VS-Tannheim Leukämie-Patientin findet Schritt für Schritt zurück in die Normalität

SÜDKURIER-Spendenaktion für Nachsorgeklinik: Claudia Trick nimmt nach überstandener Leukämie an einer Reha teil. Die Tannheim Einrichtung ist für sie ein Glücksort.

Der Inhalt eines Blutbeutels tropft in Claudia Tricks Körper. Milliliter für Milliliter. So beginnt am 12. Mai 2010 in der Tübinger Uniklinik ihr zweites Leben. „Eigentlich unspektakulär“, sagt die 33-Jährige. „Und doch war das der emotionalste Moment meines Lebens.“

Der Krankenpfleger, der den Beutel an den Venenkatheter gehängt hat, quetscht ihn zum Schluss noch extra aus, um keinen Tropfen zu vergeuden. „Es war so rührend, wie sich die ganze Station für mich gefreut hat“, erinnert sich Claudia Trick. Erst wenige Tage zuvor hatte die damals 26-Jährige die erlösende Nachricht bekommen: „Wir haben einen Stammzellspender!“ Vier Monate waren damals seit der Diagnose akute myeloische Leukämie (AML) vergangen. Und – das hatten die Ärzte ihr von Anfang an gesagt – ohne einen Stammzellspender würde sie kaum eine Chance haben, den aggressiven Krebs zu überleben.

Claudia Trick hat den Krebs überlebt. Die Ängste um ihr Leben ausgestanden, den Verlust ihrer Haare nach der Chemotherapie hingenommen und die Bestrahlungen vor der Stammzellspende ertragen, die einen Kollaps und Nervenschmerzen verursachten. Diese waren so heftig, dass die Ärzte sie kaum in den Griff bekamen. „Damals dachte ich: Du kannst doch nicht zwei Tage vor der Transplantation sterben.“ Und sie hat auch die Gehirnblutung überlebt, die sie ein Jahr später, im Frühjahr 2011, wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf und eine halbseitige Lähmung verursachte. Mit deren Folgen hat sie bis heute zu kämpfen – unter anderem ist sie stark gehbehindert und braucht einen Gehstock.

Die Tannheimer Nachsorgeklinik ist für Claudia Trick ein Glücksort. Hier absolviert sie eine REHA 27 PLUS für junge Erwachsene, die vor zwei Jahren durch die SÜDKURIER-Weihnachtsaktion möglich wurde. Hier hat sie enorme Fortschritte beim Gehen und Treppensteigen gemacht, Kraft getankt, „so viel gelacht wie lange nicht“ und vor allem: Hier hat sie andere junge Menschen getroffen, die ihre Probleme verstehen. Fragen nach Perspektive, Beruf, Partnerschaft und Kinderwunsch beschäftigen auch kranke Menschen – doch die Antworten sind andere. Dank der Deutschen Kinderkrebsnachsorge – Stiftung für das chronisch kranke Kind konnte ihre zunächst von der Rentenversicherung bewilligte zweiwöchige Reha-Verlängerung auf vier Wochen aufgestockt werden.

Entdeckt wurde die Leukämie bei Claudia Trick völlig unerwartet, das Leben der jungen Frau geriet buchstäblich von einer Stunde auf die andere komplett aus den Fugen. Nach der Rückkehr von einem Auslandssemester war sie immer wieder krank geworden. „Fieber, Schüttelfrost, das kam immer von einer Sekunde auf die andere.“ So war es auch an einem Sonntag im Januar 2010, als sie für die letzten Klausuren im Studiengang Marketingkommunikation und Werbung lernte. Ihre Nase lief, „als hätte man einen Wasserhahn aufgedreht“, schließlich fuhr sie zur Notfallpraxis am Pforzheimer Klinikum. Der diensthabende Arzt verschrieb Erkältungsmedikamente, die Studentin war schon fast an der Tür, als sie nebenbei bemerkte, dass sie auch „komische rote Flecken“ am Hals hätte. Einblutungen, wie sich später herausstellen sollte. Der Mediziner wurde hellhörig, veranlasste sofort eine Blutuntersuchung. Nach einer Stunde Warten kam der Schock: „Sie müssen hierbleiben.“ Umgehend wurde eine Knochenmarkpunktion veranlasst und ein freies Bett gesucht.

Schon wenige Tage später erhielt die junge Frau in Tübingen eine erste Chemotherapie, die zunächst erfolglose Suche nach einem Stammzellspender begann. Claudia Tricks Bruder hätte für sie gespendet, aber seine HLA-Merkmale (humane Leukozyten-Antigene) passten nicht. Auch mehrere Typisierungsaktionen blieben erfolglos. „Was mich aber bis heute freut: Bei diesen Aktionen wurden für viele andere Patienten Spender gefunden“, sagt die 33-Jährige strahlend. Sie selbst musste sich gedulden – eine zermürbende Zeit. „Ich habe immer gesagt, verlieren ist keine Option“, sagt sie heute. „Aber nachts, alleine im Krankenzimmer – da kommt man schon ins Grübeln.“

Heute hat Claudia Trick meist nicht viel Zeit zu grübeln. Sie lebt in Stuttgart in einer eigenen Wohnung, hat ihr Studium erfolgreich abgeschlossen, arbeitet zu 50 Prozent als Projektmanagerin im Marketing und träumt von einer Reise nach Marrakesch. Und nicht zuletzt ist da ihr großes Ziel: „Ich will eines Tages wieder frei gehen können.“ In Tannheim ist sie dem schon ein gutes Stück näher gekommen.

So spenden Sie

Spenden unter Stichwort „Tannheim“ bei Sparkasse Schwarzwald-Baar, Konto: 10550011, Bankleitzahl 694 500 65, IBAN: DE17 6945 0065 0010 5500 11, SWIFT-BIC.: SOLADES1VSS. Eine Spendenbescheinigung wird von 100 Euro an ausgestellt. Unterhalb dieses Betrages reicht beim Finanzamt die Vorlage des Kontoauszuges.

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Nachsorgeklinik in Tannheim: Die Nachsorgeklinik in der Ortschaft Tannheim bei Villingen-Schwenningen ist eine Einrichtung der deutschen Kinderkrebsnachsorge. Weitere Gesellschafter des Hauses sind die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e.V. und der Mukoviszidose-Bundesverband. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Nachsorgeklinik Tannheim.
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