Villingen-Schwenningen Amtsgericht Villingen verurteilt 43-Jährigen wegen Diebstahl zu zwei Jahren mit Bewährung

Der in Frankreich lebende Mann hatte Geld von einem Bordellbetreiber gestohlen. Das Gericht zweifelte aber an der vom Geschädigten genannten Geldsumme.

Noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen ist ein 43 Jahre alter, in Frankreich lebender Roma, der sich vor dem Amtsgericht Villingen wegen Diebstahl verantworten musste. Dass es, trotz einem Geständnis des Angeklagten, nicht zu einer Verfahrensabsprache kam, lag darin, dass Uneinigkeit über die Summe des gestohlenen Geldes herrschte. Während er selber von 9000 Euro sprach, warf ihm die Staatsanwaltschaft den Diebstahl von 160 000 Euro vor. Am Ende urteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Christian Bäumler im Zweifel für den vorbestraften Angeklagten und verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Laut Staatsanwaltschaft soll der 43-Jährige dem Geschädigten, einem Bordellbetreiber aus Villingen-Schwenningen, im September 2014 einen Währungstausch vorgeschlagen haben. Für 160 000 Euro habe er dem Geschädigten 200 000 Schweizer Franken übergeben wollen. Der Geldkoffer sei allerdings nur in der obersten Lage mit Geldnoten gefüllt gewesen. Darunter habe sich einfaches Papier befunden. Der Angeklagte habe das Geld des Geschädigten, das er in eine etwa Din A4 großen Plastiktüte gepackt hatte, genommen, sei ins wartende Auto gesprungen und mit seinem Komplizen davongefahren.

In einer von seiner Anwältin vorgelesenen Erklärung äußerte sich der Angeklagte zu den Vorwürfen: "Das, was mir vorgeworfen wird, entspricht leider den Tatsachen." Er habe dem Geschädigten "einen Denkzettel verpassen" wollen, da dieser ihm zunächst für sexuelle Leistungen zu viel berechnet und später 2800 Euro aus der Hose gestohlen habe. "Das hat mich wütend gemacht", erklärte der 43-Jährige. Er bestritt allerdings, dass es sich um 160 000 Euro gehandelt habe. In der Plastiktüte habe sich 9000 Euro befunden.

Die Aussage des Geschädigten half wenig, den Sachverhalt in diesem Punkt aufzuklären. Nachdem er aussagte, dass er 200 000 Franken erhalten sollte, wurde er von der Verteidigerin auf die polizeiliche Vernehmung hingewiesen, bei der er von 300 000 Schweizer Franken gesprochen habe. Er zeigte sich von den Fragen sichtlich genervt, reagierte aggressiv, unterbrach die Verteidigung und beantwortete Fragen zögerlich und erst nach Aufforderung des Richters.

Trotz der Widersprüche bewertete der Staatsanwalt den Geschädigten als glaubwürdig. Abweichungen können in den drei Jahren, die seit der Tat vergangen sind, vorkommen, argumentierte er. Er beantragte hinsichtlich der Vorstrafen eine Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung.

Die Verteidigerin hingegen sah sich nach der Aussage des Geschädigten bestätigt. Sie warf dem Staatsanwalt zudem vor, mit zweierlei Maß zu messen, wenn er den Geschädigten trotz großer Widersprüche als glaubwürdig bezeichnete, dem Angeklagten aber Fehler in Detailfragen, wie der genauen Größe des Geldkoffers, vorhielt. Zudem sei "hier keine ahnungslose, arme Rentnerin um Hab und Gut gebracht" worden. Der Geschädigte sei aus Geldgier auf das Geschäft angesprungen und trage eine Mitschuld. Sie sei davon überzeugt, dass ihr Mandant, anders als zuvor, nicht wieder straffällig werden würde. "Wir haben jetzt die besondere Konstellation, dass die Familie stinksauer auf ihn ist", sagte sie. Von der Familie verstoßen zu werden, sei für Roma die schlimmste Strafe.

Das Schöffengericht folgte den Ausführungen des Angeklagten und ging beim Urteil von einem Schaden von 9000 Euro aus. Es verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren auf Bewährung. Als Auflage muss er 9000 Euro an den Verein Frauen helfen Frauen zahlen. Dass das Geld nicht an den Geschädigten geht, begründete Richter Bäumler mit dessen Auftreten während der Befragung: "Er kriegt von uns keine Schadenswiedergutmachung."

Wechselkurs

Anfang September 2014 lag der Wechselkurs von Euro zu Schweizer Franken bei eins zu 1,2. Das bedeutet, dass der Geschädigte bei einem Tausch von 9000 Euro mit 16 000 Schweizer Franken einen Gewinn von rund 4300 Euro gemacht hätte, bei einem Tausch von 160 000 Euro mit 200 000 Franken rund 5600 Euro und mit 300 000 Franken rund 88 500 Euro. (tol)

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