei ein durchaus komplizierter, da er auf einem Beziehungshintergrund beruht. „Allerdings denken wir tatsächlich, dass das eine Vergewaltigung war.“

Befragung des Opfers vermieden

„Wenn wir hier so weiter machen, kann es zu einer ziemlich unangenehmen Befragung der Geschädigten kommen“, erklärte der Richter den Anwesenden. Sollten die Beteiligten zustimmen, wäre eine Verurteilung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung mit 300 gemeinnützigen Arbeitsstunden und der Übernahme der Gerichtskosten möglich.

Die Geschädigtenseite forderte zusätzlich eine Einsicht für die Straftat vom Beklagten in Form einer Entschuldigung und ein Annäherungsverbot. Nach einer weiteren Beratung legte der Angeklagte daraufhin ein vollumfassendes Geständnis ab und bat die Geschädigte offiziell um Verzeihung und akzeptierte das Annäherungsverbot.

„Mein Mandat hat das Herz über die Stange geworfen und sich entschieden, das hier ordentlich zum Ende zu führen. Darüber kann man froh sein und ich denke, er hat was gelernt daraus“, führte der Anwalt des Beklagten aus.

Da die Nebenklage das überraschende Geständnis und die Entschuldigung fast wohlwollend akzeptierte, wollte auch der Staatsanwalt nicht weiter ins Detail gehen. Er verzichtete auf eine weitere Verfolgung der Straftat.

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