Villingen-Schwenningen 2100 Kilometer ohne Schuhe: Villinger Aldo Berti vor Weltrekord-Versuch

Der 53-jährige Villinger beginnt seine Reise auf der Insel Rügen. Danach geht es den Jakobsweg entlang, bis in die Schweiz. Damit der Lauf auch als Weltrekord gewertet werden kann, bedarf es einiger Vorkehrungen.

2100 Kilometer wird er durch Deutschland laufen – und das komplett ohne Schuhe. Aldo Berti ist fest dazu entschlossen, den Weltrekord im Barfußlaufen (aktuell 2080 Kilometer) zu brechen. In 51 Tagen ist es soweit: Am 28. Mai bricht der Heilpraktiker und Therapeut zu seiner zwölfwöchigen Reise auf.

Für seinen Weltrekord legt er den Weg von Saßnitz, auf der Insel Rügen, bis zur Schwarzen Madonna im Schweizer Kloster Einsiedeln zurück. Die Strecke hat er in Etappen eingeteilt, die zwischen 17 und 42 Kilometer lang sind. "Ich habe danach die Unterkünfte ausgesucht. Einige Hotels haben mir auch die Übernachtung gesponsert." Obwohl es bald für ihn los geht, wirkt er noch gelassen. "Nervös", sagt er, "nein, dass bin ich nicht." Einzig der bis zu 80 Grad heiße Asphalt im Sommer macht im ein wenig Sorgen.

Dass auch andere Menschen eine Gefahr sein können habe er anfangs nicht bedacht. "Ich bin davon überzeigt, dass wenn ich jedem friedlich gegenüber stehe, mir die Leute auch so gegenüber stehen. Und falls doch was passiert, kann ich mich mit meinem Wanderstab wehren", sagt er. Er freue sich aber schon auf das Pilgern. "Da ich auf einem Pilgerweg laufe, begegnen mit sicher viele Menschen. Ich freue mich auf neue Begegnungen."

Drei bis vier Zeugen täglich nötig

Für den Eintrag als "Längste Barfußreise" im Guinness-Weltrekord-Buch und beim Rekord-Institut für Deutschland bereitet er sich seit September 2015 vor. "Ich laufe immer barfuß", sagt er. "Im Winter habe ich mir aber mal eine Erfrierung zweiten Grades geholt." Für ein Fernsehinterview musste er für einen längeren Zeitraum im Schnee stehen und hat sich dabei die Füße abgefroren. "Wenn ich durch den Schnee laufe, dann ist das kein Problem."

Momentan läuft er zehn bis 20 Kilometer am Tag. "Die späteren Etappen sind aber bis zu 40 Kilometer lang, also muss ich noch ein wenig zulegen." Inzwischen läuft er mit seinem 13 Kilogramm schweren Rucksack. Mit auf die Reise kommen Wechselkleidung, Zelt, Isomatte, Schlafsack, Proviant und eine Notfall-Apotheke. "Was sicher nicht dabei ist, sind Schuhe." Einen kleinen Laptop und sein Handy hat er im Gepäck, denn die Reise muss dokumentiert werden. Filmmaterial, Fotos, GPS-Daten und lokale Presseberichte muss er den Rekord-Firmen schicken, damit sein Weg anerkannt wird. "Ich muss unterwegs drei bis vier Zeugen am Tag unterschreiben lassen, dass sie mich barfuß gesehen haben."

"Meine Familie und Freunde finden die Idee verrückt", sagt Berti. Aber sie seien schon damit vertraut, dass er verrückte Ideen habe. "Ich habe schon davor krassere Projekte gemacht und sie sind das gewohnt." Berti war schon immer ein Freund von Herausforderungen. Bevor er mit dem Barfußlaufen begonnen hat, ist er Spenden-Marathons gelaufen. Aus gesundheitlichen Gründen wechselte er vom Marathonlaufen zum Laufen ohne Schuhe.

Normale Schuhe passen nicht mehr

Das Barfußlaufen hat er durch einen Freund kennengelernt, der von Hamburg bis an den Bodensee barfuß gelaufen ist. "Ich habe ihn drei Etappen begleitet, und mir gleich Blasen geholt", sagte Berti. Für ihn hat das Laufen ohne Schuhe auch viel mit Gesundheit zu tun. "Ich hatte mit Rückenproblemen zu kämpfen. Die habe ich, seitdem ich angefangen habe, nicht mehr." Es hört sich zunächst etwas gefährlich an, dass Berti Splitter, Schotter und Scherben ohne Schutz betritt. Ernsthaft verletzt habe er sich aber bei den Vorbereitungen für den Weltrekord nicht. "Gefährliche, große Scherben sieht man. Gegen kleine Scherben unter den Füßen ist die Sohle abgehärtet", sagte er. "Mit der Zeit wird die Fußsohle widerstandsfähiger." Falls aber doch mal ein Splitter stecken bleibt, hat er eine Pinzette dabei. Der einzige Nachteil sei, dass seine Füße irgendwann zu breit für Schuhe geworden sind. "Meine schönen Lederschuhe passen mir nicht mehr", sagt er und lacht.

Auch mit dem Barfuß-Weltrekord möchte er Spenden sammeln und das SOS-Kinderdorf, die Radio 7 Drachenkinder, die Friedrich Ludwig Schröder Kinderstiftung aus Hamburg und seine eigene Kindersportförderung für mittellose, talentierte Kinder und Jugendliche unterstützen. "Ich sammle das Geld für die Kinder. Die Kosten für mich zahle ich selbst." Wer möchte, kann ihn mittels Tagespartnerschaften unterstützen. Dabei bucht man auf seiner Homepage einen Tag, der dann nach dem Sponsor benannt wird.

Letztendlich möchte er mit seinem Rekordversuch erreichen, Menschen dazu zu inspirieren, natürlicher zu leben. Jetzt muss Aldo Berti nur noch den Countdown bis zum Start abwarten und ist zuversichtlich. "Man kann alles schaffen, wenn man es will."

Wie man ein guter Barfußläufer werden kann

Warum Barfußlaufen gesund ist und was Einsteiger beachten sollen, erklärt Aldo Berti (53) im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Warum ist Barfußlaufen gesund?

Mit Schuhen läuft man auf der Ferse, nicht auf dem Vorderfuß. Wenn die Füße nicht im Schuh eingebettet sind, ändert sich die Fußmuskulatur. Das ist gesünder für Gelenke, Muskeln und Sehnen.

Haben Sie einen Tipp für Leute, die mit dem Barfußlaufen anfangen wollen?

Wichtig ist, langsam anzufangen. Sie sollten erst mal nur 500 Meter laufen und die Schuhe wieder anziehen. Und nach und nach verlängert sie die Strecke.

Was muss man noch beachten?

Die Stadt darf nicht unterschätzt werden, gerade wegen Splittern und Steinen. Anfangs ist die Sohle noch sehr empfindlich. Ich empfehle außerdem, nicht zuerst mit der Ferse aufzutreten. Wenn Sie sich die Ohren zuhalten und mit der Ferse zuerst laufen, wird ihr ganzer Körper erschüttert. Auf dem Mittel- und Vorderfuß klingt es sanfter. Und man muss mit viel Muskelkater in den Waden rechnen

Fragen: Anna Burai

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