VS-Villingen Carolin Schmid lächelt trotz des Hindernis-Bahnhofs: Umbau soll erst 2020 beginnen

  • Ausflug-Teilnahme scheitert an Villinger Bahnhof
  • Barrierefreier Umbau soll erst 2020 beginnen.

Carolin Schmid aus VS-Villingen ist eine lebensfrohe junge Frau. Sie lacht gerne, isst am liebsten Spaghetti, bevorzugt musikalisch eher die härtere Gangart, wie die Toten Hosen sie spielen. Sie ist Fan von Borussia Dortmund, geht gerne aus, pflegt Freundschaften in sozialen Netzwerken und betreibt eine Internetseite. Auf den ersten Blick ist das alles nicht ungewöhnlich für eine junge Frau. Doch für die 28-Jährige bedeutet jeder einzelne Punkt ein Stück mehr Freiheit, einen weiteren Schritt hin zu einem selbstbestimmten Leben.

Carolin Schmid kann seit ihrer Geburt Arme und Beine nicht richtig bewegen. Auch Sprechen ist kaum möglich. Sie ist stets auf ihren speziellen Rollstuhl angewiesen. In vielen Lebenssituationen benötigt sie fremde Hilfe. Aus diesem Grund freut sie sich auch über die kleinen Dinge im Leben, die für viele Menschen selbstverständlich sind.

Umso trauriger war die junge Frau, als vor wenigen Wochen der Ausflug des lokalen Teilhabekreises anstand. Dieser Kreis ist eine Art Selbsthilfegruppe für Menschen mit und ohne Behinderungen. Mit der Bahn ging es in den Karlsruher Zoo, leider ohne Carolin Schmid. Der Villinger Bahnhof ist bis heute nicht barrierefrei ausgebaut. Menschen mit körperlichen Einschränkungen steht zwar der Bahnsteig- und Mobilitätsservice der Bahn zur Verfügung, der Reisende etwas abseits des Bahnsteiges sicher über die Gleise geleitet, doch dieses Angebot bietet die Bahn lediglich an Werktagen zwischen 8 und 16 Uhr an.

 

 

Der Ausflug fand an einem Wochenende statt. "Ich habe mich richtig schlecht gefühlt", erzählt Schmid, die sich sehr auf diese Abwechslung gefreut hatte. Ein Einstieg in St. Georgen wäre noch möglich gewesen. Der Bahnhof dort ist bereits barrierefrei. Doch eine Reise in die Nachbarstadt wäre für die 28-Jährige mit ihrem Rollstuhl ebenfalls kaum machbar und mit viel Organisation und Aufwand verbunden.

Baustart erst 2020

Wie die Bahn auf SÜDKURIER-Nachfrage mitteilt, ist der Baustart jetzt für 2020 geplant. Anfang 2018 war noch ein möglicher Baubeginn Anfang 2019 im Gespräch (wir berichteten). Wird der neue Zeitplan eingehalten, dann wäre der barrierefreie Zugang zu den Gleisen und den Zügen frühestens Mitte 2021 möglich. Eine automatische Schranke als mögliche Zwischenlösung für den Übergang, wie zum Beispiel in Konstanz, sei nicht geplant, so eine Bahnsprecherin. Damit zerschlägt sich einer der größten Wünsche von Carolin Schmid, dass sie in den kommenden Jahren bei den Teilhabekreis-Ausflügen dabei sein kann. Unglücklich ist auch die Stadtverwaltung mit der aktuellen Situation. „Wir warten auf einen Zeitplan für den Umbau von der Bahn“, sagt Sprecherin Oxana Brunner. Ursprünglich war der Umbau bereits für Mitte 2017 geplant. Daraufhin wurde der Baustart immer wieder nach hinten verschoben. Uneinigkeit herrschte zuletzt bei der Bahnsteighöhe. Welche Höhe derzeit angestrebt werde, dazu äußerte sich die Bahnsprecherin nicht.

 

 

Für Carolin Schmid bedeutet das, weiterhin auf mehr Freiheit in ihrem Leben zu hoffen. Schnelle Hilfe könnten ihr schon jetzt Autofahrer leisten. „Parkende Autos auf Gehwegen versperren mir häufig den Weg“, lässt sie über ihr Kommunikationsgerät abspielen. Seit 2010 hat Schmid diesen sogenannten Talker im Einsatz. Das Gerät ist eine Computer, welcher über Augensteuerung funktioniert. Eine große Erleichterung für die junge Frau, die sich so viel einfacher verständigen kann. Mit dem Talker schreibt sie an einem Buch über ihr Leben, hat bereits 60 Seiten mit Buchstaben gefüllt. Auch Vorträge an der Christy-Brown-Schule und beim Teilhabekreis hält sie über ihre künstliche Ersatzstimme.

Bild: Jens Fröhlich
Bild: Jens Fröhlich | Bild: Jens Froehlich

Vor elf Jahren hat sie ihr Zuhause in einer Gemeinde im Landkreis Tuttlingen verlassen und lebt seither mit fünf weiteren Bewohnern in einer betreuten Wohngemeinschaft des Caritasverbandes in Villingen. Hier schätzt sie neben einer gewisse Privatsphäre in den eigenen vier Wänden auch die Gesellschaft und die gute Betreuung vor Ort.

Trostpflaster

"Der Teilhabekreis ist wie eine Familie für mich", so Schmid. Warum, das wurde beim letzten Gruppentreffen deutlich. Die anderen Teilnehmer ließen es sich nicht nehmen, ihre Freundin nachträglich doch ein wenig am verpassten Zoo-Besuch teilhaben zu lassen. Auf einer großen Leinwand wurden viele Erinnerungsfotos gezeigt.

Bild: Antonia Berberich, Caritasverband Schwarzwald-Baar-Kreis
Bild: Antonia Berberich, Caritasverband Schwarzwald-Baar-Kreis | Bild: Antonia Berberich

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