Villingen-Schwenningen Jetzt lebt Tannheims Geschichte

Der neue Geschichtspfad bietet zahlreiche Attraktionen – unter anderem sind virtuelle Gespräche mit einem Mönch möglich.

Gewaltig war die Resonanz auf die bereits 2014 geborene Idee, Orte der Tannheimer Geschichte auf einem Geschichtspfad lebendig werden zu lassen, freute sich Ortsvorsteherin Anja Keller bei der Einweihung des Geschichtspfades zur 1200-Jahr-Feier in Tannheim. Parallel zu Erstellung der Ortschronik hatte sich im Freundeskreis Heimatmuseum eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich diesem anspruchsvollen Projekt angenommen hatte und zahlreiche Unterstützer und Sponsoren fand.

Eine der 14 Glastafeln mit einigen Sponsoren: Von links Markus Holpp, Carolin Hermle, Martin Zimmermann, Bernd Hug, Gerlinde Wehrle, Detelf Pfundstein, Sarah Hug, Franz Wehrle sowie Gertrud Zimmermann (rechts der Tafel).
Eine der 14 Glastafeln mit einigen Sponsoren: Von links Markus Holpp, Carolin Hermle, Martin Zimmermann, Bernd Hug, Gerlinde Wehrle, Detelf Pfundstein, Sarah Hug, Franz Wehrle sowie Gertrud Zimmermann (rechts der Tafel).
  • Neueste Technik: Zunächst wollte man einfache Tafeln aufstellen. Modernste Technik ermöglichte es nun jedoch, Glastafeln aufzustellen, die mit einer Keramikschicht versehen wurden. Aus dieser wurden mit einem Laserstrahl kleinste Partikel ausgebrannt. Dadurch werden Bilder und Texte in feinster Auflösung entweder bei Durch- oder Draufsicht lesbar. "Fällt Licht auf die Rückseite der Tafeln, bekommen die Bilder gar eine bewegte Struktur", so Markus Holpp von der Firma Glas Wehrle. Aber nicht nur die Materialwahl ist neuartig. Wer mit der Tannheim-App die eingebrannten Codes scannt, bekommt eine Fülle von Zusatzinformationen, weitere Bilder und kleine Filme. Wer möchte, kann sogar zu den Klängen der Tannheimer Musikkapelle – aus dem Smartphone – von einer Tafel zur nächsten marschieren.
    Mandy Benedict führt im Heimatmuseum Tannheim die neuste Technik der Augmented Reality vor. Ein virtueller Gang durch das Kloster am ehemaligen Standort wird völlig neue Eindrücke vermitteln. Bilder: Jörg-Dieter Klatt (3)/Jochen Hahne (1)
    Mandy Benedict führt im Heimatmuseum Tannheim die neuste Technik der Augmented Reality vor. Ein virtueller Gang durch das Kloster am ehemaligen Standort wird völlig neue Eindrücke vermitteln. Bilder: Jörg-Dieter Klatt (3)/Jochen Hahne (1)
  • Erweiterte Realität: Anlässlich der Einweihung des Geschichtspfades wurde eine weitere revolutionäre Neuerung vorgestellt. Künftig werden am Standort des ehemaligen Paulinenklosters Würfel mit speziellen Codes aufgestellt, die dem App-Nutzer einen virtuellen Rundgang nebst Erklärungen und Interaktionen mit fiktiven Mönchen ermöglicht. Mandy Benedict hat dieses Verfahren an der Fachhochschule Furtwangen entwickelt und wird es zusammen mit Martin Zimmermann von der Firma Imsimity auf den Weg bringen. Wichtig ist, dass der Besucher tatsächlich zum ehemaligen Klosterstandort geht und dort in der Natur die virtuelle Realität erlebt. So soll es gar Fragen des fiktiven Mönches geben, die der Besucher beantworten kann.
    Mandy Benedict führt im Heimatmuseum Tannheim die neuste Technik vor. Ein virtueller Gang durch das Kloster am ehemaligen Standort wird völlig neue Eindrücke vermitteln. Bilder: Jörg-Dieter Klatt
    Mandy Benedict führt im Heimatmuseum Tannheim die neuste Technik vor. Ein virtueller Gang durch das Kloster am ehemaligen Standort wird völlig neue Eindrücke vermitteln. Bild: Jörg-Dieter Klatt
  • Zahlreiche Anekdoten: Wegen des schlechten Wetters wurden die Tafeln in der Zunftstube der Osemalizunft vorgestellt. Zu jeder Tafel gab es Erklärungen und das eine oder andere Anekdötchen. So wusste Lukas Durler unter viel Gelächter von der heimlichen Namensgebung der "Eichhofallee" zu berichten. Sein Hof gehört zur Stankertstraße, die nachweislich älteste Eiche Baden-Württembergs steht jedoch hier und diente so der Stichstraße als Namensgeberin. Sicherlich könnte sie viel aus der Ortsgeschichte berichten. Die Tannheimer unterstellen ihr gar ein Alter von 850 Jahren, die Wissenschaft weist aber lediglich 600 Jahre nach.
  • Geheimnisvolle Orte: Selbst normalerweise verschlossene Gebäude sind mit der Tannheim App zu besuchen. So erlaubt es die App, einen Blick in die Friedhofskapelle zu werfen. Diese Kapelle – dem Heiligen Gallus und der Heiligen Verena gewidmet – wird für den federführenden Freundeskreis Heimatmuseum nun auch zum Gegenstand weiterer Forschungen. Vermutet wird, dass diese Kapelle bereits im 9. Jahrhundert als Kirche in Tannheim eine besondere Bedeutung hatte. Auch das schmucke Rathaus wurde mit einer Tafel bedacht, die eine gar gruselige Sage beinhaltet. Dem ehemaligen Nachtwächter sollen unheimliche Geräusche aus dem Rathaus ans Ohr gedrungen sein. Mutig ging er dem Spuk nach und erschrak gar gewaltig, als ein riesiger Hund die Stiege herabkam und im Dunkel der Nacht auf Nimmerwiedersehen verschwand. Allein bis heute soll es hie und da merkwürdige Geräusche im Rathaus geben, von denen Ortsvorsteherin Anja Keller allerdings noch nie etwas gehört haben will. Diese bedankte sich bei allen Sponsoren und Autoren der Tafeln, deren Anzahl von derzeit 14 auf 20 ansteigen soll. Barbara Zimmermann hatte die Tafeltexte zusammengestellt und Markus Holpp sorgte für die technische Umsetzung.

Fakten und Legenden

Unter dem Motto "Sagenhaftes Tannheim – Rundweg Heimatgeschichte" hat der Freundeskreis Heimatmuseum Tannheim den Geschichtspfad erstellt. An derzeit 14 Stationen informieren Glastafeln über Fakten, Legenden und Sagen zur Historie der Kulturdenkmäler und besonderen Standorte in Tannheim. (jdk)

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