Villingen-Schwenningen Trotz Förderung vom Minister: Forstamt will keine Singletrails einrichten

Tobias Kühn, Forstamtschef in Villingen, vertritt in Sachen Mountainbike-Strecken im Wald eine klare Position: Er will keine Routen auf schmalen Wurzelwegen für Mountainbiker einrichten. Dem SÜDKURIER erklärt er, warum.

Wer rund um Villingen-Schwenningen mit dem Mountainbike durch den Wald fahren möchte, darf dies laut Gesetz nur auf Wegen mit mindestens zwei Metern Breite. Zwar sieht das Landeswaldgesetz die Ausnahme vor, dass im Wald kleine, Trampelpfad-ähnliche Wege für Biker freigegeben werden. Forstminister Alexander Bonde will dies sogar fördern. Die Position von Villignens Forstamtschef Tobias Kühn zu diesen so genannten Singletrails aber ist eindeutig: „Wir können, aber wir wollen nicht.“ Eine Übersicht der Positionen:

Die Standpunkte
  • Die Mountainbiker: Wollen eigentlich auf allen Wegen fahren dürfen. Mountainbike-Verbände kämpfen gegen die so genannte Zwei-Meter-Regel, die ihnen vorschreibt, auf welchen Waldwegen sie mit ihren Rädern unterwegs sein dürfen. „Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass es bei einem respektvollen Umgang miteinander möglich sein sollte, auf allen Wegen zu fahren“, erklärt auch Albert Simon, Pressewart beim Skiclub Villingen stellvertretend für die Radabteilung des Vereins und spielt auf den Interessenskonflikt mit Wanderern an. Natürlich gebe es neuralgische Punkte, da sei Rücksicht sowohl von Wanderern als auch von Radfahrern gefordert.
  • Die Ausnahmeregel: Land fördert so genannte Singletrails. Im Juli hat der Petitionsausschuss nach Anhörungen in Stuttgart entgegen der Forderung der Biker an den Landtag die Beschlussempfehlung abgegeben, an der Zwei-Meter-Regel festzuhalten. „Weil sie sich bewährt hat, und weil die Regelung Ausnahmen zulässt“, erklärt Karl-Heinz Lieber vom Landesbetrieb Forst BW. Forstämter könnten im Rahmen dieser Ausnahme Singletrails für Radfahrer freigeben. Bislang sei aus Sicht des Petitionsausschusses von dieser Möglichkeit insgesamt zu wenig Gebrauch gemacht worden, erklärt Lieber. Im Sinne des Tourismus und der Erholung im Wald werde die Auszeichnung deshalb nun vom Land stärker finanziell gefördert. Die Forstämter wurden aufgefordert, Initiativen zu unterstützen, die neue Strecken schaffen wollen.
  • Das Forstamt: Singletrails im städtischen Forst nicht erwünscht. „Der Erlass vom Minister ist kein Soll-, sondern ein Kann-Erlass“, stellt Forstamtschef Tobias Kühn klar und macht deutlich, dass er wenig von Singletrails in seinen Wäldern hält. Wollte er die Radwege auszeichnen, müsste er im Gegenzug Wanderwege streichen, aktuell sehe er keinen Anlass, tätig zu werden: „Es hat sich noch nie jemand bei mir gemeldet, der das wollte“, erklärt er und ergänzt: „Ich habe mich mit dem Tourismus abgestimmt, ob Interesse besteht, da hieß es: Nein.“ Auch dem Gemeinderat würde Kühn, sollte dieser sich mit dem Thema befassen, von dem Vorhaben abraten. Aufwand und Kosten seien zu groß, der Nutzen zu gering. Auch sieht er Probleme bei der Haftung. Im von Minister Bonde Anfang des Jahres vorgestellten Mountainbike-Handbuch heißt es zu der Thematik zwar, der Waldbesitzer habe laut Waldgesetz bei Unfällen durch „waldtypische Gefahren“ wie beispielsweise Äste oder Wurzeln seine Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt und keine Haftung zu übernehmen. Kühn aber befürchtet, dass dies im Zweifel nicht greift: „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung des Gerichtes.“ Darüber hinaus sei auch das Gelände, auf dem sich der städtische Forst befindet – immerhin der zweitgrößte kommunale Forstbesitz im Land – zum Mountainbiken weniger geeignet. „Wir haben nicht das Terrain, das die Leute suchen“, weiß Tobias Kühn.
 

Landeswaldgesetz

Im Waldgesetz für Baden-Württemberg ist das Betreten des Waldes in Paragraph 37 geregelt. Die Zwei-Meter-Regel für Biker sowie die Möglichkeit der Ausnahme von dieser Regel sind in Absatz 3, Satz 3 formuliert: „Nicht gestattet sind das Reiten auf gekennzeichneten Wanderwegen unter 3 Metern Breite und auf Fußwegen, das Radfahren auf Wegen unter 2 Metern Breite sowie das Reiten und Radfahren auf Sport- und Lehrpfaden; die Forstbehörde kann Ausnahmen zulassen.“

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