Villingen-Schwenningen Drogen-Freigabe nützt laut Frank Tempel mehr als dass sie schadet

Die Linksjugend veranstaltete am Freitag einen Vortrag mit Diskussionsrunde über die Legalisierung von Drogen im Jugendhaus

„Es ist ein Thema, welches auch bei uns in Villingen-Schwenningen viele Leute etwas angeht.“, sagte Marvin Wiegand von der Linksjugend Villingen-Schwenningen. Eingangs des Abends. Der Referent Frank Tempel ist Mitglied des Deutschen Bundestags und unter anderem Drogenpolitischer Sprecher der Fraktion „Die Linke“.

In Kontakt mit Drogen kam der 46-jährige nach eigenen Angaben nicht durch eigene Konsumerfahrungen, sondern durch seine Arbeit als Sozialarbeiter und Polizist. Gerade durch den Polizeidienst stellte sich ihm auch die Frage nach dem Sinn hinter der Kriminalisierung von Drogen: Im Gegensatz zu anderen Straftaten, welche in irgendeiner Weise andere Personen, Dinge oder den Staat schädigen, schädige der Drogenkonsum in erster Linie nur den Verbraucher selbst, führte er aus. Strafverfolgungen in diesem Bereich kosteten jährlich 1,6 Milliarden Euro. Hinzu komme, dass die große Mehrheit der Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt würden, hieß es weiter

Diese Unsummen zur also meist sinnlosen Strafverfolgung seien jedoch nicht die einzigen Nebenwirkungen eines Drogenverbots. Es gebe nicht nur einen florierenden Schwarzmarkt, durch den auch Minderjährige leichter an Drogen kämen, als wenn sie legalisiert wären, sondern es bestehe ebenso das Problem mit Unreinheiten und Streckmitteln. Diese seien für den Konsumenten nicht einsehbar und so ein unberechenbares Risiko, legte Tempel weiter dar.

Der Referent spricht sich jedoch auch nicht für eine komplette Legalisierung aller Drogen aus, sondern er fordert eine Regulierung beziehungsweise Entkriminalisierung. „Und dies nicht nur bei Cannabis, sondern bei allen Drogen. Eine solche Regulierung in Zusammenspiel mit Jugendschutz, sinnvoller Prävention und auch Konsumkontrolle sei in vielen Dingen sinnvoller als ein Verbot“, sagte er in Villingen. Natürlich könnten nicht alle Drogen mit dem gleichen System reguliert werden, ergänzte er.

Aber gerade die Tatsache, dass sich Drogenkonsumenten nicht von einem Verbot und einer möglichen Anzeige von ihrem Konsum abhalten ließen, zeige deutlich genug, dass das jetzige Verbot nichts bringe. Der gut besuchte Vortrag kam nicht zuletzt auch bei Skeptikern des Themas gut an.

Diskutiert wird in der deutschen Politik vor allem die Freigabe von Cannabis. In Baden-Württemberg unterstützen solche Forderungen auch etablierte Kreise. Zum Beispiel der wirtschaftspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Joachim Pfeiffer aus Waiblingen, hält eine Freigabe für sinnvoll. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte sich kürzlich grundsätzlich für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Kritiker halten dem entgegen, eine Freigabe von Cannabis biete den Einstieg auch für hoch gefährliche Drogen.

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