VS-Tannheim Nachsorgeklinik Tannheim: Eine ganze Klinik feiert das Leben

20 Jahre in Betrieb und 14000 Patienten. Beim Geburtstagsfest reagieren zwei Sängerinnen auf der Bühne sehr emotional. Hier gibt's alle Bilder und ein Video!

VS-Tannheim – Lebensfreude pur, das ist bei Geburtstagsfeiern meist normal. Nicht aber, wenn eine Klinik ihr 20-jähriges Bestehen begehen kann, die sich um die Nachsorge von krebskranken Kindern und Mukoviszidose-Patienten kümmert. In Tannheims Therapieeinrichtung war gestern der Tag des leisen Lächelns bei den Betroffenen und ihren Angehörigen und durchaus auch der Tag des Stolzes bei all jenen, die nun seit zwei Jahrzehnten diese Einrichtung durch die Jahre tragen.

Die Nachsorgeklinik im Schwarzwald ist alles andere als ein Selbstläufer. 14000 Patienten wurden hier bislang therapiert, viele loben die Anwendungen, das Haus, das Personal und die Umgebung. Trotzdem schafft es die Einrichtung nicht, die laufenden Kosten auszugleichen. Jahr für Jahr bleibt ein Defizit von rund 500000 Euro in den Büchern, das nur mit viel Aufwand und mit Hilfe treuer Spender ausgeglichen werden kann.
 

Die Verantwortlichen des Hauses um Geschäftsführer Roland Wehrle müssen ihren Weg nicht allein gehen. Dies wurde auch beim Geburtstagsfest am Samstag und Sonntag klar. Der VfB Stuttgart hatte seinen Fanbeauftragten Peter Reichert entsandt. Der Mittelstürmer der Meistermannschaft von 1984 kündigte eine 20000 Euro-Spende als Geburtstagsgeschenk an und die Botschaft, der prominente Verein werde sich auch künftig an der Seite der Klinik sehen, war da mindestens genau so wichtig.

Eine sichere Bank für die Klinik ist der Ort Tannheim selbst. 1991 fiel die Standortentscheidung für das Gelände zwischen Ortsrand und Wald. Wer am Sonntag genau hinsah, der erkannte: Alle Tannheimer Vereine waren auf dem Festgelände im Einsatz. Ortsvorsteherin Anja Keller sagte am Rande des Festes: "Alle Tannheimer stehen hinter der Klinik. Wir freuen uns, dass es dieses Haus gibt."

Der Fachärztemangel auf dem Land trifft das Haus aktuell mit Wucht. "Kinderärzte und Lungenspezialisten fehlen", klagt Roland Wehrle. Das Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen versucht zu helfen, soweit das möglich ist.

Das Jubelfest von Tannheim freut die Menschen und füllt die Kasse. "Über 50000 Euro werden am Schluss übrig bleiben", bilanziert Geschäftsführer Wehrle. Und: das Tannheimer Haus hat viele neue Freude gewonnen. Beim Benefizkonzert am Samstagabend mit Cassandra Steen und David Whitley schlugen die Emotionen hoch. Auf ganz besondere Weise: Zwei Background-Sängerinnen weinten am Ende auf der Bühne angesichts ihrer schwer kranken Zuhörer.

Leser als Förderer

Ohne die Leser des SÜDKURIER wäre die Nachsorgeklinik vielleicht nie gebaut worden. 2,4 Millionen Euro wurden bereits in der Bauphase gespendet. Bei den Weihnachtsaktionen dieser Zeitung kamen zuletzt jeweils über 500 000 Euro zusammen. Motor der ersten Stunden war Schauspieler Klausjürgen Wussow (Dr. Brinkmann). Seine Stiftung, die heutige Kinderkrebsnachsorge, steht auch im Jahr 2017 als maßgebliche Gesellschafterin hinter der Einrichtung, die Jahr für Jahr zu 100 Prozent ausgelastet ist. Der Inbetriebnahme 1997 ging eine zähe, siebenjährige Findungs- und Planungsphase voraus. (tri)

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Nachsorgeklinik in Tannheim: Die Nachsorgeklinik in der Ortschaft Tannheim bei Villingen-Schwenningen ist eine Einrichtung der deutschen Kinderkrebsnachsorge. Weitere Gesellschafter des Hauses sind die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e.V. und der Mukoviszidose-Bundesverband. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Nachsorgeklinik Tannheim.
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