Villingen-Schwenningen Überflüssige Operationen durchgeführt, um sich zu bereichern: Arzt wegen mehrfacher Körperverletzung verurteilt

Der Mediziner soll überflüssige Operationen durchgeführt haben, um sich zu bereichern. Der Angeklagte gesteht die Tatvorwürfe vor dem Amtsgericht Villingen. Die zehnmonatige Haftstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Einen spektakulären Fall erlebte das Villinger Amtsgericht am Mittwoch, als ein ehemaliger Facharzt aus der Doppelstadt vor den Kadi treten musste. Der konkrete Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete, dass sich der Arzt der Körperverletzung schuldig gemacht habe, indem er Patienten in sechs Fällen zu einer Operation gedrängt haben soll, ohne die dafür vorgeschriebene Einwilligung einzuholen. Nach langer Beratung der Prozessbeteiligten und einem Geständnis kam der Beklagte mit einer zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafe von zehn Monaten und 3000 Euro Geldstrafe glimpflich davon.

Schon zu Beginn der Verhandlung vor dem Schöffengericht stellte der Staatsanwalt dem Beklagten in Aussicht, dass sich ein Geständnis strafmildernd für den nun im Vorruhestand befindlichen Arzt auswirken könnte: "Ich möchte so fair sein, Ihnen gleich zu sagen, dass ich andernfalls wohl für eine höhere Strafe plädieren würde." Grund für diese klare Ansage war die erdrückende Beweislage gegen den 64-Jährigen. "Mir ist bewusst, dass es noch viele weitere Geschädigte gibt. Das hier ist bloß die Spitze des Eisberges", erklärte der Staatsanwalt weiter, "Gegenstand sind heute aber nur die sechs angeklagten Fälle".

In insgesamt sechs Fällen im Zeitraum von Mitte 2012 bis Anfang 2015 wurde dem Mediziner vorgeworfen, Patienten zu einer Operation veranlasst zu haben, ohne diese zuvor über etwaige Risiken aufzuklären. Da dies von allen Geschädigten berichtet wurde, kamen daran keine Zweifel auf. Der Staatsanwalt unterstellte dem Angeklagte, er habe sich durch diese überflüssigen Operationen bereichern wollen.

Besonders dramatische Folgen hatte dies bei einer Frau, die sich wegen chronischer Entzündungen in die Praxis des Mediziners begab. Dieser riet zu einer Reinigung der Nasennebenhöhlen, einer Begradigung der Nasenscheidewand sowie einer Glättung der Nasenmuschel. Bei der fünf Tage später stattfindenden ambulanten Operation durchstieß der Angeklagte laut Anklageschrift die Schädelbasis der Geschädigten, sodass Hirnwasser austrat. Auch als sich die Frau kurze Zeit später wegen starker Blutungen erneut vorstellig machte, so der Vorwurf, habe der Beklagte nichts unternommen.

Nachdem sich der Gesundheitszustand drastisch verschlechterte, wurde eine Not-Operation im Krankenhaus VS notwendig. Durch eine zwischenzeitlich entstandene Hirnhautenzündung folgten 30 Tage stationäre Aufenthalt, zwei Reha-Maßnahmen und ein halbes Jahr Arbeitsunfähigkeit.

Dieser Sachverhalt hätte nach anfänglicher Ansicht des Staatsanwalts auch unter gefährlicher Körperverletzung verfolgt werden können. Der Tatbestand "mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung" schien möglicherweise verwirklicht und damit verbunden ein wesentlich höherer Strafrahmen. Nach einer halbstündigen Unterredung zwischen den Prozessbeteiligten, ließ der Beklagte über seinen Rechtsanwalt verlauten: "Ich gestehe die Vorwürfe ein und möchte mich entschuldigen."

Im staatsanwaltlichen Plädoyer wurde nun vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung Abstand genommen: "Es wäre lebensfremd anzunehmen, dass der Beklagte die Patientin mit Absicht fehlerhaft operiert hat, um ihr Leben zu gefährden, dennoch muss die Schwere der Tat berücksichtigt werden." Der Staatsanwalt plädierte auf 15 Monate Haft und 3000 Euro Geldstrafe, der Verteidiger "naturgemäß auf eine niedrigere Strafe": sechs Monate Haft und 3000 Euro Geldstrafe. Beide Seiten verzichteten nach dem Urteilsspruch auf Rechtsmittel, das Urteil ist folglich rechtskräftig.

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