Villingen-Schwenningen Handwerker frustriert über Abschiebung der Gambier

Auch Füchtlinge mit Festanstellung und eigener Wohnung werden abgeschoben. Innungs-Obermeister Martin Ballof fordert von der Politik eine Kurskorrektur

Die derzeit laufende systematische Abschiebung von Flüchtlingen aus dem westafrikanischen Gambia durch deutsche Behörden stoßen auf zunehmenden Widerstand bei heimischen Handwerks- und Bauunternehmen. Die meist jungen Männer aus Gambia haben sich in vielen Betrieben einen Ruf als vorzügliche Arbeitskräfte erworben und werden von ihren Arbeitgebern dringend gebraucht.

Doch jetzt werden sie abgeschoben, auch wenn sie einen festen Arbeitsplatz und eine eigene Wohnung haben. "Wir brauchen diese Leute", betont Martin Ballof, der Obermeister der Baugewerksinnung Schwarzwald Baar und stellvertretende Kreishandwerkermeister aus Villingen.

  • Hohe Arbeitsmoral: Ballof beschäftigt in seinem kleinen Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Villingen seit rund zwei Jahren einen jungen Mann, der als Bootsflüchtling übers Mittelmeer nach Italien und später nach Deutschland gelangte. Es ist hochzufrieden mit Kekoto Dampha, attestiert ihm klassische deutsche Arbeitstugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, hohe Arbeitsmoral sowie handwerkliches Geschick. Der junge Mann hat inzwischen eine eigene Wohnung in Schwenningen und Ballof hat ihn unbefristet eingestellt. "Er liegt also niemand auf der Tasche", betont der Kleinunternehmer. Dennoch droht dem jungen Mann aus Afrika, wie allen Flüchtlingen aus Gambia, derzeit die Abschiebung. Die Bundesregierung hat mit der neuen Regierung ein Rücknahmeabkommen vereinbart. Den Flüchtlingen aus Gambia droht derzeit allen die schnelle "Rückführung" (siehe nebenstehenden Bericht).
  • Zahlreiche Betriebe betroffen: Für Kleinunternehmer Ballof, der in seinem Betrieb nur zwei Mann beschäftigt, wäre es ein extrem harter Schlag, wenn er seinen bester Mann im Sommer verlieren würde. "Ich habe keine Ahnung, was ich dann machen werde", sagt er. Auf dem heimischen Arbeitsmarkt findet er keine geeigneten Bewerber für diese Arbeit. Ballof kann die Linie der Politik nicht verstehen. Wie ihm geht es einigen anderen Betrieben in der Region. Die Firma Modellbau Buder aus Mönchweiler hat erst vor kurzem einen jungen Mitarbeiter verloren, dem die Behörden die Arbeitserlaubnis entzogen haben. Das einjährige Engagement des Unternehmers sowie vieler ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, den jungen Mann zu integrieren, wurde damit zunichte gemacht. Auch einer Villinger Bäckerei, die einen jungen Mann aus Gambia angelernt und fest angestellt hat, weil er einfach gut ist, steht vor dem selben Problem. Eine Baufirma aus Tuttlingen, so berichtet Ballof, habe einen tüchtigen Gambier verloren, weil dieser vermutlich vor der bevorstehenden Abschiebung abgetaucht ist. Das Bauunternehmen Hermann in Furtwangen beschäftigt ebenfalls zwei Gambier und weiß nicht, wie es weitergehen soll.
  • Schlupfloch Ausbildung: Ein auf Asylverfahren spezialisierter Villinger Rechtsanwalt, so heißt es, kann keine weiteren Flüchtlinge aus Gambia mehr vertreten, weil er völlig ausgelastet ist. Die letzte Hoffnung für die von Abschiebung bedrohten Flüchtlinge ist die Aufnahme einer Ausbildung. Damit können sie eine Aufenthalts-Duldung auf fünf Jahre bekommen. Doch scheitern die meisten im Vorfeld an den schulischen Anforderungen.
  • Hohe Sprachbarriere: Um die Prüfungen an einer Gewerbeschule zu bestehen, müssen sie mindestens die Sprachniveau-Stufe B 2 erreichen, also zu einer selbstständige Sprachverwendung in der Lage sein. Martin Ballof fürchtet, dass sein Mitarbeiter an der Sprachbarriere scheitern würde. Der Mann spreche zwar seine Heimatsprache Madinka sowie Italienisch und Englisch, auch mit der deutschen Sprache mache er Fortschritte. Doch für eine schriftliche schulische Abschlussprüfung reiche dies wahrscheinlich noch nicht aus. Was bedeutet, dass sein Mitarbeiter, der sich in der praktischen Arbeit ausgezeichnet bewährt habe, womöglich gar nicht von einer Schule angenommen würde. Doch ohne Ausbildungsnachweis steht er vor der Abschiebung.
  • Briefe an die hohe Politik: Martin Ballof, Sohn des ehemaligen CDU-Stadtrates Gerhard Ballof, hofft, dass die Politik doch noch umschwenkt und die wirtschaftlichen Nöte des Handwerks berücksichtigt. Seine Mutter hat bereits an den Bundespräsidenten und an Innenminister Horst Seehofer geschrieben. Ob es was hilft? Martin Ballof kann jedenfalls nicht verstehen, wie man so talentierte Handwerker wie die jungen Männer aus Gambia einfach wieder zurückschickt. Zum Bau der Schwarzwaldbahn habe man einst italienische Arbeiter angeheuert, in den 60er- und 70er-Jahren folgten die "Gastarbeiter" aus Südeuropa. Viele von diesen seien geblieben und hätten sich integriert. "Warum kann man nicht auch die Gambier aufnehmen, wenn sie bei uns arbeiten wollen?", lautet seine Gretchenfrage an die Politik.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Die leckersten Gins vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Villingen-Schwenningen
VS-Villingen
Villingen-Schwenningen
VS-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Villingen-Schwenningen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren