Villingen-Schwenningen Kleiderläden in VS: Was darf Wohltätigkeit kosten?

Der DRK-Ortsverein eröffnet eine neue Kleiderkammer in Schwenningen. Damit ist der Verein nicht der einzige, der auf Wohltätigkeit setzt. Stellt sich die Frage: Was darf es kosten, zu helfen?

Zwei Männer, zwei Läden und ein Anliegen: Bedürftigen helfen. Allein die Herangehensweise ist unterschiedlich und wirft die Frage auf: Was darf es kosten, zu helfen?

Die Klamotten im neuen Kleiderladen des DRK-Ortsvereins in der August-Reitz-Straße 20 in Schwenningen hängen an den Stangen, die Schaufensterpuppen sind angezogen, die Bücher in den Körben vor dem Verkaufstresen sind einsortiert und das Geschirr steht neben den Gürteln. Die meisten Kartons sind verräumt, ein paar Puppenbüsten (die haben sie günstig vom sich auflösenden Kleiderladen Tutto bekommen) brauchen noch eine Kopfbedeckung. Was noch fehlt: die Preisauszeichnung. Die Spanne wird irgendwo zwischen 50 Cent für ein T-Shirt und fünf Euro für einen Mantel liegen.

Rund 200 Meter weiter betreibt Joachim Spitz, Leiter der Pro-Kids-Stiftung, eine Kleiderkammer im Obergeschoss des Asylbewerberheims in der Alleenstraße, gegenüber des Spektrums. 200 Meter Fußweg mögen zwischen den Läden liegen, zwischen der Philosophie liegen Welten. "Unsere Kleider sind kostenlos", sagt Spitz. Seine Devise lautet: "Wir bekommen es geschenkt, warum sollen wir dafür Geld verlangen?" Bedürftig ist, wer wenig Geld hat. Darum könnten für manchen auch 2,50 Euro schon zu viel sein, sagt Spitz.

Thomas Hofelich, zweiter Vorsitzender des DRK Ortsvereins Schwenningen ist für den neuen Laden zuständig und denkt die Sache vom Ende her: "Was nichts kostet, ist auch nichts wert", sagt er. "Auch wenn es nur 50 Cent sind." In Vorbereitung auf den neuen Kleiderladen ist er durch die Lande getourt. Unter anderem war er in Offenburg. Dort werden die Klamotten umsonst ausgegeben und die Betreiberin habe ihm erzählt, dass sie nach Ladenschluss nicht selten einen Teil der Kleidung im nahegelegenen Mülleimer oder auch mal im Gebüsch wiederfindet. "Man passt anders darauf auf, wenn man weiß, man hat dafür bezahlt." Wertschätzung, davon ist Hofelich überzeugt, kann man kaufen.

Außerdem muss sich auch der Ortsverein selbst finanzieren. Das Gebäude, in dem der Kleiderladen ist, gehört der Lebenshilfe. Bis Ende März können sie es mietfrei nutzen. Danach, hofft Hofelich, können die Einnahmen aus dem Laden die Miete decken. "Null auf null rauskommen, mehr wollen wir nicht."

Bis zum neuen Eröffnungstermin am 19. Januar gibt es noch einiges zu tun. Der ein oder andere Mitarbeiter hat noch ein paar Kleidungsstücke mit nach Hause genommen zum Waschen. Eigentlich, sagt Hofelich, will er nicht, das die Mitarbeiter privat waschen. "Aber sie sind so euphorisch."

Es gab immer wieder Anfragen, ob sie beim DRK in Schwenningen nicht Kleider hätten. Beispielsweise nach dem Brand in der Gerberstraße, von alten Leuten oder von Migranten. Als im vergangenen Jahr auch der Ortsverein Villingen auf sie zukommt und fragt, ob sie sich nicht einen Kleiderladen in Schwenningen vorstellen können, hier in Villingen könne man die gestiegene Nachfrage kaum noch bewältigen – inzwischen haben sie dort auch noch am Samstag zusätzlich geöffnet – entscheiden sie sich dafür, es zu probieren. Das DRK in Schwenningen hatte bereits einmal eine Kleiderkammer, die wurde vor mehr als fünf Jahren aufgrund von Personalmangels eingestampft. Im November haben sie mit den Planungen begonnen, der ursprüngliche Eröffnungstermin war für den 14. Dezember vorgesehen. Als es soweit war, war alles da, nur die Ehrenamtlichen fehlten.

15 Ehrenamtliche brauchen sie, um den Laden am Laufen zu halten. Im Verkauf mindestens zwei, die auch das Fingerspitzengefühl für die oft sozial schwachen Kunden mitbringen und einige, die bereit sind, abends Kleidung zu sortieren. Zwölf haben sie inzwischen. "Sehr viele davon sind Rentner, die froh sind, eine Aufgabe zu haben und sich einbringen zu können." Eine Helferin häkelt Mützen, eine andere ist gelernte Schaufensterdekorateurin, sie hat die Puppen im Laden angezogen und hergerichtet. Ein paar Bewerbungen sind noch offen. Die Fahrtkosten wollen sie für die Mitarbeiter übernehmen.

Spitz denkt anders. Die Mitarbeiter in seiner Kleiderkammer sind keine Ehrenamtlichen, sondern Ein-Euro-Jobber. Dass die Nachfrage gestiegen sei in den vergangenen Jahren, davon habe er in seinem Laden nichts gemerkt. "Vielleicht haben wir ein anderes Klientel", sagt er. "Es sind mal mehr und mal weniger Leute." Ob und warum die Nachfrage gestiegen ist, vermag auch Hofelich nicht zu beantworten. "Die Leute kommen aus allen Schichten", sagt er, "es sind nicht nur Bedürftige".

Dienstag und Donnerstag, von 14 bis 18 Uhr, wird der Laden geöffnet sein. Abgegeben werden können Kleidung – "Sie sollte gewaschen sein, keine Lumpen oder mit Mottenlöchern übersäten Mäntel" – Geschirr, Bettwäsche und Bücher. Im hinteren Teil gibt es eine Umkleidekabine und einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter. Im Verkaufsraum wird es, so will es auch Hofelich, neben der Kleidung immer auch ein offenes Ohr für die Kunden geben. Kostenlos.

Bedürftigkeit in Zahlen

Aktuell beziehen in Villingen-Schwenningen 3092 Menschen das Arbeitslosengeld II (Hartz-IV). 1132 Menschen beziehen Sozialhilfe. Anders als das Arbeitslosengeld, das lediglich zur Überbrückung dient, bis ein neuer Job gefunden ist, steht Sozialhilfe den Personen zu, die nicht erwerbsfähig sind. Der sogenannte Regelsatz zur Grundsicherung beträgt derzeit 416 Euro im Monat. Nicht darin enthalten sind die Leistungen für Miete, Heizung, Versicherungen und sonstige Bedarfe. (ang)

So arbeiten die anderen Kleiderläden in der Doppelstadt

  • Diakonieladen: Seit 20 Jahren gibt es den Diakonieladen in Schwenningen. Seit 2006 ist er in der Jakob-Kienzler-Straße zu finden. Betrieben durch Ehrenamtliche, wirft der Laden jährlich einen Gewinn zwischen 50 000 und 60 000 Euro ab. Der Erlös geht an die Beratungsstelle der Diakonie und wird zur Personalkostendeckung und für kleinere Projekte der evangelischen Kirchengemeinde verwendet.
  • Jumbo Second-Hand-Markt: Zur Zeit beschäftigt und finanziert der Jumbo Markt in der Bahnhofsstraße in Villingen sieben Vollzeitkräfte, sechs Teilzeitkräfte, sowie eine 1,50 Euro Stelle. Aktuell bringen sich neun ehrenamtliche Mitarbeiter ein. Eine Jeans beispielsweise kostet 3,50 Euro und ein Hemd 2,50 Euro.
  • DRK Kleiderladen Villingen: Seit einigen Jahren steigen die Einnahmen aus dem Kleiderladen in der Bickenstraße in Villingen kontinuierlich auf derzeit rund 40 000 Euro. 19 Ehrenamtliche sind dort derzeit beschäftigt, aufgrund der hohen Nachfrage ist der Laden inzwischen an drei Tagen in der Woche geöffnet. Die Erlöse aus den Kleidersammlungen kommen den sozialen Projekten des DRK Ortsverein Villingen zugute. (ang)

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