Villingen-Schwenningen Kleine Klappe - viel dahinter: Schwenninger Babyklappe hat sich bewährt

Die Babyklappe von Joachim Spitz am Franziskusheim in Schwenningen hat sich seit sieben Jahren bewährt. Sein größtes Anliegen noch heute: Mütter, sagt er, die ihr Kind in die Klappe legen, haben keine polizeilichen Ermittlungen zu fürchten.

Zwischen Rotweinkisten und Kartoffelbreifertigmischungen steht in dem kleinen Lagerraum im hinteren Teil des Franziskusheims in Schwenningen eine Art Holzschrank, etwa einen Meter breit und 1,55 Meter hoch. Im Inneren steht ein Kinderbett, frisch bezogen, seit zwei Jahren unbenutzt. "Unspektakulär", sagt Joachim Spitz, Leiter der Pro-Kids-Stiftung, als er die Holztür öffnet. "Aber bis ins Detail durchdacht."

Seit 2010 gibt es die Babyklappe. 2012 wurde das erste Neugeborene abgegeben, 2013 das zweite. Beide landeten, nachdem Großalarm ausgelöst worden war, die Schwestern sowohl den Rettungsdienst alarmiert als auch das Baby erstversorgt hatten, bei Matthias Henschen auf der Kinderintensivstation im Schwarzwald-Baar-Klinikum. "Da es sich glücklicherweise um keine Notfälle gehandelt hat, mussten keine großen Vorbereitungen getroffen werden", sagt Henschen.

"Ein Arzt und eine Schwester aus unserer Klinik haben das Kind mit dem Transportinkubator abgeholt und zu uns gebracht." Nach drei beziehungsweise vier Tagen konnten die Kinder an ihre Pflegefamilie übergeben werden. Kurz danach wurden beide Kinder, ein Mädchen, ein Junge, adoptiert. Was mit den Kindern passiert? "Ich möchte es nicht wissen", sagt Spitz. "Wichtig ist, dass sie gerettet wurden und ein ruhiges Familienleben haben."

In der Regel keine Ermittlungen gegen die Mutter

Auf dem Bettchen mit Elefantenbezug liegt ein Brief mit einem Fragebogen. "Was machst du gern?", "Warum hast du mich hier abgelegt?", "Lebst du allein?" – Fragen, die die Mutter freiwillig beantworten kann, die beim Jugendamt verwahrt werden und die das Kind ab dem 16. Lebensjahr einsehen kann. Und, das ist Spitz sehr wichtig, gegen die Mutter werden keine Ermittlungen eingeleitet. Nur wenn das Baby tot oder schwer misshandelt ist. Ansonsten hat die Mutter nichts zu befürchten.

An der Holztür hängt ein Zettel, darauf steht in Form eines Organigramms, was zu tun ist, wenn ein Baby durch die Klappe auf das Bettchen gelegt wurde. Ein kleiner Heizkörper sorgt für Wärme, ein Feuermelder und eine Kamera, die nur das Baby, nicht die Mutter aufzeichnet, sorgen für Sicherheit. Außen steht: "Die Klappe ist nur einmal zu öffnen." Das Franziskusheim, für Spitz perfekt. Anonym, da es in keinem Wohngebiet liegt und dennoch sowohl zu Fuß als auch mit dem Auto gut erreichbar. Die nächsten Babyklappen sind in Freiburg, Singen und Ulm. Was ihm nach sieben Jahren auch noch am Herzen liegt: Dank. "Das Team um Heimleiter Lothar Schropp leistet vorbildliche Arbeit und hat mich immer unterstützt."

Das Dilemma einer lebensrettenden Einrichtung, Spitz formuliert es so: "Wenn es gebraucht wird, möchte ich, dass es genutzt wird, hoffe aber, dass es so wenig gebraucht wird wie möglich."

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