Villingen-Schwenningen Kita lebt den kulturellen Austausch

Das Konzept der Pflegestelle in Villingen vereint Kulturen und Bräuche. Die Eltern zeigen sich sehr zufrieden mit diesem Ansatz.

Neutral, multikulturell, familiär und gemeinschaftlich: Das sind die Eigenschaften, die die Kinderbetreuung "Regenbogenwelt" aus Villingen ausmachen. In der Großtagespflegestelle sind alle Kinder gleich und werden kulturell und auch religiös gleich behandelt. Die Mischung ist vielfältig: Von bosnischen, russischen und deutschen Eltern über arabische, tunesische und italienische Kinder ist alles vertreten. Die Eltern und Verantwortlichen sind vom Konzept überzeugt.

Die Araberin Safia Djedaimi, Leiterin der Einrichtung, hat mit dem Ansatz etwas Besonderes geschaffen: "Im Umkreis von 200 Kilometer findet sich keine vergleichbare Einrichtung", sagt Djedaimi. Insgesamt 35 Kinder werden von zehn fest angestellten Erzieherinnen betreut. Die interkulturelle und interreligiöse Betreuung und die Förderung der Kleinkinder ist dabei sehr intensiv und individuell: "Wir haben vier kleine Gruppen, bei denen eine Erzieherin für ungefähr fünf Kinder verantwortlich ist", sagt die Leiterin. Das Programm ist dabei nicht gruppenübergreifend.

Die Vermittlung von Werten, wie Offenheit, Toleranz und Respekt, stehen dabei im Vordergrund. Durch das Zusammenkommen von unterschiedlichen Religionen und Bräuchen sollen keine Konflikte entstehen und ebenso keine Unterschiede aufgebaut werden. In der Einrichtung treffen Kinder, Eltern und Erzieherinnen aus Deutschland, Italien, Spanien, der Türkei, Russland, Albanien, Arabien, Algerien, Rumänien, Bosnien und auch Japan aufeinander. Dazu zählt auch, dass religiöse Bräuche und Feste nicht innerhalb der Einrichtung besprochen oder gefeiert werden. "Erst die älteren Kinder ab drei Jahren bekommen religionspädagogischen Unterricht", sagt Djedaimi.

Zudem wird durch Buchbesprechungen und spielerische Elemente die Sprachförderung angetrieben. Dabei sei es wichtig, deutsch zu sprechen, sagt Djedaimi. Eine weitere Besonderheit ist das Essen: Auch hier sollen keine Unterschiede gemacht werden. "Bei uns essen alle Kinder das Gleiche", sagt die Leiterin. Wichtig dabei sei es, dass kein Schwein gegessen wird und die Fleischspeisen "helal" sind. Das bedeutet, dass die Tiere nach muslimischem Verständnis rein sind.

Der Bedarf sei sehr hoch und die Resonanz stets positiv, sagt Leiterin Djedaimi. Das zeigen auch die Antworten der Eltern. "Uns ist es wichtig, dass unsere Tochter nicht mit Vorurteilen aufwächst und auch keine Berührungsängste hat", sagt Isabell Zaric. Richard Burock möchte, dass seine eigenen Werte auch sein Kind in der Einrichtung erfährt: "Mensch ist Mensch, so wurde ich erzogen und so habe ich das gelernt", sagt der Familienvater. Das deutsch-tunesische Ehepaar Mohamed und Desiree Zoghlami würde sich wieder für die Einrichtung entscheiden: "Wir sind richtig zufrieden. Unser Kind soll zurechtkommen hier in Deutschland und dazu zählt auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen", sagt Mohamed Zoghlami. Dieser Ansatz ist dem Paar sehr wichtig: "Die Kinder haben keine Vorurteile und wollen auch gar nicht separieren", sagt Desiree Zoghlami. Es sei schade, dass es solche Einrichtung nicht öfter gebe.

Erzieherin Isabella Lo Verde lobt die Gemeinschaft. "Sowohl die Eltern als auch die Kinder leben dieses Miteinander", sagt die Erzieherin. Den Eltern sei es zudem sehr wichtig, dass die Kinder die deutsche Sprache lernen. Das Verhältnis zwischen Erzieherinnen, Eltern und Kindern beschreibt Lo Verde als "familiär". Das zeigt sich auch beim Sommerfest der Einrichtung: Es werden keine Grüppchen gebildet. Der kulturelle Austausch wird hier gelebt. "Das ist ein Thema hier in Deutschland und deswegen ist es sehr wichtig, von Anfang an dieses Miteinander zu pflegen", sagt Lo Verde.

Die Wunschbetreuung ist in Villingen-Schwenningen ein wichtiges Thema. Der Jugendhilfe-Ausschuss tagt am Donnerstag, 20. Juli, diskutiert über Themen, wie Platzauslastung, Personalmangel, Familienzentren und Preisstrukturen. Eine neue EDV soll zudem dabei helfen, die Nachfrage nach Plätzen transparenter und übersichtlicher zu gestalten. In der Gesamtstadt stehen 3643 genehmigte Plätze zur Verfügung, von denen im Moment 3546 Plätze ausgelastet sind. Zudem sollen vermehrt Sozialpädagogen, Kinderpfleger, Logopäden und Heilpädagogen eingestellt werden und Familienzentren ausgebaut werden, sagt Ute Tochtermann-Rottmann, Leiterin der Abteilung Kindertagesbetreuung, in der Vorlage zur Sitzung.

Wie geht es weiter?

Ab August wird es eine fünfte Gruppe in einer neu eröffneten Tagesstätte geben. In Marbach wird am 3. August die neue Großtagespflegestelle ihre Pforten öffnen. Der Bedarf ist enorm. Bereits 40 Kinder stehen auf der Warteliste. Erst im Jahr 2019 könnten, Stand jetzt, neue Plätze vergeben werden, sagt Leiterin Djedaimi. Ein Ausbau des Angebots ist das Ziel. (mwi)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren