Villingen-Schwenningen Lauf Aldo Berti, lauf: Villinger ist dem Barfuß-Weltrekord ganz nah

Die Füße sind nach 80 Tagen pausenlosem Barfußlaufen geschunden. Der Körper ist nach 2030 Kilometern erschöpft. Aldo Bertis Wille jedoch, der ist so stark wie nie.

Als Aldo Berti am Dienstagmittag mit geschundenen Füßen, einem Wanderstock in der Hand, einem Tuch als Sonnenschutz auf dem Kopf, in Konstanz am Hafen steht und über den Bodensee blickt, vergisst er für ein paar Momente die Qualen, die Schmerzen und die Erschöpfung der vergangenen 80 Tage.

In dem Moment, mittags am Hafen, hat er exakt 2030 Kilometer geschafft. Bis zum offiziellen Weltrekord im Barfußlaufen liegen noch 50 Kilometer vor ihm. Bis zu seinem selbst gesteckten Ziel fehlen noch 70 Kilometer.

Berti ist 53 Jahre alt, Physiotherapeut von Beruf, er spricht ruhig und überlegt, er kann über sich selbst lachen, er weiß, wo seine Grenzen sind, und geht doch darüber hinaus. Auf den Rekordversuch hat er sich lange vorbereitet. Das Lachen ist ihm angesichts der schmerzenden Füße das ein oder andere Mal vergangen. Der Wille nie.

Aldo Berti läuft seit 80 Tagen ohne Pause. Er läuft über Schotter, über 30 Grad heißen Asphalt. Er läuft sechs bis neun Stunden am Tag, er läuft die ersten Wochen zwischen 35 und 37 Kilometern am Tag. Inzwischen sind es noch rund 15. Er hat sich ein zeitliches Polster angelaufen, sein körperliches Polster hat er sich abgelaufen. Drei Löcher im Gürtel hat er jetzt mehr. Gewogen hat er sich seit der vierten Woche nicht mehr. Er schätzt, gut zehn Kilo sind inzwischen runter.

Er hat alles weggelaufen. Ein dickes Bein, nachdem er am Anfang seiner Tour einen Abhang hinunter gestürzt war. Ein Schienbein-Waden-Syndrom, das ihn eineinhalb Wochen gequält hat. Eingetretene Splitter – "seit gestern habe ich einen im großen Zeh, aber ich habe gute Hoffnung, dass sich das abläuft". Zwei weitere Splitter hat er schon seit Längerem in seinem Fuß – "die stecken zu tief drin, um sie zu entfernen, müsste man den Fuß aufschneiden." Nur wenn es gar nicht mehr geht, dann nimmt Aldo Berti auch mal den Bus. Die gefahrenen Kilometer packt er hinten wieder drauf. Mit einer App wird seine Reisegeschwindigkeit dokumentiert, so kann genau protokolliert werden, wie viel er tatsächlich gelaufen ist.

Aldo Berti läuft, bis die Füße brennen. Je heißer es werden soll, desto früher läuft er los. An Tagen, an denen es um die 30 Grad hat, ist spätestens um 14 Uhr Schluss. Morgens und abends cremt er seine Füße mit einem Enzympräparat ein. Das heilt die Wunden. Die Füße schmerzen inzwischen Tag und Nacht, sie sind empfindlicher geworden, nicht, wie Berti erwartet hatte, abgehärteter. Es gibt Momente, da ist er der Erschöpfung näher als dem Wunsch, den Rekord zu knacken. Ans Aufgeben hat er dennoch nie gedacht. "Da müssten mir schon die Füße abfallen."

Aldo Berti läuft auch für einen guten Zweck, drei Kinderhilfsprojekte will er unterstützen. Am Ende, schätzt er, werden rund 10 000 Euro an Spendengeldern zusammengekommen sein. Aldo Berti ist berühmt geworden. Er war in Zeitungen, im Fernsehen, die Leute erkennen ihn. Sie helfen im. Manch einer trägt seinen Rucksack ein Stück, ein anderer nimmt ihn mit, wenn er beim schlimmsten Unwetter an einer Landstraße in Unterfranken in Richtung Kloster Kreuzberg unterwegs ist. "Ich hatte viele tolle Begegnungen", sagt er.

Wenn er am 20. August nicht mehr läuft, wenn er an seinem Ziel, dem Kloster Einsiedeln im Kanton Schwyz angekommen ist, sich seinen Pilger-Stempel geholt hat, dann, sagt er, will er erst einmal die Füße hochlegen. Und sie in ein paar Turnschuhe stecken. "Ich würde mich freuen, mal wieder Schuhe zu tragen", sagt er. Nicht so sehr wegen der Schmerzen, eher wegen der Aussicht. Beim Barfußlaufen muss er immer nach unten schauen, damit er sieht, was auf dem Weg liegt. Nach über 80 Tagen will Aldo Berti auch mal wieder nach oben schauen. Am Dienstagmittag im Hafen in Konstanz schaut er erst mal nach vorn. Münchwilen in der Schweiz, das ist seine nächste Etappe. Lauf, Aldo Berti, lauf.

Der Weltrekord

Um den 2016 aufgestellten Weltrekord des Iren Eamon Keavenen einzustellen, der in 104 Tagen 2080 Kilometer rings um Irland gelaufen ist, muss Aldo Berti in 86 Tagen über 2100 Kilometer zurücklegen. Am 28. Mai startete er von Rügen aus. Über Rostock, Wismar, Lübeck, Hamburg, Bremen, Osnabrück, Dortmund, Köln, Bonn, Koblenz, Bacharach, Frankfurt, Fulda, Würzburg, Ulm, Konstanz, Zürich geht es nach Einsiedeln im Kanton Schwyz. Der Schlusspunkt seiner Reise. Dort wird er am 20. August ankommen. Um elf Uhr wird es einen Empfang auf dem Klostervorplatz geben, zu dem alle eingeladen sind. Eine Übersicht über das gesamte Projekt gibt es auf www.barfussweltrekord.aldo-berti.de.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
VS-Villingen
Villingen-Schwenningen
VS-Rietheim
Villingen-Schwenningen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren