Villingen-Schwenningen Jugend befragt Kandidaten

Spannende Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten über die Zukunft Europas am Gymnasium am Hoptbühl in Villingen bietet viele Einblicke.

Die Jugend von heute interessiere sich nicht für Politik, heißt es oft. Die Schüler des Gymnasiums am Hoptbühl bewiesen am Donnerstag das Gegenteil. Die Schule veranstaltete eine Podiumsdiskussion, bei der die Bundestagskandidaten des Wahlkreis Schwarzwald-Baar der Linken, Grünen, SPD, FDP, CDU und AfD zu Gast waren. Beantwortet wurden Fragen der Schüler zur Zukunft Europas.

Zwei Monate lang hatte Lehrer Matthias Restorff die Veranstaltung geplant, konnte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht moderieren. Die Abiturienten und ausgebildeten Politikmentoren David Reisle (19) und Adriana Schneider (18) übernahmen die Moderation für den Abend. Ihnen sei sehr wichtig, Erstwähler für die kommende Wahl zu informieren. "Man muss von den Bundestagskandidaten hören, wofür sie stehen", sagte Reisle. "Wir möchten ein Bewusstsein für zukünftige Wähler schaffen", sagte Schneider. Sie denke, dass viele Jugendliche nicht desinteressiert seien, sondern dass es schwer falle, einen Bezug zu den Politikern zu finden. "Ich kenne das von mir früher. Die Abgeordneten kommen einem so weit weg vor. Mit der Diskussion an der Schule kann ich direkt an der Politik teilhaben." Laut David Reisle seien die Schüler zu wenig informiert: "In der Oberstufe hat man in nur zwei von vier Halbjahren Gemeinschaftskunde. Da kann man nicht so viel mitnehmen."

Die Jugendlichen haben viele Fragen an die Bundestagskandidaten.
Die Jugendlichen haben viele Fragen an die Bundestagskandidaten.

Vor rund 100 Besuchern beantworteten Patrick Bausch (Linke), Volker Goerz (Grüne), Jens Löw (SPD), Marcel Klinge (FDP), Thorsten Frei (CDU) und Joachim Senger (AfD) die Fragen der Schüler aus dem Publikum.

  • Flüchtlingskrise: "In der Politik darf man sich nicht von Gefühlen leiten lassen", sagte Klinge. Europäische Außengrenzen sollen mehr geschützt und mehr Solidarität in der EU gezeigt werden. Goerz und Bausch waren der Ansicht, dass legale Wege für die Flüchtlinge geschaffen werden müssen. Senger sagte, es könne nicht sein, dass eine Regierung beschlossene Verträge bricht.
  • Terrorsicherung: Goerz und Frei meinten, dass auf nationaler und europäischer Ebene kommuniziert werden müsse. Außerdem sollen laut Frei bessere Gesetze bessere Ergebnisse erzielen. Klinge dagegen sagte, dass ein neues Gesetz nicht die Antwort sein könne: "Die bestehenden müssen effektiv angewendet werden." Senger wundert sich, warum bis jetzt die Bundeswehr nicht als Unterstützung der Polizei eingesetzt wurde. Bausch warnte vor der Stärkung der Überwachung. "Ein Staat nach Orwells 1984 kann nicht die Lösung sein." Löw sagte, wenn Überwachung gebraucht werde, dann nur begründete.
  • Ausbildung und Studium: "Jeder möchte studieren und Abitur machen, weil das der Trend ist", sagte Goerz. Klinge sieht kein Problem mit weniger Auszubildenden und mehr Studenten: "Wir haben eine hohe Akademikerquote, die aber sogar noch unter der anderer Ländern liegt." Bausch sagte, dass jedem die Entscheidung selbst überlassen sein sollte, ob er studiert oder nicht. Wichtig sei, dass niemandem die Lebensziele aufgrund von Armut verwehrt bleiben.
  • Deutscher Schuldenhaushalt: Klinge sagte, dass neue Schulden verhindert und bestehende abgebaut werden sollen. Frei sagte, dass Schulden bereits abgebaut werden: "Die schwarze Null ist kein Fetisch von Wolfgang Schäuble, sondern dringend notwendig." Löw hingegen stand dem Sparprogramm eher kritisch gegenüber: "Je größer der Sparzug ist, desto weniger können wir in dringende Sachen, wie Schulsanierungen, investieren." Bausch meinte, dass das Vermögen des Landes schneller steige als die Schulden.

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