Villingen-Schwenningen Schulleiter wundern sich über angeblichen Negativtrend

Das Ergebnis der aktuellen Bildungsstudie können die heimischen Pädagogen nicht nachvollziehen. Ein Leistungsabfall sei vor Ort nicht erkennbar.

Die Ergebnisse des jüngsten Berichts des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), durch den die Leistungsfähigkeit aktueller Viertklässler verglichen wurde, klingen erschreckend. Das Bildungsniveau habe bundesweit innerhalb von fünf Jahren massiv nachgelassen, im Ländervergleich belegte Baden-Württemberg sogar nur den vorletzten Platz. Doch wie sieht es an den Schulen in der Doppelstadt aus?

Erika Götz, Schulleiterin der Südstadtschule, ist erschrocken, ob des alarmierenden Bildungstrends. Und das obwohl ihre Schule vergleichsweise gut abgeschnitten hat. Sie findet sich im landesweiten Vergleich im oberen Drittel wieder. Götz beurteilt das gute eigene Abschneiden aber ganz pragmatisch: „Das wird auch am Einzugsgebiet der Schulen liegen; in der Südstadt ist noch heile Welt.“ Schwieriger hätten es dagegen Bildungseinrichtungen, die in sozialen Brennpunkten liegen, wo Schüler beim Lernen möglicherweise keine Hilfestellungen aus dem Elternhaus bekämen.

Resultate zum Teil verfälscht?

Die Studie des Instituts stützt sich auf einen Test, den rund 30 000 Schüler der dritten Klassen im vergangenen Jahr abgelegt haben. Abgefragt wurden Fertigkeiten in den Bereichen Mathematik, Lesen, Zuhören und Rechtschreibung. Auf Grundlage dessen erstellt das IQB einen Report, der Rückschlüsse auf die Leistung der Schüler zulassen soll. Davon zu unterscheiden sind die obligatorischen Vergleichsarbeiten, die jede dritte Klasse einmal im Jahr ablegt. "Die Vergleichsarbeiten dienen dennoch zur Einordnung des Leistungsstands, da in beiden Fällen auf demselben Niveau abgefragt wird", erläuterte eine Sprecherin des IQB auf Nachfrage.

Als Ursache für die allgemeine negative Entwicklung nennt Erika Götz einerseits die Flüchtlinge, die trotz keiner oder schlechter Deutschkenntnisse an den Tests teilgenommen hätten und dadurch „gewissermaßen das Resultat verfälschen“. Andererseits könne auch die veränderte Medienwelt ursächlich für das Abrutschen sein: „Wenn Kinder unkontrolliert Computer spielen oder Medien konsumieren, liegt beispielsweise das Lesen nicht mehr im Fokus.“

Gabriele Cernoch-Reich, Rektorin der Haslachschule, sieht zwar, dass an ihrer Schule gute Arbeit geleistet werde, dennoch müsse man sich angesichts der Auswertung selbst hinterfragen. „Vor Ort kann ich nicht feststellen, dass die Schüler innerhalb der letzten Jahre schwächer wurden“, sagt die Schulleiterin, „Wir haben hier in jedem Jahrgang die volle Bandbreite: von hervorragend bis sehr förderungsbedürftig.“

In dieselbe Kerbe schlägt auch Alexander Hermann von der Bickebergschule, der ein nachlassendes Niveau selbst nicht beobachten kann. "Unabhängig von diesem Ergebnis sind wir eine Schule, die sich permanent hinterfragt und verbessern möchte", sagt Schulleiter Hermann, der nun erst einmal abwarten möchte, bis er den vollständigen Bericht, der am Freitag veröffentlicht wurde, gelesen hat, ehe über mögliche Maßnahmen nachgedacht wird.

Heraushalten wollte sich die Leiterin der Golden-Bühl-Schule. „Solche vergleichenden Leistungsmessungen sind zwar wichtig“, so die Bewertung von Jane Heinichen, die aber zugleich kritisiert: „Damit wird bloß eine einzige Facette der Leistung überprüft, die hier vor Ort erbracht wird.“

Die Autorin der Studie, Petra Stanat, erläuterte im Zuge der Veröffentlichung, dass der gestiegene Anteil von Zuwandererkindern nicht verantwortlich für die schlechteren Leistungen sei. Die Trends gingen bei deutsch- und migrationsstämmigen Kindern in eine ähnliche Richtung.

Um eine Wende einzuleiten, darin sind sich alle Befragten einig, seien in erster Linie die Länder als Bildungsträger gefragt, die ausreichend Lehrkräfte hätten ausbilden müssen.

 

Das Institut

Bei dem Institut zur Qualitätssicherung im Bildungswesen handelt es sich um ein wissenschaftliches Institut. Aufgabe des IQB ist die Überprüfung der Einhaltung von Bildungsstandards, die zuvor von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) festgelegt wurden. Im Regelfall jährlich wird der sogenannte IQB-Bildungstrend veröffentlicht, der der anhand von Stichproben die Leistung der Schüler bemisst und vergleicht. (che)

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