Triberg Schüler sollen Gefahren erkennen

Ein Gastspiel der "Wilden Bühne" im Triberger Kurhaus dreht sich um Alkohol und Drogen. Sucht und Prävention stehen im Mittelpunkt bei der Veranstaltung für Acht- und Neuntklässler des Schwarzwald-Gymnasiums, der Realschule Triberg und der Schonacher Dom-Clemente-Schule.

Um auf die Gefährlichkeit von Drogen hinzuweisen und die Abhängigkeit etlicher Menschen davon ins Bewusstsein der Jugendlichen zu rücken, gastierte die „Wilde Bühne“ im Triberger Kurhaus. Allein in Deutschland sterben jährlich durch den Konsum von Alkohol oder den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak mehr als 74  000 Menschen. Die Zahl der Rauschgifttoten lag 2015 bei 1226. Diese Daten gehen aus den Berichten der Deutschen Hauptstelle für Suchfragen hervor. Um Jugendliche auf die Gefahren aufmerksam zu machen, trat die „Wilde Bühne“ in Triberg auf.

Zu Gast in den beiden Theatervorstellungen am Vormittag waren die achten und neunten Klassen des Schwarzwald-Gymnasiums und der Realschule Triberg sowie der Schonacher Dom-Clemente-Werkrealschule. Bei dem knapp einstündigen Theaterstück „Mensch Kalle“, das die vier Schauspieler Carmelo Marino, Carsten Heppner, Emma Morgan sowie Meike Jauernig für die Schüler der Raumschaft zu Besten gaben, stand das Thema Sucht und Suchtprävention im Mittelpunkt.

Einen gesichtslosen Ort irgendwo am Rande der Gesellschaft wollte das Stück zeigen. Im Mittelpunkt der Handlung stand eine eingeschworene Clique, die sich aus den vier Jugendlichen Mäggie, Hardy, Toni und Kalle zusammensetzt, die sich mit kleinen Tricks und Diebstählen über Wasser halten. Die zum Großteil nur lückenhaften Szenen enthielten Andeutungen auf Drogenkonsum und wollten den Zuschauern ein falsch verstandenes Zusammengehörigkeitsgefühl der Clique vor Augen führen, deren Teilnehmer sich gegenseitig zu Kriminaldelikten anstachelten. Auch wollte das Stück die Zerrissenheit der Jugendlichen Mäggie zeigen, die Kalle auf Bitten von Hardy und Toni mit einem falschen Alibi deckte. Der saß nach einem Einbruch in eine Tankstelle und einem ihm angehängten Mord im Gefängnis.

„Niemand von den Figuren soll süchtig sein“, informiert Carina Weirather von der „Wilden Bühne“ im Anschluss an das Stück. Es sollten aber die Gefahren einer möglichen Sucht gezeigt werden, in die die Figuren jeweils abrutschen könnten und so auch den Schülern die eigene Gefahr vor Augen gestellt werden. „Die Schüler sind meistens noch nicht an dem Punkt, an dem sie sich eine Abhängigkeit vorstellen können“, so Meike Jauernig. Die Sozial- und Theaterpädagogin war für eine ausgefallene Schauspielerin eingesprungen und betreut normalerweise die Schauspielgruppe. Denn bei drei der Schauspieler handelt es sich um ehemalige Drogenabhängige mit einer Suchtvergangenheit im illegalen Bereich. „Die lassen ihre persönlichen Erfahrungen in ihr künstlerisches Schaffen einfließen“, wusste Jauernig zu berichten. Die daraus entstehenden Theaterstücke ermöglichten eine authentische Präventionsarbeit ermöglichen.

Für anschließende Gespräche mit den Schauspielern sowie mit Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe der Fachstelle Sucht und Prävention, die unter dem Dach des Landesverbands für Prävention und Rehabilitation arbeitet, wurden die Schüler in kleinere Gruppen aufgeteilt. Lehrer und Sozialarbeiter mussten bei den Gesprächen jedoch draußen bleiben. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass Schüler dann offener vielleicht auch über ein eigenes Problem sprechen“, erklärte Jauernig.

An einem Infostand konnten sich die Jugendlichen bei Simone Schmidtke und Inge Häßler von der Fachstelle Sucht und Prävention zusätzlich über Präventionsarbeit und Abhängigkeit informieren. Vor allem Alkohol stand im Mittelpunkt der Fragen der Schüler.

Initiiert wurde die Veranstaltung vom Arbeitskreis Jugend, der sich aus der Sozialraumkonferenz heraus gebildet hatte. Vor allem die Schulsozialarbeiter, aber auch Lehrer und Polizei sowie das Kreisjugendamt waren an der Entstehung der Veranstaltung beteiligt. Unterstützt wurde das Projekt von der AOK. Giuseppe Palilla, der Leiter der Sozialen Dienste der AOK Schwarzwald-Baar ist einer Pressemitteilung zufolge vom Erfolg der Theaterprävention überzeugt. 2016 seien im Schwarzwald-Baar-Kreis 19 Jugendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingewiesen worden. „Das ist der niedrigste Wert in den vergangenen Jahren und zeigt, dass die Präventionsarbeit wirkt“, lässt sich Giuseppe Palilla zitieren.

Die „Wilde Bühne“ ist ein Verein, der sich als Soziokulturelles Forum für ehemalige Drogenabhängige versteht. Nach eigenen Angaben will der Verein ehemals abhängige Menschen künstlerisch und sozialpädagogisch fördern und Suchtpräventionsmaßnahmen durchführen und verbindet so Prävention, Nachsorge und Kultur. Gegründet wurde die „Wilde Bühne“ 1990. 20 bis 25 ehemalige Abhängige spielen dort Theater.

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