Villingen-Schwenningen Der jugendliche Blick auf Anne Frank

Im Villinger Franziskanermuseum ist derzeit eine besondere Ausstellung über das Leben von Anne Frank zu besichtigen. Heranwachsende führen Gleichaltrige durch die Ausstellung im Franziskaner.

Die Besonderheit dieser Ausstellung liegt aber nicht nur in der bewegenden Biografie des Mädchens oder der zeitlosen Thematik, sondern in den Personen, die durch die Ausstellung begleiten. Denn dabei handelt es sich um 16 so genannte Peer-Guides, Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, die den Besuchern, in erster Linie anderen Jugendlichen, das Leben, Wirken und Vermächtnis von Anne Frank näher bringen. Einer dieser Begleiter ist der 15-jährige Patrick Mayer aus VS-Schwenningen, der nun zum ersten Mal Besucher, eine Schülergruppe des Schwarzwald-Gymnasiums in Triberg, durch die Ausstellung begleitete.

  • Jugendliche untereinander: Wie die anderen 15 Jugendlichen hat sich auch der Schüler des Deutenberg-Gymnasiums freiwillig als Museumsführer gemeldet. "Mich hat hauptsächlich dieser Begriff Peer Guide interessiert", erzählt er. Er habe sich darunter zunächst nichts vorstellen können und sei bei seiner Internetsuche auf die Seite des Anne-Frank-Zentrums in Berlin gestoßen. Das Konzept, bei dem Jugendliche andere junge Menschen durch die Ausstellung begleiten, habe ihn begeistert und so meldete er sich für die zweitägige Ausbildung durch Mitarbeiter des Anne-Frank-Zentrums an. Für seine Entscheidung erntete der Jugendliche aber nicht bei jeder Person in seinem Umfeld Unterstützung. Sein Freundeskreis "war ein wenig zurückhaltend", sagt der 15-Jährige. Wohl, weil sie sich das selbst nicht zugetraut haben. Von Seiten der Familie werde er aber voll unterstützt.
  • Respektvoller Umgang: Während der Ausbildung wurden die Jugendlichen auch auf Desinteresse oder Teilnehmer mit extremen Ansichten vorbereitet. Im Falle von Unwilligen müsse er von der Beraterrolle in eine Erzählrolle übergehen, erklärt der Gymnasiast: "Wenn man keine Antworten bekommt, muss man sie selber geben." Diskriminierende Ansichten sollten nicht ignoriert oder bloßgestellt werden. "Mit solchen Leuten muss man das Gespräch suchen", sagt er. Im Idealfall könne so eine Debatte innerhalb der Gruppe entstehen.
  • Ins Gespräch kommen: Patrick Mayer ist sich seiner Aufgabe und Verantwortung voll und ganz bewusst. "Es ist keine Museumsführung. Es ist eine Begleitung", stellt er klar. Sein Ziel sei es nicht, auf die Besucher einzureden, sondern einen Dialog aufzubauen. Daher wird in der Ausstellung nicht nur die Vergangenheit beleuchtet, sondern auch ein moderner Zusammenhang hergestellt, bei dem es sich um die Fragen der Identität, um Diskriminierung und um das eigene Handeln dreht. Man müsse sich mit dem Thema befassen und "vor allem junge Menschen mit einbeziehen", sagt der Schüler. So könne erreicht werden, dass Jugendliche stärker auf das eigene Handeln achten: "Sie überlegen dann vielleicht zwei mal, was sie sagen oder im Internet schreiben."
  • Lohnende Erfahrung: Für den Schüler hat sich die Erfahrung bereits gelohnt und er rät anderen Jugendliche, selbst bei solchen Projekten mitzumachen. Auch er sei vor seinem ersten Einsatz nervös gewesen: "Die Ängste, die ich davor hatte, haben sich aber nicht bewahrheitet."

Die Ausstellung

Die Ausstellung Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte ist noch bis zum Sonntag, 31. Juli, im Franziskanermuseum zu sehen. Schulklassen können sich telefonisch unter (07721) 82¦23¦51 anmelden. Jeden Sonntag findet um 15 Uhr eine öffentliche Führung mit den Peer-Guides statt. (tol)

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