Villingen-Schwenningen Notmaßnahme am Schulverbund Deutenberg: Rektor verhängt ein Chemikalien-Verbot

Noch immer fehlen die notwendigen Gefahrgutschränke an der größten Schule der Stadt. Hochbauamt kommt mit den vereinbarten Sofortmaßnahmen an der Schule nicht voran. Mit Video-Interview!

Ein halbes Jahr ist es her, dass die Schulleitung und die Eltern mit Nachdruck auf die desolate Ausstattung der Realschule und Werkrealschule am Deutenberg aufmerksam gemacht haben. Die größte Bildungsstätte der Doppelstadt mit fast 1000 Schülern befindet sich in einem stark verlotterten Zustand. Stadträte schlugen Alarm, die Stadt versprach Verbesserungen. Umgesetzt wurde, so ergab jetzt eine Nachfrage des SÜDKURIER, bisher nichts. Schulleiter Bernd Ellinger sah sich am Dienstag genötigt, mit sofortiger Wirkung die Verwendung von Chemikalien im Unterricht zu untersagen. Denn noch immer fehlen die vorgeschriebenen Gefahrgutschränke an der Schule.

Im Januar hatten die Betroffenen Alarm geschlagen, Stadträte schalteten sich ein, Sofortmaßnahmen wurden besprochen und 150.000 Euro vom Gemeinderat bewilligt. Sofortmaßnahmen, um die der Rektor schon seit seinem Dienstanstritt vergeblich kämpft: Seit sieben Jahren. Vor allem sollen die desolaten Jalousien der Klassenzimmer endlich erneuert, der völlig abgenutzte und zerrissene Teppichboden durch einen Kunststoffbelag ersetzt und die vorgeschriebenen Gefahrgutschränke für die sichere Einlagerung von Chemikalien beschafft werden. Der neue Fußboden sollte, so die Zielvorgabe, in den Sommerferien verlegt werden, die Chemikalien-Schränke bereis in den Osterferien.

Rückblick: Schulleiter Ellinger im Video-Interview

Inzwischen herrscht Ernüchterung. In den Osterferien ist gar nichts passiert. Bis vergangenen Woche, so berichtete Rektor Ellinger gestern, habe sich vom zuständigen Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau (GHO) niemand mehr bei der Schule gemeldet. Bei einem Gespräch letzte Woche, das ehr zufällig zustande gekommen sei, habe er nun erfahren, dass die Gefahrgutschränke auch nicht in den Pfingstferien eingebaut werden. Denn die Stadt hat die Beschaffung, Stand letzte Woche, noch nicht einmal in Auftrag gegeben. Ellinger geht davon aus, dass die Schränke erst im nächsten Schuljahr zur Verfügung stehen werden, zumal die Lieferfrist nach Auskunft eines Firmenvertreters bei 20 Wochen liege.

Notdürftig sind die Chemikalien der Schule für den Chemieunterricht untergebracht.
Notdürftig sind die Chemikalien der Schule für den Chemieunterricht untergebracht.

Eine Woche hat sich Ellinger mit der Entscheidung gequält. Dann hat er eine Dienstanweisung an die Lehrer herausgegeben: Die Verwendung von Gefahrenstoffen im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht ist mit sofortiger Wirkung untersagt. Die Stadt, so beklagt er, habe ihn die ganze Zeit "im Ungewissen gelassen", dass die Anschaffung der Schränke nicht, wie im Januar besprochen, im ersten Halbjahr umgesetzt werden kann. Länger könne er diesen Zustand nicht mehr dulden. "Wenn bei uns was passiert mit den Gefahrstoffen, trag ich ganz alleine die Verantwortung." Die Konsequenzen seiner Dienstanweisung sind ihm nur allzu bewusst. "Wir können bis auf Weiteres keinen naturwissenschaftlichen Unterricht gemäß dem Bildungsplan machen." Jetzt geht es noch um die Frage: Können die Chemikalien im Wert von einigen Tausend Euro zwischengelagert werden oder müssen sie entsorgt werden?

Der Teppichboden in der Schule muss dringend ersetzt werden.
Der Teppichboden in der Schule muss dringend ersetzt werden. | Bild: Jens Froehlich

Inzwischen bangt der Schulleiter auch um die Umsetzung der weiteren, für die Sommerferien vereinbarten Maßnahmen. Es geht um die Erneuerung des Bodenbelags und der Jalousien. Heute hat er dazu einen ersten Besprechungstermin mit der Stadt. Die muss nun planen, ausschreiben, Aufträge erteilen. Ob das alles zeitlich noch reicht für die Sommerferien? Ellinger hat Bedenken.

Angesichts des zähen Fortgangs bei den Kleinigkeiten sind die großen Sanierungsfragen noch gar nicht thematisiert: Dach, Heizung, Brandmeldeanlage, Außendämmung und vieles mehr. Die Sanierung der Schule wird, ähnlich wie am benachbarten Deutenberg-Gymnasium, auf grob 30 Millionen Euro taxiert. Immerhin, so berichtet Ellinger, sei von der Stadt vorgesehen, in diesem Jahr "die Generalsanierung anzuplanen". Im Haushalt 2017 stehen dafür 200 000 Euro bereit. Aber auch hier hat er Zweifel, ob die Stadt das noch in diesem Jahr voranbringt. "Das erste halbe Jahr ist schon um."

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