Villingen-Schwenningen Steinmetz: Ein Beruf mit in Stein gemeißelten Geschichten

Matthias Schmiechen ist seit 35 Jahren als Steinmetz tätig – und schwärmt von seinem Beruf. Trotz einiger beschwerlicher Entwicklungen in der Branche.

Den ganzen Tag Hammer und Meißel in der Hand, Stein vor Augen und Staub in der Werkstatt-Luft – Vorstellungen vom Beruf des Steinmetzes gibt es viele. Matthias Schmiechen dagegen läuft mit dem Telefon am Ohr durch die aufgereihten Steinplatten seiner Ausstellung. Rein ins Büro mit etlichen goldenen, silbernen und bronzenen Grab-Namensschildern auf dem Tisch und an den Wänden. Mit der freien Hand tippt er einen Kostenvoranschlag in den Taschenrechner. Auch so sieht die Arbeit eines Steinmetzes aus. „Die Büroarbeit dauert täglich eine bis drei Stunden“, erklärt Schmiechen. Seit 35 Jahren arbeitet er als Steinmetz – einem der ältesten handwerklichen Berufe der Menschheitsgeschichte.

„Manchmal arbeiten wir noch so, wie die alten Ägypter“, beschreibt er. Dann zum Beispiel, wenn mit Hilfe einer Rolle eine schwere Steinplatte transportiert wird. Und auch mit Blick auf die körperlichen Beschwerden findet der Steinmetz Rat bei den antiken Berufs-Vorfahren. „Es gibt schon manche körperliche Zipperlein. Erst denken, dann lenken – so haben die Ägypter ihre Pyramiden auch aufgebaut bekommen“, erläutert er.

Doch manches hat sich stark verändert im Lauf der Zeit. Dank Maschinen und industrieller Fertigung kann Hammer und Meißel häufiger liegen bleiben. Und auch die moderne Technik erleichtert den Arbeitsalltag. „Ohne das Handy geht gar nichts mehr“, sagt Matthias Schmiechen. Seine beiden Gesellen stellen Fragen durch Bilder, Kunden und Lieferanten rufen an, und auch das Wetter wird laufend überprüft.

Da der Arbeitsplatz abseits des Bürotisches an der frischen Luft liegt, sei man als Steinmetz oft abhängig vom Wetter. Denn wie bei den meisten in der Branche nimmt auch bei Matthias Schmiechen die Arbeit an Grabmalen den Großteil der Aufträge ein. Der Rest der Arbeiten verteilt sich auf Restaurierungen und Gestaltungen beim Bau. „Mal ein Fenstersims oder eine Treppe, alles was man aus Naturstein eben so anbieten kann“, fasst er zusammen. Die meiste Zeit aber ist der Friedhof der Arbeitsplatz des Villinger Steinmetzes.

„Der Umgang mit den Trauernden ist eine Herausforderung und manchmal richtig erfüllend, wenn man helfen konnte“, sagt er. Gewissermaßen sei man als Steinmetz ein Exot des Handwerks, da ihre Arbeit nichts alltägliches für die Kunden sei. Auch deshalb ist der Beruf für den 59-Jährigen so abwechslungsreich. „Es ist nicht nur Stein, sondern es sind auch Geschichten, mit denen wir arbeiten“, erklärt er. Wie die Arbeit des Steinmetzes, ist auch die Bestattungskultur im Wandel. Der Trend geht schon lange weg von großen Familiengruften und hin zu kleinen Urnengräbern. „Das ist eine Kettenreaktion. Familien sind anders strukturiert, dadurch wird die Grabpflege schwieriger und die Gräber funktionaler“, erklärt Schmiechen. Und das lande letztlich dann auch beim Steinmetz. Denn kleine Urnengräber bedeuten kleine Grabsteine, und Urnen-Anlagen bedeuten noch weniger Stein-Arbeit.

„Aber wir kommen gut zurecht“, stellt Matthias Schmiechen dennoch eine positive Zukunftsprognose aus. Auch wenn es neben dieser Entwicklung noch weitere Branchen-Baustellen gibt. „Nachwuchs zu finden ist schwer“, spricht der Steinmetz ein Problem an, das es in vielen Handwerksbereichen gibt. Woran das liegt, verstehe er nicht, „vielleicht wollen sich die jungen Leute heute die Finger nicht mehr wirklich schmutzig machen“. Um der schwierigen Mitarbeitersuche entgegen zu wirken, bietet er regelmäßig Schülerpraktika oder Probearbeiten an. Ein neuer Auszubildender ist dennoch nicht in Sicht. „Körperliche Standfähigkeit ist nicht verkehrt, und er sollte keine zwei linken Daumen haben. Auch Stärken im Zeichnen und Skizzieren und in Mathe sind von Vorteil“, nennt Schmiechen einige Voraussetzungen.

Oder man bringt eine Faszination mit, wie sie Matthias Schmiechen nach 35 Jahren im Beruf und 28 Jahren in der Selbstständigkeit noch hat. „Manchmal fragt man sich schon, ob man das alles noch gern macht. Aber für mich ist es nach wie vor ein schöner Beruf“, ist er überzeugt. Das Bearbeiten eines Steins sei für ihn heute noch faszinierend und mache den Reiz des Berufs aus. „Jeder Stein reagiert anders. Jede Kante, die man macht, ist in Stein gemeißelte Geschichte“, schwärmt er.


Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
VS-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren