VillingenSchwenningen Baarfood: Gemüseanbau nach einem besonderen Prinzip

Riesiges Interesse an neuer Anbau-Initiative. Mehrere Ackerflächen stehen bereits zur Verfügung.

Schwarzwald-Baar – Knackiger Mangold, alte Sorten von Kartoffeln und Kürbissen, Salate, Blumenkohl, Spinat, Rote Bete – insgesamt sind es 26 Gemüsesorten aus biologischem Anbau, die jedem aus einer wöchentlichen Gemüsekiste winken, der sich der ersten Solidarischen Landwirtschaftsgemeinschaft (SoLaWi) anschließt. Und bereit ist, dafür ein unternehmerisches Risiko einzugehen und einen höheren Preis als im Supermarkt zu zahlen.

„Wir sind erschlagen vom Interesse an dem heutigen Informationsabend“ mit diesen Worten begrüßt Hardy Bisinger die rund 70 Gäste im Umweltzentrum Schwenningen. Im Januar erst wurde der Verein „Baarfood Solidarische Landwirtschaft“ gegründet.

Die Idee der SoLaWi kam schon in den 1960er Jahren in Japan auf, wo es heute sehr viele solche Projekte gibt. 1988 gründete sich in Hamburg die erste SoLaWi in Deutschland, 2014 waren es 60 Projekte und heute, nur drei Jahre später zählt man schon 130 solcher Gemeinschaften. Die Prinzipien der SoLaWi sind einfach. Es geht um die Teilung von Verantwortung und Risiko, aber auch die der Ernte.

Es sind sieben „total angefressene und begeisterte Menschen“, wie sie es selbst beschreiben, die sich nun daran machen, das Projekt auch im Kreis mit Leben zu füllen. Und es ist ihnen im Laufe des einen Jahres, in denen sie gemeinsam daran arbeiten, gelungen, drei landwirtschaftlich nutzbare Flächen um das Oberzentrum herum zu pachten.

In Überauchen und Hochemmingen sind Äcker von dortigen Eigentümern zur Verfügung gestellt worden, auch eine Fläche an der Polizeifachschule in Villingen-Schwenningen konnte mittlerweile durch die Hilfe der Stadt akquiriert werden. Die Anbauareale sind jeweils rund einen halben Hektar groß, eine Streuobstwiese soll zukünftig zusätzlich gepachtet werden.

Finanziert wird dabei die Produktion des Anbaus, den man sich vorgenommen hat. Dies beinhaltet einen ökologischen Mehrwert in Form von biologischer Vielfalt, Gesundheit von Lebewesen, Böden und Gewässern sowie kurze Transportwege.

Die Finanzierung dieser Art der Bewirtschaftung von Äckern geschieht über Mitgliedsbeiträge, „Gemüseanteile“ und Förderer. Gärtnerische Entscheidungen trifft mit Anni Kohnle eine Fachkraft, sie gibt diese an den Vorstand weiter. Dieser wird jährlich bei der Jahreshauptversammlung gewählt, hier werden auch wichtige Entscheidungen gefällt wie Investitionen und Erwerb neuer Flächen.

Die Mitgliedschaft wird mit dem Jahresbeitrag von 30 Euro beglichen und gibt ein Anrecht auf eine Bieterrunde, wo man einen Gemüseanteil erwerben kann. Ein Gemüseanteil umfasst 160 Kilogramm Gemüse im Jahr, zusätzlich Kartoffeln und Salat. Da es eine Gemüsepause im Frühjahr gibt, kommen so im Vierteljahr also rund 50 Kilo Gemüse zusammen. Grob geschätzt kann man mit einem Beitrag von rund 75 Euro im Monat rechnen.

Die Gemüsekiste wird dann, wenn die erste Ernte eingefahren ist, einmal wöchentlich zusammengestellt und kann abgeholt werden. Diese Verteilung organisieren die Mitglieder, wobei es eine Frühjahrspause zwischen Februar und April geben wird. Ernteausfälle werden gemeinsam getragen. Mitgliedsbeiträge werden das ganze Jahr gezahlt, was den solidarischen Aspekt untermauert.

Die erste Bieterrunde wird am 6. April im Umweltzentrum Schwenningen über die Bühne gehen. In dieser Bieterrunde soll über die Anbieter der Etat bedient werden, wobei jeder Bieter sein Angebot für seine Gemüsekiste anonym abgibt, um auch Menschen mit geringeren finanziellen Möglichkeiten einen Zugang zur Gemüsekiste zu gewähren.

Gesucht werden derzeit Einlagerungsmöglichkeiten in Schwenningen und Überauchen.

Mehr Infos hier

Weitere Informationsveranstaltungen zur ersten regionalen SoLaWi sind am 9. März in Bad Dürrheim und am 24. März in Villingen. (us)

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