Villingen-Schwenningen Trauerfeier für Gerhard Gebauer: "Sein Lebenswerk wird weiterleben"

Der verstorbene Oberbürgermeister Gerhard Gebauer ist auf dem Schwenninger Waldfriedhof beigesetzt. Die Trauerredner würdigen seine beeindruckende Lebensleistung.

Gerhard Gebauer ist von der Stadt Villingen-Schwenningen und vom Landkreis Schwarzwald-Baar am Freitag würdevoll verabschiedet worden. Seine menschliche wie politische Lebensleistung wurde dabei in den Mittelpunkt gestellt. Der am Pfingstsamstag im Alter von 90 Jahren verstorbene, langjährige und vielfach ausgezeichnete Oberbürgermeister findet auf dem Schwenninger Waldfriedhof seine letzte Ruhe.

Pfarrerin Märit Kaasch gelang in der Schwenninger Stadtkirche eine von menschlicher Wärme und Respekt geprägte Feier, bevor sie den letzten Segen erteilte. An die Trauergemeinde gerichtet, sagte sie über den langjährigen Oberbürgermeister: "Er war Ihr Wegbereiter." Die "Liebe zu den Menschen" hätte ihm eine Lebensleistung ermöglicht, angesichts derer sich viele fragten: "Wie kann man in einem Leben so viel gestalten?" Sie erinnerte daran, dass der so umfangreich beanspruchte Mensch Gerhard Gebauer außerdem über 64 Jahre seine Ehe geführt und auch innerhalb seiner Familie das soziale Verantwortungsbewusstsein vorgelebt habe.

Schwenninger Stadtmusik begleitet Trauerfeier

Ein Ensemble der Schwenninger Stadtmusik sowie Christof Wünsch an der Orgel und Wolfgang Wössner an der Klarinette verliehen der 90-minütigen Feier ihren würdigen Rahmen. Vertreter des Roten Kreuzes hielten am aufgebahrten Sarg in der Stadtkirche die Ehrenwache. Bei der Beisetzung auf dem Waldfriedhof musizierte die Schwenninger Stadtmusik.

"Wer das Beste sucht, darf sich nicht immer am Gipfel orientieren." Er müsse aber fähig sein, die guten Wege zu erkennen. Gebauer sei dies vielfach gelungen, stellte Rupert Kubon in seiner Trauerrede fest. "Mit viel Geschick und großem politischen Gespür" habe der erste Rathaus-Chef des späteren Oberzentrums bei der Zusammenführung von Villingen und Schwenningen agiert. Der Mut zur Städtefusion von Villingen und Schwenningen 1972 habe die Bürger davor bewahrt, noch stärker unter der Strukturkrise mit dem Niedergang der Uhrenindustrie leiden zu müssen. Es sei gerade auf Grund der neuen, markanten Stadt-Größe gelungen, die Hochschulen hier anzusiedeln. Gerhard Gebauer habe im übertragenen Sinne dafür gesorgt, "dass im Schwarzwald nicht die Lichter ausgingen. Von ihrer Leuchtkraft kann sich jeder überzeugen, der heute durch unsere Stadt geht", so Kubon weiter.

Siegfried Heinzmann (am Rednerpult) würdigt das Lebenswerk von Gerhard Gebauer. In der Stadtkirche blieben viele Sitze frei, gerätselt wird, ob dies ausschließlich an der Ferienzeit liegen kann. Bilder: Jochen Hahne
Siegfried Heinzmann (am Rednerpult) würdigt das Lebenswerk von Gerhard Gebauer. In der Stadtkirche blieben viele Sitze frei, gerätselt wird, ob dies ausschließlich an der Ferienzeit liegen kann. Bilder: Jochen Hahne

Herausragende Verdienste habe sich Gebauer auch bei der Stadtentwicklung erworben. Die Neugestaltung der Innenstädte von Villingen und Schwenningen, die Realisierung großer Schulbauten sowie die Umwidmung des früheren Villinger Heilig-Geist-Spitals zum Franziskaner-Konzerthaus nannte Kubon als Belege.

Gebauers Wirken prägt die Doppelstadt 

Gebauer habe über den "politischen Tellerrand hinausgeblickt". Sein Engagement beim Roten Kreuz und für die Geriatrie sei geprägt von "hoher sozialer Verantwortung". Vier neue Partnerstadt-Verträge seien in der Amtszeit von Gerhard Gebauer in Villingen-Schwenningen unterzeichnet und mit Leben erfüllt worden. Für Gebauer, der im Krieg als 17-jähriger Soldat schwer verwundet worden sei, "war es eine Herzensangelegenheit, die Hand der Versöhnung weit auszustrecken", beschrieb Kubon.

Gebauer habe vor allem auf Grund der Städtefusion "große Anfeindungen politischer Gegner erlebt". Kubon bezeichnete diese "persönlichen Angriffe" als "schmutzig". Mit "stoischer Gelassenheit" habe der Verstorbene diese Attacken überstanden – unter welcher Kraftaufbietung, das hätten, so Kubon, nur die wenigsten mitbekommen.

"Er war aber auch ein bewunderter Mensch", führte Kubon seine Würdigung fort. Wie anders hätte Gebauer einmal in Schwenningen und zweimal in Vilingen-Schwenningen im Amt bestätigt werden können, sinnierte er.

Der amtierende VS-OB strukturierte seine selbst verfasste Rede in einen offiziellen und einen persönlich gehaltenen Teil. Nicht immer sei er mit Gerhard Gebauer einer Meinung gewesen, ließ der amtierende Oberbürgermeister wissen. Kubon offenbarte, dass er sich vor seiner eigenen Kandidatur ums Oberbürgermeisteramt früh die Zustimmung Gebauers eingeholt habe. Nach dem Tod von Gerhard Gebauer gehe es im Oberzentrum nun auch darum, die neuen Herausforderungen im Sinne des Verstorbenen anzunehmen.

Das politische Lebenswerk Gebauers ist die Städtefusion. Dies unterstrich auch Joachim Gwinner, der für den Landkreis Gebauers Verdienste nachzeichnete. Er sprach von einer "großartigen Lebensleistung einer außergewöhnliche Persönlichkeit". Gebauer, der ab 1962 zunächst im Kreistag Rottweil und später im Kreistag Schwarzwald-Baar agierte,, habe "wegweisende regionale Entscheidungen mitverantwortet". "Seine Stadt war für ihn stets Teil des Ganzen – des Landkreises", sagte Gwinner. "Geballtes Durchsetzungsvermögen, anpackend, motivierend und willensstark." Mit diesen Attributen beschrieb er den Verstorbenen. Vorausschauend sei der Bau der Geriatrie beim heutigen Klinikum gewesen. "Die Zeit gab ihm recht", sagte Gwinner zu dieser unternehmerischen Maßnahme der Familie Gebauer. "Er war ein Kollege, von dem man lernen konnte. Ich sage das im Namen aller, denen er seine politische Karft zur Verfügung gestellt hat", so der Erste Landesbeamte. Gwinner schloss mit den Worten: "Sein Lebenswerk wird weiterleben."

"Nicht vorpreschen, die Dinge sich entwickeln lassen. Das war seine Art." Siegfried Heinzmann sprach für die SPD, deren Mitglied Gerhard Gebauer seit 1953 war. "Leidenschaftlich und verantwortungsbewusst sowie orientiert an der Realität" habe der verstorbene VS-Ehrenbürger agiert. "Er hat für das kulturelle Leben in der Stadt die Räume geschaffen und den Europa-Gedanken mit dem Ausbau der Städtepartnerschaften vorangetrieben", würdigte der Weggefährte Gebauers. Der verstorbene OB habe die hohe "Bedeutung der Vereine für das Leben in der Stadt" erkannt. "Für die Vereine war er ein hoch geachteter Freund." Heinzmann sagte weiter für die SPD: "Er war uns ein Mentor und Wegweiser. Wir verdanken diesem herausragendem Kommunalpolitiker viel."

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