Villingen-Schwenningen Schüler kämpft in Villingen für eine bessere Schule

Lehrer sollen aktueller und lebensnäher unterrichten. 16-Jähriger Gymnasiast Marius Redemann startet im Internet Petition.

Die Petition läuft seit Anfang April. Das ehrgeizige Ziel: ein besseres Schulsystem, näher an der Wirklichkeit. Dafür kämpft Marius Redemann (16), Zehntklässler am Villinger Hoptbühl-Gymnasium. Den wichtigsten Grund für seinen Vorstoß nennt er gleich zu Beginn der Petition: "Ich bin selbst noch Schüler und erlebe jeden Tag am eigenen Leibe, wie ich mich zur Schule schleppen muss und mich über den Tag hinweg größtenteils langweile.“ Langeweile – muss das sein? Was Generationen von vielen Schülern offensichtlich hinnahmen, will der 16-Jährige, der in Brigachtal wohnt, ändern.

Ihn interessierte zunächst, wie das seine Klassenkameraden sehen. So habe er ihnen die Aufgabe gestellt, das derzeitiges Schulsystem auf einer Skala von eins bis zehn zu bewerten, wobei eins der schlechteste und zehn der beste Wert darstellt. Die Durchschnittsbewertung von 26 Schülern betrugt 5,4. Dies sei zwar kein unglaublich schlechter Wert, wie er selbst einräumt, aber eben auch kein besonders guter. Zusammen mit seinen Freunden machte er sich auf die Suche, was ein zeitgemäßes Schulsystem ausmacht. Redemann stört zum Beispiel: Aktuelle Nachrichten, die am Abend zuvor das Fernsehen beherrschten oder tagesaktuell im Internet zu lesen sind, spielen im Unterricht so gut wie nie eine Rolle. Stattdessen werden historische Ereignisse, die vor Jahrhunderten die Menschen bewegten, breit getreten. Ein anderes Thema: Was lernen die Schüler nicht alles über die Photosynthese – bis ins letzte Detail und über Wochen hinweg. Aber das Thema Ernährung, was bei den vielen übergewichtigen Schülern einfach wichtig sei, komme kaum vor.

Dabei denkt er an die Einführung eines Faches Kochen, die in vielen Schulen mit Mensen durchaus möglich wäre. Auch an den Rahmenbedingungen muss einiges geändert werden: Der Unterricht sollte frühestens um 8 Uhr starten, das Abitur könnte vereinheitlicht und Tablets oder Laptops für jeden Schüler eingeführt werden.

Rund 593 Unterstützer haben sich bisher an der Petition beteiligt, 110 000 sollen es am Ende noch werden. Marius Redemann ist fest überzeugt, dass er die ambitionierte Marke schafft, "immerhin habe ich noch knapp ein Jahr Zeit". Dann werden seine Forderungen im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags behandelt. Dabei hat er schon jetzt eine Diskussion angestoßen, nicht nur in der eigenen Schule. Für zwei Radiosender gab er bereits Interviews, daran schlossen sich spannende Diskussionen an. Müsse zum Beispiel alles, was der 16-Jährige fordert, von der Bildungsstätte erfüllt werden oder sei nicht auch das Elternhaus gefordert. "Ich bin Lehrerin und kein Steuerberater oder Versicherungsvertreter", merkte eine Pädagogin im sozialen Netzwerk Facebook an. Dass Schulen lehren sollen, wie ihre Schützlinge Steuererklärungen ausfüllen oder Versicherungen abschließen, fordere er zwar gar nicht, betont der Gymnasiast, aber es sei interessant zu sehen, welche Kreise die Petition inzwischen ziehe.

Stolz ist Marius Redemann, den im Unterricht vor allem Fächer wie Ethik und Gemeinschaftskunde interessieren, auf die meist positiven Kommentare direkt auf der Petitionsseite: "Ich arbeite seit 36 Jahren als Lehrer und halte das gesamte föderalistische deutsche Schulsystem für komplett reformbedürftig. Ich bezweifle allerdings, dass sich die Herrschaften Kultuspolitiker/innen an das Thema aufgrund von Inkompetenz sowie Ignoranz herantrauen", meint beispielsweise ein Pädagoge aus Hannover. Und ein Niederschacher erklärt: War selbst von unserem Schulsystem deprimiert.

Die Petition

Wer sich an der Petition des 16-jährigen Marius Redemann beteiligen will, muss im Internet auf die Seite http://openpetition.de/!schulsystem gehen. Dort wird kurz das Anliegen des Hoptbühl-Gymnasiasten vorgestellt. Das kann man, auch anonym, unterschreiben. Sollte das Quorum zustande kommen, werden die Forderungen an den Petitionsausschuss des Bundestags weitergeleitet.

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