Villingen-Schwenningen Stein um Stein: So wird Villingens Stadtmauer weiter saniert

Bauhandwerker sind am sechsten Bauabschnitt bei der Kronengasse im Einsatz. Erfreulich: Der Zustand des Kulturdenkmals ist hier deutlich besser als am Romäusring.

Die Villinger Stadtmauer, mit 1,7 Kilometern Länge das längste Kulturdenkmal der Stadt, wird derzeit wieder um ein weiteres Teilstück saniert. Diesmal sind die Bauhandwerker dabei, einen Abschnitt zwischen der Kronengasse bei der Feuerwehr und dem kleinen Mauerdurchgang bei der Karl-Brachat-Realschule zu sanieren.

Allerdings handelt es sich bei diesem mittlerweile sechsten Sanierungsabschnitt um ein großes Stück von gut hundert Metern Mauerlänge. Die Stadt hat daher entschieden, dass diese Sanierungsarbeiten über eine Zeit von zwei Jahren gestreckt werden. Im ersten Abschnitt soll ein Mauerstück von rund 30 Metern wieder auf Vordermann gebracht werden.

Rund zehn Meter hoch ist die Stadtmauer, was ein entsprechendes Baugerüst erfordert.
Rund zehn Meter hoch ist die Stadtmauer, was ein entsprechendes Baugerüst erfordert.
„Wir haben damit vor rund drei Wochen angefangen“, berichtet Frank Rosenfelder, der Geschäftsführer der Firma Günter Bausanierung aus Unterkirnach, die den Auftrag ausführt. Seine Männer werden in den nächsten Wochen nicht durchgehend, sondern immer wieder in Etappen an der historischen Wehranlage arbeiten. Rosenfelder schätzt, dass der vorgesehene Sanierungsabschnitt bis im Oktober fertiggestellt sein wird.

Was wird gemacht? Die Bauarbeiter stellen ein Gerüst auf, entfernen den alten Mörtel aus den Fugen und mauern bei Bedarf neu auf. Anschließend werden kleine Löcher gebohrt, durch die Mörtel ins Mauerwerk gefüllt wird. Dieser Mörtel verfüllt den Hohlraum zwischen den beiden Mauerteilen – der Innen- und der Außenmauer – und sorgt für deren Haftung und Stabilität. Darüber hinaus werden Edelstahlgewindestangen in die erwähnten Löcher getrieben, um die beiden Mauerteile zusätzlich zu stabilisieren und zusammenzuhalten.

Und schließlich wird die Mauer mit modernem Trass-Kalk verfugt. „Damit verhindern wir das Ausblühen der Wand“, verdeutlicht Rosenfelder. Die wichtige Aufbringung einer Abdeckung mit Holzlatten und Ziegeln auf der Mauerkrone, die das Eindringen von Regenwasser verhindert, ist hier nicht erforderlich. Der Regenschutz wurde an diesem Mauerabschnitt bereits vor einigen Jahren gebaut.

Im Unterschied zum letzten Sanierungsabschnitt der Stadtmauer am Romäusring im Bereich des Durchgangs zur Bogengasse sind die Schäden an der Mauer im Bereich der Kronengasse glücklicherweise weitaus geringer. „Die Mauer am Romäusring war sehr marode“, berichtet Rosenfelder rückschauend. Der Mörtel im Innenbereich der Mauer hatte sich fast völlig zersetzt. „Die Wand war dort absolut desolat und hat uns große Probleme bereitet“, rekapitulierte der Firmenchef. Dort hat die Sanierung eines 30 Meter langen Teilstücks rund 175 000 Euro gekostet. In den vergangenen fünf Jahren hat die Verwaltung ihre Anstrengungen deutlich erhöht, um die Stadtmauer zu sanieren. In den Jahren zuvor waren jährlich nur 25 000 Euro aufgewendet worden, zuwenig, um den Erhalt des geschützten Baudenkmals sicherzustellen. 2009 gab es einen größeren Schaden, als ein großes Stück aus der Stadtmauer beim Oberen Tor herausbrach. 2011 mahnte das Denkmalamt deutlich größere Anstrengungen der Stadt an. Für 2017 stehen 150 000 Euro bereit.

Die Stadtmauer von Villingen

  • Entstehungszeit: Über den Bau der Stadtmauer gibt es keine schriftlichen Zeugnisse. Anhand eines Gerüstholzes, das vom Winter 1209/10 resultierte, geht man davon aus, dass die Wehranlage in dieser Zeit begonnen und in einem Zeitraum von 20 bis 25 Jahren fertiggestellt wurde. Die Tore wurden erst im 14. Jahrhundert errichtet.
  • Bedeutung: Mit einer Gesamtlänge von 1,7 Kilometern handelt es sich in Villingen laut Denkmalamt um eine der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern im südwestdeutschen Raum. „Die Villinger Stadtmauer ist eines der größten und bedeutendsten Denkmäler der Stadt“, betonte 2011 Denkmalpfleger Bertram Jenisch. Wegen ihrer Bedeutung steht sie unter der höchsten Denkmalschutzstufe.
  • Die Sanierung: Sie wird von der Stadt nach Kassenlage durchgeführt. Nachdem das Denkmalamt 2011 Druck gemacht hat, wurden die Mittel vom Gemeinderat deutlich erhöht. Für 2017 stehen 150 000 Euro zur Verfügung. Das reicht erfahrungsgemäß für einen Sanierungsabschnitt von 30 bis 50 Metern Mauerlänge. Wenn die Stadt in dem Tempo weiter saniert, dauert es schätzungsweise weitere 25 Jahre, bis die Mauer runderneuert ist. Dann kann man vermutlich wieder von vorne anfangen. (est)

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