Villingen-Schwenningen Offene Herzen für einen "Raum der Stille" an der Kinderklinik VS

Auf unerwartet große und positive Resonanz ist die Initiative von Mitarbeiterinnen des Schwarzwald-Baar-Klinikums gestoßen, in der Kinder-Intensivstation einen Abschiedsraum einzurichten, der es Eltern und Angehörigen ermöglicht, in einem würdevollen Rahmen von ihren verstorbenen Kindern Abschied zu nehmen.

Eine Ende 2016 begonnene Spendenaktion war so erfolgreich, dass die entsprechenden Geldmittel, rund 40 000 Euro, inzwischen eingesammelt sind. Damit soll dieser "Raum der Stille" von einem Künstler in angemessener Weise gestaltet werden. Bereits Ende August ist ein Besichtigungstag geplant.

Gestern floss in den Spendentopf noch mal ein weiterer namhafter Betrag. Die Filiale der Sparda-Bank in Villingen übergab einen Scheck über 4000 Euro und stellte damit das Projekt endgültig sicher. "Wir wollen Menschen be uns in der Region unterstützen, die es schwerer haben als andere", erläuterte Filialleiter Michael Sauter beim Ortstermin. Daher sei dem Team der Sparda-Bank schnell klar gewesen, dass die Spende an das Klinikum gehen sollte, um diese gute Idee der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kinder-Intensivstation zum Erfolg zu verhelfen.

Matthias Henschen, der Direktor und Chefarzt der Kinderklinik, bedankte sich gestern bei den zahlreichen Spendern und darüber hinaus auch ganz besonders bei den Mitarbeitern der Kinder-Intensivstation, die das Anliegen im vergangenen Jahr aus eigener Initiative angepackt und in die Tat umgesetzt haben. "Ich bin sehr bewegt, dass es für dieses Projekt ein so großes Engagement gab", bekannte Henschen. Zu den engagierten Mitarbeitern gehörten vor allem die Medizinerin Francisca Kurz, eine Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Klinikum, die das Projekt leitete, sowie die die beiden Fachkinderkrankenschwestern Jasmin Erichsen und Eva-Maria Säger. Die beiden Schwestern haben sich mit viel Herzblut um die Spendenaktion gekümmert. Vor allem dank ihres Engagements und ihrer zahlreichen Kontakte, so zeigte sich Chefarzt Henschen dankbar, sei es gelungen, die Finanzierung in erstaunlich kurzer Zeit sicherzustellen.

"Die Spendenbereitschaft war enorm", berichtete gestern Eva Säger und schilderte begeistert vom Engagement kleiner und großer, junger und älterer Spender, die sich die Unterstützung des Anliegens zu eigen gemacht hatten. Besonders berührend, so schilderte sie, sei der Zuspruch betroffener Eltern gewesen, die ein Kind verloren haben. Diesen sei es sehr wichtig, dass dieses Thema nicht tabuisiert werde und der Tod eines Kindes in würdigem Rahmen verarbeitet werden könne.

Inzwischen hat die Klinik mit dem Umbau des Raumes in der Kinderintensivstation begonnen. Im nächsten Schritt erfolgt nun die künstlerische Gestaltung, wofür die Spenden benötigt werden. Die Verantwortlichen haben den Rottweiler Tobias Kammerer, ein renommierter international tätiger Kirchenkünstler, damit beauftragt, den Abschiedsraum angemessen und mit warmen Farben zu gestalten. Kammerer hat bereits ein Konzept erarbeitet. "Es war uns wichtig, dass ein Künstler mit einem religiösen Hintergrund dabei ist", betont Matthias Henschen. Damit sei gewährleistet, dass für diesen sensiblen Anlass ehrenamtliches Engagement und künstlerische Professionalität zusammenwirken.

Der Andachtsraum, der selbstredend allen Religionen und Konfessionen offensteht, soll in den nächsten Wochen fertiggestellt werden. Für Ende August ist für die Spender und die Öffentlichkeit ein Besichtigungstag vorgesehen.

Der Andachtsraum

Im Betriebsalltag des neuen Klinikums ist den Ärzten und Schwestern der Bedarf für einen Abschiedsraum in den vergangenen Monaten schmerzhaft bewusst geworden. Denn immer wieder gibt es auch bei den kleinen Patienten Todesfälle, etwa bei Frühgeborenen oder kranken Neugeborenen. Für all diese "Sternenkinder" wird dieser "Raum der Stille" eingerichtet. Er wird als Andachtsraum dienen, in den sich Eltern, Angehörige und Mitarbeiter – auch schon in der Phase der Sterbebegleitung – zurückziehen und sich von den Kindern verabschieden können. Der Raum soll überkonfessionell für alle Religionen genutzt werden. (est)

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