Tuttlingen Glanzlichter moderner Kunst in Tuttlingen zu sehen

Von Kandinsky bis Uecker: Die Galerie der Stadt Tuttlingen zeigt besonderes Sehenswertes aus einer privaten Sammlung

Mit dem Titel „Highlights aus der Hubertus Schoeller Stiftung“ wird die aktuelle Ausstellung in der Galerie der Stadt Tuttlingen angekündigt. Doch spätestens nach dem ersten Rundgang merkt man, dass es sich bei diesen Highlights tatsächlich auch um Meisterwerke der konkreten, konstruktiven und kinetischen Kunst handelt.

Es ist wirklich beeindruckend, was der aus einer Dürener Industriellenfamilie stammende erfolgreiche Düsseldorfer Galerist Hubertus Schoeller im Laufe von vier Jahrzehnten zusammengetragen hat. Die umfangreiche private Sammlung ist dauerhaft im Leopold-Hoesch-Museum und Papiermuseum Düren zu sehen. Exquisite Beispiele dieser konsequenten Sammelleidenschaft werden nun in Tuttlingen gezeigt.

Schoeller bewies stets ein Gespür für die feinen Qualitäten der Kunst. Die klug zusammengestellte Präsentation gleicht einem Gang durch die Kunstgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der Fokus auf die Vorlieben des Stifters gerichtet, der mit seiner Galerie zur ersten Adresse für konkrete und konstruktive Kunst zählte.

In der Galerie von Schoeller hat es sich im weitesten Sinne um die konkrete Kunst und die verschiedenen Tendenzen gedreht: Zero, Kinetik, Op Art, visuelle Poesie. Dazu gehörten Programmatisches, Intuitives, Farbkräftiges, Stilles/Meditatives. Diese Werke machten deutlich, dass sich eine große Vielfalt in der konkreten Kunst verbirgt.

Dass bei diesem Konvolut auch die 1922 entstandene Radierung „Kleine Welten“ von bei Wassily Kandinskys dabei ist, passt auch ins Sammelkonzept. Schließlich war Kandinsky der Pionier der abstrakten Kunst, aus der dann Jahrzehnte später die konkrete Kunst entstanden ist. Das ist eine breit angelegte Kunstrichtung, die der Praktiker Max Bill so beschreibt: „Konkrete Gestaltung ist jene Gestaltung, welche aus ihren Mitteln und Gesetzen entsteht, ohne diese aus äußeren Naturerscheinungen ableiten oder entlehnen zu müssen. Die optische Gestaltung beruht somit auf Farbe, Form, Raum, Licht, Bewegung“.

Die Werke der Hubertus-Schoeller-Stiftung spiegeln die unterschiedlichen gestalterischen Konzepte wider, die nach 1945 in verschiedenen Ländern Europas mit der konkreten Kunst verbunden sind. Die ZERO-Künstler Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker sind in der Präsentation mit markanten singulären Arbeiten ebenso vertreten wie Carlos Cruz-Diaz mit seinen starken farbkinetischen Bildern und Adolf Luther mit seinen Spiegelobjekten.

Es geht in der Ausstellung stets um die Rückbesinnung auf das Elementare, das reine Spiel klarer Farben und geometrischer Formen, Serielles und Bewegungsmomente. Die in der Hubertus Schoeller Stiftung vertretenen Künstler eint das Streben nach wissenschaftlichen Arbeitsmethoden, Aufbau des Bildes aus Grundelementen, Systematisierung und Strukturierung der Formen, die Anwendung von nachvollziehbaren Kompositions- und Konstruktionsverfahrens sowie das Vermeiden des Subjektiven.

Gleichzeitig wird der Betrachter zum aktiven und integralen Bestandteil dieser Kunstwerke, die in seiner Wahrnehmung Prozesse auslösen.

Gelegenheit dazu bietet die Schau reichlich. So kann man sich mit dreidimensionalen Arbeiten von Victor Vasarely, Yves Klein, Jesus Raphael Soto und Lucio Fontana auseinandersetzen oder die geometrischen Strukturen in den Werken von Camille Graeser und Paul Richard Lohse ergründen. Die Arbeiten von Bernard Avertin, Rupprecht Geiger, Klaus Staudt, Francois Morellet, Ludwig Wilding und vielen anderen Künstlern sind zudem Anreiz die sehenswerte Ausstellung zu besuchen.

„Highlights aus der Hubertus Schoeller Stiftung“ in der Galerie der Stadt Tuttlingen, Rathausstraße 7, bis 18. Juni. Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.

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