St. Georgen Wolfgang Epting ergänzt die neuen PE-Plattenspieler um ein Einsteigermodell

Fans der anlogen Vinyl-Musik aus St. Georgen dürfen sich auf Neuheiten freuen. Heute beginnt die Fachmesse Highend in München.

Schwarzwälder Kirsch? Für Wolfgang Epting steht hinter diesem heimischen Begriff weniger eine Kalorienpause als für aufregende Tage auf der weltweit bedeutsamsten Fachmesse für Unterhaltungselektronik Highend. Mit Schwarzwälder Kirsch hat sich in der Fachpresse ein liebevoll bewundernder Begriff für das auffälligste Produkt aus der Manufaktur des kreativen und perfektionsbedachten Wiederbelebers der St. Georgener Plattenspieler-Fabrikation festgesetzt. Der PE 2525, im Jahr 2016 vorgestellt, ist fällt mit seinem zu zwei Dritteln knallroten Chassis auf. Er ist eines der insgesamt zehn Geräten, die von heute an bis einschließlich Sonntag auf der Messe in München vorgestellt werden. Der aufgeklebte Schriftzug PE 2525 in Verbindung mit dem alten PE-Logo verweisen dabei auf eine Heimatmarke, deren Glanz bis ins Heute reicht. Perpetuum Ebner (PE) stand bis zu der – der Konkurrenzabwehr geschuldeten – Verschmelzung mit Dual bis 1971 für feinste Plattenspielerqualität aus dem Schwarzwald.

Die weitere Entwicklung ist Geschichte, die frühere Geschichte der Phonoindustrie dagegen Ansporn für den musik- wie technikbegeisterten 54-Jährigen, der sich dank guter Kontakte zu den Enkeln und Urenkeln der Unternehmerfamilie Steidinger und zur PE-Stiftung die Nutzungsrechte an Patenten und Marke sichern konnte. Seine Vision: den legendären, 1969 vorgestellten PE 2020 L in einer modernen Form wiederaufleben zu lassen. „Wie werden diese Geräte 45 Jahre später klingen, hieß der Ansatz. Inzwischen weiß man das. Am Newcomerstand der Highend 2015 wurde der PE 4040 enthusiastisch begrüßt, erzielte in der Folge Spitzenbewertungen in den gängigen Fachzeitschriften und bescherten dem Jungunternehmer weltweite Kundenkontakte.

Dieses Jahr bekommt der 16 Kilogramm schwere PE 4040 auf der Messe leichte „Geschwister“. Der PE 800, nur acht Kilo schwer und aus einem höheren Anteil von Fertigkomponenten zusammengesetzt, soll mit einem Händlerpreis von unter 1000 Euro den Vinyl-Einsteiger begeistern. Von technischer und klanglicher Raffinesse darf der Kunde ausgehen: Der etwas größere zweite Newcomer PE 1000 spielt laut jüngster Ausgabe des Fachmagazins Stereoplay „himmelweit oberhalb seiner Preisklasse“.

Endkontrolle vor dem Versand. Klaus Oldermann arbeitet als Prüfingenieur bei WE Audio Systems.
Endkontrolle vor dem Versand. Klaus Oldermann arbeitet als Prüfingenieur bei WE Audio Systems. | Bild: Wursthorn, Jens

Mit den neuen Einsteiger-Modellen will WE Audio Systems seine Kapazität auf etwa 1000 produzierte Plattenspieler ausdehnen, die meisten davon in der Oberklasse. Ein ambitioniertes Vorhaben für die junge Firma, die mit fünf Mitarbeitern und unschätzbarem Bergstädter Phonotechnik-Knowhow im vierten Geschoss des Kundo-Gebäudes residiert. Auf etwa 150 Quadratmetern gewähren Büro, Vor- und Endmontage, Kontrolle, und Versand eine schlanke und verzahnte Produktion aus modularen Komponenten meist deutscher Hersteller. Spätestens seit dem zweiten Messeauftritt 2016 verfügt WE über Kunden von A wie Amerika bis Z wie Zypern. „Wir beliefern die Welt mit Plattenspielern“, sagt „WE“ selbstbewusst. Er erwartet bald einen Exportanteil von 70 Prozent, begründet aus der enormen Nachfrage aus asiatischen Ländern wie Singapur, Vietnam oder Thailand. Weiteres Indiz einer Fuß fassenden Geschäftsidee: WE übernimmt eine Auftragsarbeit, die bisher als zweites Standbein fungierende Lohnfertigung von Tonarmen in eine eigene Produktlinie.

Es wuselt in den Tagen vor der Messe. Und trotzdem nimmt sich Wolfgang Epting Zeit, seine Leidenschaft hörbar zu machen. Und zu spüren: Das Album Brothers in Arms der Dire Straits liegt auf einem PE 2525. Fingerdicke Koaxialkabel verbinden Plattenspieler, Verstärker und Boxen zu einem satten Klangerlebnis ohne Knacken und Rauschen und unglaublicher breiter Instrumentalbreite. Ein Konzertsaal? Klar ein bisschen. Vor allem, wenn man in einem der alten Ledersessel sitzt, die Epting aus dem PE-Direktionszimmer gerettet hat. Aber auch ein sinnliches Erlebnis. „Die CD klingt harsch“, erklärt Epting. Sie speichert nur einen Bruchteil der ursprünglichen Tonfrequenzen. Vinyl-Einspielungen bergen auch Töne, die das menschliche Ohr nicht hört, aber durch die Haut aufgenommen werden. Wohlfühl-Nostalgie.

„Ich wollte ewas bauen, was ich selbst auch im Wohnzimmer stehen haben möchte“, erklärt der „geborene, aufgewachsene und praktizierende St. Georgener“ seinen Qualitätsanspruch. Erste Überlegungen eines Eigenbaus liegen zehn Jahre zurück. Parallel zur weltweiten Wiederentdeckung des Vinyls wurden sie konkreter. „Wir verkaufen Emotionen und Träume“ wissen Wolfgang und Regina Epting. Ihre Produkte stehen in Zeiten einer vom Smartphone streambaren Musik für Entschleunigung und bewusstes Hören. Für bewusste Auszeit im Alltag. Diese muss sich der Gründer freischaufeln, wenn morgens um 5 Uhr schon Geschäftspartner aus Asien anklopfen. Dennoch. Für Epting ist es ein großartiges Gefühl, zu den Analaog-Anbietern auf Spitzenniveau zu gehören. Ein kleiner Kreis, der sich auf der Messe freundlich begrüßt. Die Eptings gehören dazu. Dank der Wiederbelebung einer Weltmarke ohne den Makel einer Insolvenz. Schwarzwälder Kirsch wird in vielen Konditoreien serviert, eine Phono-Wiedergeburt dieser Art konnte nur in St. Georgen stattfinden.

Weltfirmen

Die Historie erinnert an die beiden Sportartikelhersteller Adidas und Puma, die beide in Herzogenaurach residieren. 1911 trat in St. Georgen Josef Steidinger aus der vier Jahre zuvor mit dem Bruder Christian Steidinger gegründeten Firma aus. Josef brauchte Perpetuum, später Perpetuum-Ebner, auf den Weg. Christians Firma entwickelte sich später unter dem Namen Dual. Dank innovativer Produkten zählten Dual und PE in den 1960ern mit zusammen gut 5000 Mitarbeitern in etwas zehn Werken zu den größten Phonoherstellern Europas. 1971 übernahm Dual den unliebsamen Kokurrenten aus der gleichen Stadt, 1982 ging Dual in Insolvenz. Analoge Plattenspieler nach Dual-Plänen baut die Alfred Fehrenbacher GmbH in St Georgen. (wur)

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