VS-Tannheim Tannheim fehlt massiv Platz für neue Wohnhäuser

Die innerörtliche Lücken sind fest in privater Hand und werden für den eigenen Nachwuchs vorgehalten. Dazu kommt erschwerend, dass gleich zwei Nachbargemeinden junge Familien mit viel günstigeren Baulandpreisen locken kann.

Der vorläufige Abschlussbericht der Ortsentwicklungsstudie sieht für Tannheim bezüglich seiner Wohnflächenmobilisierung wenig Gutes vor. Es hat mitunter die niedrigsten Baulandreserven aller VS-Ortsteile. Zusätzlich sei das Bauland um den Faktor drei teurer als in benachbarten Gemeinden. Junge Leute würden zwecks Familiengründung in das benachbarte Wolterdingen oder Brigachtal abwandern. Gleichzeitig zeigen sich die Tannheimer mit Besitz von Bauland im Innenbereich bei Umfragen sehr verschlossen.

  • Reserven im Innenbereich: Gerade mal zwölf Baulücken an erschlossener Fläche mit einem Umfang von 11 500 Quadratmetern hat Tannheim in seinem innerörtlichen Bereich vorzuweisen. Bei eingereichtem Baugesuch könnte hier unmittelbar gebaut werden. Ein Unikum ist, dass keiner dieser Bürger auf Umfragen reagiert habe, was er künftig mit seinem Bauland anfangen wolle. "In keinem VS-Ortsteil ist das bei Umfragen vorgekommen, insgesamt kamen ein Drittel der Fragebögen zurück. Innenentwicklung geht nur mit Mitwirkung", sagt Stadtplaner Knut Maier vom für die Studie zuständigen Büro Baldauf. Zieht man als Referenzquelle die bekannten Zahlen der Doppelstadt heran, halten die Bürger ihr Land für ihren Nachwuchs vor. Es ergibt sich in Tannheim parallel zu allen VS-Ortsteilen das gängige Szenario. Wird innerörtlich eine Fläche aktiviert, wird sie in Windeseile unter der Hand im näheren Bekanntenkreis veräußert.
  • Horrende Deckungslücke: Es bleibt jungen Leuten folglich nichts anderes übrig, als auf frei werdenden Wohnraum durch die natürliche Alterung zu warten. Zieht man diese Zahl heran und addiert hierzu eine Aktivierungsquote von zwölf Prozent an innerörtlichem Bauland, so würden in Tannheim 2021 93 potentiellen Haushaltsgründern 13 Grundstücke zur Verfügung stehen. Laut statistischer Erhebungen wird sich dieser Wert aufgrund der abnehmenden Zahl potentieller Haushaltsgründer und Sterberate erst nach 2031 deutlich entspannen.
  • Ungenutztes Potential: Da die erschlossenen Baulücken in Privatbesitz nicht ohne Weiteres zu aktivieren sind, muss Tannheim seine innerörtlich untergenutzten Flächen oder Reserven mit deutlichem Innenentwicklungspotential ins Visier nehmen. Derer gibt es fünf mit etwa 12 500 Quadratmetern. Entstehen könnten hier etwa Ausweichangebote für altersgerechtes Wohnen, damit Ein- und Zweifamilienhäuser frei werden, oder eine Komplettierung bisher nur einseitig bebauter Straßen mit Erschließung. Vielversprechend sind beispielsweise Flächen in direkter Nähe des Rathauses oder westlich des Friedhofs. Manche der von Maier vorgeschlagenen Flächen sind jedoch bereits jetzt veräußert, in Privatbesitz oder durch Höhenunterschiede schwer bebaubar. Auch geben Erfahrungswerte her, dass ältere Leute nur ungern in Ausweichangebote umsiedeln. Es erfordert einen hohen Grad an Ein­ge­schränkt­heit im Alltag für diese einschneidende Entscheidung. In altersgerechten Wohneinheiten, auch im örtlichen Bereich, werden Versorgungsstrukturen bis hin zu Pflegepersonal erwartet. Finanzstarke Investoren müssten her.
  • Was tun? Amtsleiter für Stadtentwicklung, Henning Keune, sagt: "Tannheim muss auf doppelter Schiene fahren, innerörtlich und im Außenbereich" mit direkten Verhandlungen bis hin zu Vorkaufsrechtssatzungen mit Grundstücksbesitzern, hohem Engagement für untergenutzte Flächen und Ausweisen von neuen Bauflächen, etwa in der Brunnenstube oder Am Unteren Rain.

Weitere Ergebnisse

Vorläufige Abschlussergebnisse der Ortsentwicklungsstudie werden für Weilersbach am 4. Dezember, ab 19.30 Uhr, im Gemeindehaus und für Herzogenweiler am 9. Januar ab 19.30 Uhr im Rathaus präsentiert. (häm)

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Nachsorgeklinik in Tannheim: Die Nachsorgeklinik in der Ortschaft Tannheim bei Villingen-Schwenningen ist eine Einrichtung der deutschen Kinderkrebsnachsorge. Weitere Gesellschafter des Hauses sind die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e.V. und der Mukoviszidose-Bundesverband. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Nachsorgeklinik Tannheim.
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