Villingen-Schwenningen Einblicke in die verlassene Kaserne Mangin

Bröckelnder Putz, Rost und Einsturzgefahr: Die Spuren der militärischen Nutzung auf dem Kasernengelände Mangin in Villingen sind kaum zu übersehen. Die meisten Gebäude sind reif für den Abriss. Nun warten 62 Hektar auf eine neue Nutzung.

An vielen Gebäuden bröckelt der Putz, Schilder warnen vor Einsturzgefahr, Rost nagt an alten Garagentoren, in den Ritzen des Exerzierplatzes sprießt Unkraut. Aufgeräumt und verlassen liegt das Kasernengelände Mangin in Villingen da, ein morbides Ensemble ehemaliger militärischer Nutzung.

70 Jahre waren die Franzosen da, 20 Jahre als Besatzer, 50 Jahre als Verbündete. Was bleibt, nachdem die Franzosen das Gelände im August geräumt und besenrein an den Bund zurückgegeben haben? Der SÜDKURIER hatte dieser Tage Gelegenheit, das 62.000 Quadratmeter große Areal zu besichtigen, das für viele Bürger seit Jahrzehnten völlig unbekanntes Terrain ist.

Rund um das Kasernengelände Mangin in Villingen
  • Schlechter Zustand: „Der Zustand der Gebäude ist schlecht“, bestätigt Paul Meier, der zuständige Objektmanager bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) in Freiburg. Die Substanz der Kaserne, so Meier, stammt aus den Jahren 1935/36, als die Deutsche Wehrmacht vor dem Zweiten Weltkrieg hier einen Teil der Richthofenkaserne gebaut hat. Bis in die 80er- Jahre hat die französische Armee noch in neue Gebäude investiert. Danach scheint nicht mehr viel gelaufen sein. Eine Mannschaftsunterkunft an der Kirnacher Straße hat besonders gelitten. Das Betreten des Gebäudes ist strengstens untersagt. „Einsturzgefahr“, heißt es auf dem amtlichen Warnschild am Eingang. Einsturzgefahr auch im Nordwesten der Kaserne. Dort stehen die offenen, in Leichtbauweise errichteten Fahrzeughallen. Diese Hangars will Meier noch dieses Jahr aus Sicherheitsgründen abreißen lassen.

  • Kindergarten begehrt: Es gibt aber auch einige Perlen auf dem Grundstück. Etwa den Kindergarten an der Ecke Kirnacher Straße/Pontarlierstraße, das beste Gebäude von allen. Schon stehen Interessenten auf der Matte. Die Kinder-Großtagespflegestelle „Regenbogenwald“, bisher mit 27 Kindern am Marktplatz in Schwenningen untergebracht, will sich das Gebäude sichern. „Hier hätten wir mehr Platz und könnten bis zu 40 Kinder unterbringen“, ist die Geschäftsführerin Safia Djedaimi beim Ortstermin begeistert. Paul Meier würde ihr das Gebäude gerne vermieten. Zustimmen muss allerdings noch die Stadt. Sie muss entscheiden, ob der Kindergarten zu den Zukunftsplänen passt und eine längerfristige Perspektive an dieser Stelle hat.

  • Denkmalgeschützte Gebäude: Eine weitere Perle steht an der Ecke von Kirnacher- und Richthofenstraße: Die ehemalige Offiziersmesse (siehe Grafik Nummer 59). Die formidable Villa unter Kastanienbäumen wurde jetzt unter Denkmalschutz gestellt. Überraschender Weise ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt hat jetzt die Behörde zwei weitere Funktionsgebäude, die aus den 30-er Jahren stammen (Gebäude Nr. 61 und 65 in der Grafik). Sie wurden ursprünglich als Waffenmeisterei und als Pferdelazarett genutzt. Bereits im Juni hat das Denkmalamt auch die Gebäude Pontarlierstraße 1,3,5,7 unter Schutz gestellt. Sie stehen außerhalb des umzäunten Kasernenbereichs und umfassen ein flaches Postgebäude, das „Maison de France“ und das Kino.

  • Spuren der Wehrmacht: An die Wehrmacht erinnert auch der alte Schießplatz mitten in der Kaserne. Früher wurde hier offensichtlich scharfes Schießen trainiert – heute unvorstellbar. Die Franzosen verlagerten den Schießstand schon vor Jahrzehnten in den Neuhäuslewald. Beliebt war bei manchen Villingern das „Economat“, ein Lebensmittelgeschäft an der Pontalierstraße. Hier versorgten sich die Soldaten mit französischen Spezialitäten und mancher feinschmeckende Einheimische auf verschlungenen Wegen ebenfalls. Was viele nicht wissen: Hinter dem Economat schließen sich riesige Hallen und Lagerräume an. An den Wänden sind noch die Futtertröge für die Armeepferde der Wehrmacht zu sehen. Auch die Anbinde-Ringe für rund 100 Rösser hängen noch an der Wand.

  • Randalierende Einbrecher: Bekannt ist den Einheimischen auch das „Maison de France“, ein Hotel mit Restaurant, in der Angehörige der Soldaten bei Besuchen übernachten konnten. Anfang des Jahres wurde es von Einbrechern heimgesucht. Die hatten es vor allem auf Metall abgesehen, insbesondere die Versorgungsleitungen im Haus. „Was sie nicht mitgenommen haben, haben sie kaputtgeschlagen“, berichtet Paul Meier. Schaden: Rund 200 000 Euro. Seither lässt Meier den Kasernenkomplex von einem Wachdienst beschützen.

  • Neue Pläne: Was bringt die Zukunft? Eine Wohnbauung hat der Gemeinderat im Sinn. Und vielleicht ein Neubau für die Stadtverwaltung. Die ersten Vorplanungen sind am Laufen.

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