Villingen-Schwenningen Schwenninger Museumsverein wird aufgelöst

Uhrensammlung soll städtisches Museum werden. Zustimmung des Gemeinderates erforderlich. Mehrkosten von 60 000 Euro würden jährlich entstehen

Der Trägerverein des Schwenninger Uhrenindustriemuseums will sich zum Jahresende auflösen. Diesen Beschluss fällte die Mitgliederversammlung einstimmig. Damit kommen Oberbürgermeister Rupert Kubon und Landrat Sven Hinterseh als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Vereins ihrem Vorhaben näher, die Einrichtung in die städtischen Museen einzugliedern. Doch erst wenn der Gemeinderat zustimmt, kann die Übernahme durch die Stadt erfolgen.

Die Zustimmung ist aber nach Darstellung von Oberbürgermeisters Kubon auf der Sitzung gar nicht mal so sicher. "Ich appelliere an den Gemeinderat, sich seiner Verantwortung für das Museum bewusst zu werden und dementsprechend zu handeln", so Kubon nach dem Beschluss. Einen Passus wollte Kubon bei der Beschlussvorlage zur Auflösung dann doch verankert sehen: das Museum müsse "in identischer Form" erhalten bleiben. Am Personalbestand dürfe weitgehend nicht gerüttelt werden, geschweige denn an den Exponaten.

Das Kernproblem des Uhrenmuseums sind die Finanzen. Laut Geschäftsführerin Ingeborg Kottmann wird das Museum derzeit mit einer Ganztagsstelle, einer 30-Stunden-Stelle und einer Kraft auf Basis eines Minijobs betrieben. Diese Stellen verursachten 2016 knapp 47 000 Euro Kosten. Kottmann selbst hingegen führt das Museumsgeschäft seit ihrer Verabschiedung in den Ruhestand im Oktober 2016 komplett ehrenamtlich. Hier liegt auch die Krux der Sache. Nach jetzigem Stand der Dinge scheidet Kottmann zum Jahresende endgültig aus.

Der Museumsbetrieb sei nur mit einer gehörigen Portion Idealismus und dementsprechendem Einsatz der Mitarbeiter möglich. "Ich verstehe die Unzufriedenheit der Leute", sagt Kubon. Zur Unzufriedenheit trage auch die wenig rühmliche Tatsache bei, dass beispielsweise der Reinigungsbetrieb im Museum auf Sparflamme läuft. Ein neuer Geschäftsführer, mehr Entlohnung für die Angestellten und eine zusätzliche Reinigungskraft könne der Trägerverein in seiner jetzigen Form nicht mehr lange schultern. Die Stadt bezuschusst den 144 619-Euro-Etat des Uhrenindustriemuseums mit 93 400 Euro. Sollte das Museum in städtische Hand übergehen, würden jährlich Mehrkosten von 60 000 Euro für die Stadt anfallen, hauptsächlich für das Personal.

Der Ball liegt nun beim Gemeinderat der Doppelstadt. Am 11. Oktober wurde eine Diskussion über eine Empfehlung an den Gemeinderat im Verwaltungsausschuss von der Tagesordnung gestrichen. Es bestand Nachholbedarf bei den Abstimmungsgesprächen. Im Gemeinderat am 18. Oktober steht die Verwaltungsvorlage ebenfalls nicht auf der Tagesordnung. Frühestens in der Novembersitzung könnte also eine Entscheidung fallen, wurde der weitere Zeitplan in der Sitzung skizziert.

Auch wenn der Rat nicht zustimmt, wäre der Bestand des Museums kurzfristig nicht gefährdet. Das Geschäftsjahr 2016 war erfolgreich und die laufenden Kosten für 2018 seien definitiv gesichert.

Der Trägerverein

Der Trägerverein führt das Uhrenindustriemuseum seit 1994. Finanziert wird er von der Stadt Villingen-Schwenningen, dem Landkreis Schwarzwald-Baar und dem Förderkreis lebendiges Uhrenindustriemuseum. Der Kreis schießt jährlich 30 000 Euro zu. Der Förderkreis unterstützt den Trägerverein nicht direkt finanziell, ist mit seinen ehrenamtlichen Kräften für den Museumsbetrieb jedoch unentbehrlich. (häm)

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