Villingen-Schwenningen Drittes Kind in der Babyklappe: Der Mutter stehen alle Türen offen - Mit Video

Am Sonntag wurde das dritte Kind seit der Eröffnung der Schwenninger Babyklappe im Jahr 2010 abgelegt. Der neugeborene Junge ist wohlauf. Das Jugendamt sichert der Mutter ein breites Hilfsangebot zu. Mit Video von der Pressekonferenz!

Am Sonntag, Punkt 16.22 Uhr, klingelte das mobile Telefon der diensthabenden Pflegefachkraft im Franziskusheim in VS-Schwenningen. Es war jedoch kein gewöhnlicher Anruf. Vielmehr hatte der Alarm der im März 2010 eingeweihten Babyklappe ausgelöst. Auf dem kleinen Monitor erschien umgehend ein Livebild aus dem Inneren des Schutzraumes. Die Bilder zeigten einen in ein großes Badetuch eingewickelten Säugling. Es war an diesem Sonntag also kein Fehlalarm, wie es 2017 bereits 17 Mal der Fall war. Zusammen mit einem Kollegen eilte die Pflegerin zur Babyklappe, nahm das Kind in ihre Obhut und informierte das Schwarzwald-Baar-Klinikum. Nach einer Erstuntersuchung in der Kinderklinik steht fest: Dem Jungen geht es gut. Er wiegt 4430 Gramm und misst stattliche 55 Zentimeter. Er erblickte am Sonntag um 7.10 Uhr das Licht der Welt. So hat es die Mutter auf einem Zettel zusammen mit dem Namen ihres Babys hinterlassen.

Auf dem Zettel sollen noch weitere Angaben gestanden haben. Auf diese wollten Sabine Braun, stellvertretende Amtsleiterin für Jugend, Bildung, Integration und Sport, Matthias Henschen, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde, Jugendmedizin und Kinderchirurgie, Joachim Spitz von der ProKids-Babyklappe und Franziskusheim Einrichtungsleiter Lothar Schropp am Montag bei einer Pressekonferenz nicht näher eingehen. "Uns ist es wichtig, dass die Frau weiß, dass ihr keinerlei Konsequenzen drohen", sichern Braun und Spitz neben 100-prozentiger Geheimhaltung zu. Jederzeit könne sie sich an das Jugendamt und alle anderen Helfer der Babyklappe wenden.

"Wir wollen dieser Mutter ganz entschieden die Hand reichen", so Spitz. Das Ziel sei es, Mutter und Kind wieder zu vereinen. Die Frau hat alle Formulare samt Kontaktadresse sowie kleine gehäkelte Babyschuhe aus der Klappe mitgenommen, was die Helfer hoffnungsvoll stimmt. Entscheidet sich die Mutter für ihren Sohn, kann sie umfangreiche Hilfsangebote in Anspruch nehmen. "Wir werden sie unterstützen und ausführlich beraten", so Braun.

Von links: Sabine Braun, stellvertretende Amtsleiterin für Jugend, Bildung, Integration und Sport, Matthias Henschen, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde, Jugendmedizin und Kinderchirurgie, Joachim Spitz von der ProKids-Babyklappe und Franziskusheim Einrichtungsleiter Lothar Schropp stehen vor der Babyklappe in VS-Schwenningen. <em>Bild: Jens Fröhlich</em>
Von links: Sabine Braun, stellvertretende Amtsleiterin für Jugend, Bildung, Integration und Sport, Matthias Henschen, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde, Jugendmedizin und Kinderchirurgie, Joachim Spitz von der ProKids-Babyklappe und Franziskusheim Einrichtungsleiter Lothar Schropp stehen vor der Babyklappe in VS-Schwenningen. Bild: Jens Fröhlich

Zwei bis drei Tage wird der Junge, wie alle Neugeborenen, noch im Klinikum versorgt und überwacht. "Für die Zeit danach haben wir bereits eine Pflegefamilie gefunden, die ihn erst einmal aufnehmen wird", erklärt Sabine Braun den weiteren Ablauf. Nach zwei bis drei Wochen soll im Jugendamt erneut über die Zukunft des Jungen beraten werden. Die Mutter hat also viel Zeit, die Geburt zu verarbeiten und sich die Situation noch einmal zu überlegen.

Meldet sich die Mutter nicht, strebt das Jugendamt bei Neugeborenen häufig eine Adoption an. Dies sei jedoch kein generelles Vorgehen. Viele Faktoren würden dabei eine Rolle spielen. Im Vordergund stehe immer das Wohl des Kindes. Der Verbleib in einer Pflegefamilie sei eine weitere Möglichkeit. Eine Heimunterbringung schließt Braun jedoch aus. Die 2012 und 2013 im Schwenninger Babyfenster abgelegten Kinder wurden mittlerweile adoptiert.

Hilfsangebote

Die Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft, eine Familienhilfe, finanzielle Unterstützung sowie eine individuelle Beratung sind mögliche Hilfeleistungen für die Mutter.

 

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