Villingen-Schwenningen Galerie soll auch künftig in Profi-Hand bleiben

Ein klares Ausschuss-Votum gab es gegen eine Ehrenamts-Lösung. Die CDU-Kritiker führen hohe Kosten für die Galerie an, die Befürworter loben die Galerie als Aushängeschild der Stadt.

In knapp einer Stunde war alles gesagt: Der Verwaltungsausschuss stimmt mit großer Mehrheit für eine Weiterführung der Städtischen Galerie innerhalb des Amtes für Kultur und lehnte damit eine Ehrenamts-Lösung, wie von der CDU vorgeschlagen ab. Mit Nein stimmten Renate Breuning, Klaus Martin und Dirk Sautter (alle CDU), Dominik Beha (FWV) enthielt sich der Stimme.

Oberbürgermeister Kubon wies zu Beginn der Debatte darauf hin, dass es auch um hochwertiges Eigentum, um Kulturgüter der Stadt geht. "Es käme glaube ich auch keiner auf die Idee, wertvolle Archivalien einem Verein zu überlassen." Er sieht in der Städtischen Galerie einen klaren Standortvorteil für Villingen-Schwenningen: "Und es wäre schön, wenn wir uns auch in Zukunft damit schmücken können."

Kulturamtsleiter Dobmeier wies nochmals auf die wichtige Aufgabe der Galerie als "Schule des Sehens" hin, außerdem sei sie ein wichtiger Imagefaktor. "Sie ergänzt das Angebot an Kulturgeschichte, Musik, Tanz und Theater." Außerdem sei die Galerie ein wichtiger Baustein für die angedachte Museumslandschaft auf dem Bürk-Areal.

Katharina Hirt (CDU) betonte, dass die CDU in der Frage, ob die Galerie ehrenamtlich geführt werden könne, gespalten ist. Sie spreche für die Mehrheit, die weiterhin eine professionell geführte Galerie haben will. "Wir sollten stolz darauf sein, die Galerie zu haben." Außerdem gebe es auch keine Interessenten für ein Ehrenamts-Engagement. Rudolf Nenno (Freie Wähler) sieht die Einrichtung als Aushängeschild. Man brauche auch einen Nachfolger von Wendelin Renn, um die Galerie voranzubringen, außerdem sei ein Leiter wichtig für das Ansehen. "Wir begrenzen ihre Chancen, wenn wir sie nicht bei der Stadt ansiedeln." Ein Galerieverein sei keine Lösung.

Führungen für Schüler gehören zur wesentlichen Aufgabe der Galerie, die zur Vermittlung von Kunst an alle Zielgruppen fachgerechte Angebote entwickelt hat. Hier führt der Galerieleiter Schüler der St. Ursula-Schulen durch die Ausstellung "Private View 2". <em>BILD: PRIVAT</em>
Führungen für Schüler gehören zur wesentlichen Aufgabe der Galerie, die zur Vermittlung von Kunst an alle Zielgruppen fachgerechte Angebote entwickelt hat. Hier führt der Galerieleiter Schüler der St. Ursula-Schulen durch die Ausstellung "Private View 2". BILD: PRIVAT | Bild: unbekannt

Frank Banse betonte, dass ein Oberzentrum ohne Galerie für die SPD undenkbar sei. "Wer an der Städtischen Galerie sparen will, kann auch die Uhr anhalten um Zeit zu sparen", so Banse. Kunst müsse zum Nachdenken anregen, sonst könne man sich gleich eine "Gartenzwerg-Idylle" bauen. Hans-Joachim von Mirbach (Grüne) betonte, dass die Vorlage alle Argumente aufführe, warum die Galerie nicht ehrenamtlich geführt werden könne. "Sie kann auch nicht mit weniger Personal geführt werden." Dirk Caroli (FDP) schloss sich seinen Vorrednern an und plädierte für eine professionelle Lösung.

Renate Breuning, von der der Vorstoß der Ehrenamts-Lösung kommt, brachte die Kosten ins Spiel. Immerhin müsse die Stadt jährlich im Durchschnitt 350 000 Euro für die Galerie bereitstellen. "Das sind pro Besucher – bei einer durchschnittlichen Zahl von 3700 pro Jahr – 96 Euro Zuschuss", rechnete sie vor. Sie fragte nach, was der Freundeskreis Kultur denn getan hätte, um die Akzeptanz der Galerie in der Bevölkerung zu stärken?

Es müsse legitim sein, über Einsparmöglichkeiten nachzudenken. Die Stadt müsse sich fragen, warum man junge Künstler aus Dresden fördern müsse, wie in der aktuellen Ausstellung. Da die Mehrheiten aber wohl klar seien, werde man auch weiterhin den Kunstgeschmack eines Galerieleiters aufgezwängt bekommen: "Aber das kann ja nur besser werden."

Klaus Martin ergänzte, man habe nur über eine mögliche Trägerschaft und die Frage, wie die Galerie geführt wird, diskutieren wollen. Man müsse vor allem über die Ergebnisse des teueren KGST-Gutachtens ergebnisoffen sprechen können. "Aber allein darüber nachzudenken, ist ja schon eine Sünde", so Martin. Allerdings kommt der Prüfauftrag in Sachen Galerie nicht von der KGST sondern von der CDU.

Die Aufgaben und die Anfänge der Galerie

  • Die Anfänge: Die Präsentation zeitgenössischer Kunst beginnt in Schwenningen nach dem 2. Weltkrieg in der Harzerstraße 19. Hier hatte der Arzt Franz Georg Ludwig (Lovis) Gremliza, der Gründer der Schwenninger Lovis-Presse, im Juni 1947 erstmals Werke der Künstlerin Gertraud Rostosky ausgestellt. Arbeiten von Georg Becker, Werner Gothein, Erich Heckel, Wilhelm Schnarrenberg und viele andere zeitgenössische Künstler waren in den "Städtischen Ausstellungen Schwenningen am Neckar" zu sehen.
  • Vermittlung von Kunst: Um viele Zielgruppen vor Ort zu erreichen, entwickelt die Galerie fachgerechte museumspädagogische Angebote. Beispiele sind Projekte mit traumatisierten Kindern, die von Refugio betreut werden und die Arbeit mit Kindern verschiedener Grundschulklassen. Hier sind beispielsweise Windräder zur Fußball-Weltmeisterschaft gestaltet und im Rathaus ausgestellt worden.
  • Herausragende Ausstellungen: Viele Jahre hat Wendelin Renn herausragende Ausstellung mit Werken weltbekannter Künstler realisiert, bis sein Ausstellungetat geschrumpft ist. Hier eine Auswahl der Schauen, die überregional Schlagzeilen gemacht haben: Picassos Toros", "Otto Dix zum 99. – Kinderwelt und Kinderbildnis", "Pflanze, Tier und Mensch" von Joseph Beuys, "Der unbekannte Fontana", Die Illustrationen von Marc Chagall zu "Die toten Seelen" von Nikolai Gogol, Bridget Riley "Prints", "Karsten Bott – Kunst und Erinnerung". (cho)

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