VS-Villingen So klingt die Heimat: Villinger Rocker nehmen es mit den ganz Großen auf

Die Rockband Lieber Anders erobert die Bühnen der Region. Mit ihrem Stil schlagen sie eine Brücke von gestern nach heute. Mit Video!

Der brachiale Schlussakkord von Black Sabbaths Rock-Klassiker "Paranoid" ist noch nicht ganz verklungen, da erfüllen sanfte Klaviertöne den Kellerraum. Mit viel Gefühl geht Keyboarderin Lisa Papke (24) direkt in das Vorspiel von "Child in Time" über. Schon zu Beginn der heutigen Probe wird schnell klar: Hier ist keine x-beliebige Cover-Band am Werk. Lieber Anders schrecken auch vor komplexen Stücken nicht zurück. Von Deep Purple über Pink Floyd bis hin zu Ausnahme-Gitarrist Jimi Hendrix – die vier Schwarzwälder schaffen es, selbst den Virtuosen der Rockmusik eine eigene Note zu verleihen.

Zwischen übermannsgroßen Boxen, Bierkästen, bunten Couch-Garnituren und zur Schalldämmung angebrachten Vorhängen, bereitet sich die Gruppe in ihrem Proberaum in der Wilhelm-Binder-Straße auf den nächsten Auftritt vor. "Lasst uns mal 'Freak' probieren", leitet Gitarrist und Sänger Marcel Kübler (27) nach etwa 20 Minuten zur ersten Eigenkomposition über. Johannes Feederle (22) gibt den Takt am Schlagzeug vor. Marcel Kübler zieht sich noch schnell den Pullover aus, dann entlockt er seiner Stratocaster-Gitarre einen sphärischen Anfangsakkord. Maximilian Noppel (25) steuert den passend groovenden Bass-Part bei und Lisa Papke beginnt zu singen. Auch für ihre eigenen, melodisch rockenden Songs, die mittlerweile 60 Prozent des Repertoires ausmachen, gilt: Bei Lieber Anders greift alles harmonisch ineinander. Man merkt den Musikern die jahrelange gemeinsame Erfahrung an.

Dabei startete die eigene Musikgeschichte zumindest im Falle von Frontmann Marcel mit einem tragischen Anfangskapitel. Die Trennung von der Freundin nahm er als Teenager zum Anlass, vom Schlagzeug auf die Gitarre zu wechseln. "Auf einmal hatte ich mehr Zeit zum Üben – und natürlich genügend Material, um eigene Lieder zu schreiben", erinnert sich der 27-Jährige mit einem Schmunzeln.

"Lass mal lieber anders nennen"

Im August 2009 tat er sich mit Lisa und Max zusammen. Schon die Ergebnisse der ersten Proben klangen vielversprechend. Nur den provisorischen Bandnamen Lisa got two Boyfriends fand man auf Dauer dann doch nicht so passend. "Lass' mal lieber anders nennen" wurde zum allgemeinen Konsens – und alsbald, wortwörtlich genommen, zum tatsächlichen Bandnamen. Seither sind fünf Jahre vergangen, in denen Lieber Anders nicht nur einen Schlagzeuger dazu gewinnen konnten, sondern auch ihre regionale Bekanntheit auf Konzerten vom Bodensee bis hinauf nach Stuttgart immer weiter ausbauen konnten.

Szenenwechsel. Heute ist es wieder so weit. In Haslach im Kinzigtal steht für die Band am Abend ein vergleichsweise kleines Konzert auf dem Programm. Im Gegensatz zu den etwa 25 Besuchern in dem gemütlich eingerichteten Irish Pub sind Lieber Anders aber schon seit heute Vormittag im Einsatz, wie Techniker Michael Castano verrät. "Wir haben eine eigene Anlage, mit der wir über 800 Zuhörer beschallen können und sind deshalb quasi autark", erklärt der 27-Jährige. Der Nachteil: Man muss sich bereits Stunden vor dem eigentlichen Auftritt treffen, um den Bandhänger mit Equipment zu beladen. "Und nach dem Konzert muss natürlich auch wieder alles im Proberaum verstaut werden", sagt Johannes.

In Haslach braucht das Publikum zunächst etwas, um warm zu werden. Doch spätestens nach drei spritzigen Rocknummern und ebenso vielen humorvoll verpackten Ansagen von Marcel sind Künstler und Zuschauer auf Betriebstemperatur. Am Ende wollen die Haslacher ihre vier jungen Gäste gar nicht mehr gehen lassen. Immer wieder schallen laute Zugabe-Forderungen durch den Raum.

Für Lieber Anders sind solche Abende der Grund dafür, warum sie so viel Zeit und Mühe in ihr gemeinsames Hobby investieren: "So lange es den Leuten Spaß macht, macht es auch uns Spaß", betont Marcel. Da alle Bandmitglieder außer Studentin Lisa mittlerweile bereits berufstätig sind, sei es nicht das Ziel, mit Musik den Lebensunterhalt zu bestreiten. "Uns ist es wichtiger, dass wir uns musikalisch weiterentwickeln", sind sich Lieber Anders einig.

Ihre Zuhörer können jetzt schon auf die Ergebnisse gespannt sein, die die Band in Zukunft präsentieren wird – seien es innovative, eigene Lieder oder bekannte, "lieber anders" interpretierte Songs der großen Rock-Virtuosen.

 

So klingt die Heimat

In loser Folge stellt der SÜDKURIER Musiker, Liedermacher und Bands vor, die in der Region zu Hause und auch über die Region hinaus bekannt sind. In den vergangenen Wochen wurde unter anderem die Hip-Hop-Combo Rap Squad One und die Villinger Schalmeien in kurzen Reportagen vorgestellt. (ang)

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