Villingen-Schwenningen Davids Weg in ein krebsfreies Leben

Nach einer langen Odyssee von Arzt zu Arzt erhielt David Schwieder im Frühjahr die Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Heute hat der Zehnjährige die Krankheit besiegt. Zusammen mit seiner Mutter Carolin und seinen Schwestern Sara und Rebecca erholt er sich in der Tannheimer Nachsorgeklinik von den Strapazen der Krankheit.

Eigentlich, sagt Carolin Schwieder, habe sie es schon geahnt. Die 35-Jährige ist Krankenschwester in der Onkologie. Nach einer langen Odyssee von Arzt zu Arzt, Antibiotikagaben, die nicht halfen, und letztlich einer Gewebeentnahme im Stuttgarter Olga-Spital stand die Diagnose fest: Ihr zehnjähriger Sohn David ist an Morbus Hodgkin erkrankt – Lymphdrüsenkrebs.

Zu diesem Zeitpunkt ging es David schon seit Monaten nicht gut. Seine Lymphknoten am Hals waren seit Weihnachten 2016 extrem geschwollen. Die erste Antibiotikatherapie – zunächst ging man von einem Infekt aus – brachte gar nichts, nur einen juckenden Ausschlag am ganzen Körper. Auch die zweite Antibiose half nicht.

„Es war eine Rennerei von Arzt zu Arzt“, schildert die alleinerziehende Mutter. Zumal Davids Blutbild keinerlei Auffälligkeiten zeigte. „Aber ich habe nicht locker gelassen.“ Ein Hals-Nasen-Ohrenarzt überwies die Familie aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd schließlich im Frühjahr ans „Olgäle“, wie das Kinderspital in Stuttgart liebevoll genannt wird.

Im November sitzt Carolin Schwieder mit ihren Kindern – David, die achtjährige Sara und die zwölf Jahre alte Rebecca – an einem Tisch in der Tannheimer Nachsorgeklinik und erzählt von diesem Jahr, in dem so viel passiert ist, Gutes wie Schlechtes. Die beste Nachricht des Jahres für sie: Der Tumor, der sich in Davids rechten Lymphknoten am Hals gefressen hatte, war lokal begrenzt und hat keine Metastasen gebildet. Dennoch muss David Kraft tanken. Zwei Blöcke Chemotherapie und Bestrahlungen haben zwar die Krebszellen zerstört, seinen Körper aber zugleich geschwächt.

In Tannheim gewinnt die Familie Abstand von den kräftezehrenden Monaten. Monate, in denen Carolin Schwieder mit David oft zehn Stunden am Stück im Olgäle zubrachte, bis die Chemo-Sitzung absolviert war. Trotz seiner geschwächten Abwehr hat der Fünftklässler die Therapie vergleichsweise gut vertragen: „Ich musste nur ein einziges Mal spucken.“

Besonders froh ist David, dass er – obwohl er von April bis September fehlte – die vierte Klasse nicht wiederholen musste und in die Realschule wechseln konnte. Das Kreismedienzentrum stellte ihm sogar ein iPad zur Verfügung, so dass er über den Video-Chatdienst Facetime am Unterricht teilnehmen konnte. „Einmal musste ich auf die Toilette und meine Klasse hat sich gewundert, wo ich plötzlich bin“, sagt David grinsend. „Na, immerhin hast du das Tablet nicht mit aufs Klo genommen“, sagt seine Mutter und muss auch lachen.

Weil David sich sehr auf die weiterführende Schule gefreut hat, war klar, dass der Wechsel nach den Ferien auch stattfinden soll, wenn es irgend geht. „Wenn es gar nicht klappt, kann ich immer noch eine Klasse wiederholen“, sagt der Zehnjährige.

Bei den Schwieders kehrt langsam die Normalität zurück. Aber die Monate der Krankheit haben auch Davids Schwestern belastet. Sie genießen es, in der Nachsorgeklinik bei den Pferden im Reitstall zu sein oder auch ihre Mutter wieder einmal für sich zu haben, denn David verbringt viel Zeit mit seinen neu gewonnenen Freunden aus der Reha. „Als ich mit ihm jeden Tag in der Klinik war, sind die Mädchen zu kurz gekommen“, sagt Carolin Schwieder. Sie ist dankbar, dass ihre Mutter und eine enge Freundin sie nach Kräften unterstützt haben.

„Aber es war eine doofe Zeit“, findet die achtjährige Sara. Gemeinsame Freibadbesuche im Sommer waren nicht möglich, David durfte nicht baden gehen, ohnehin waren Mutter und Bruder ständig im Krankenhaus. „Zum Glück haben unsere Nachbarn einen Hund, mit dem wir spielen und spazieren gehen konnten“, sagt Sara.

Von der Nachsorgeklinik ist die ganze Familie begeistert. „Total schön“, findet es die ältere Tochter Rebecca. „Ich hätte nicht gedacht, dass uns das so gut tut“, sagt Mutter Carolin. Die Krankenschwester sagt von sich selbst, sie sei „nicht so der Typ für Austausch“. Umso mehr schätzt sie es, dass alle Angebote freiwillig sind.

Bringt der Beruf Vor- oder Nachteile, wenn man plötzlich mit einer Diagnose wie Lymphdrüsenkrebs in der eigenen Familie konfrontiert wird? „Mir hat das Wissen eher geholfen“, sagt sie. „Ich weiß, was auf einen zukommt, kann die Nebenwirkungen von Medikamenten abschätzen.“ Nicht zuletzt habe der Glaube sie und ihre Kinder durch die Zeit der Krankheit getragen.

Weil Carolin Schwieder erst ab Januar wieder arbeiten wird, kann die Familie die Vorweihnachtszeit zusammen genießen und abseits von Davids Krankheit wieder einmal ganz banale Dinge planen. „Plätzchen backen“, sagt Rebecca. Und ganz banale Diskussionen führen. „Erst Vanillekipferl“, widerspricht David. „Dann deine Plätzchen.“

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Nachsorgeklinik in Tannheim: Die Nachsorgeklinik in der Ortschaft Tannheim bei Villingen-Schwenningen ist eine Einrichtung der deutschen Kinderkrebsnachsorge. Weitere Gesellschafter des Hauses sind die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Förderkreise krebskranker Kinder e.V. und der Mukoviszidose-Bundesverband. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Nachsorgeklinik Tannheim.
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