St. Georgen Weltfrauentag: Im Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf

Der Arbeitskreis Frauen lud am Weltfrauentag zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Familie, Beruf, Ehrenamt – Frauen in unserer Gesellschaft" ins Theater ins Deutsche Haus ein. Fünf Frauen und ein Mann diskutierten über das Spannungsfeld, als Frau Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Auslöser für die Diskussionsrunde war ein Medienbericht, der so genannte Cappuccinomütter, also Frauen, die sich ganz der Kindererziehung widmen, als Gefahr für die Gleichstellung von Mann und Frau bezeichnet. Auf dem Podium diskutierten Unternehmerin Sandra Rieger-Trenkle, Vollzeitbeschäftigte und alleinerziehende Mutter Tanja Neipp, Florije Sula, Personalleiterin bei der Evangelischen Altenhilfe, Helen Rollinger, Sozialarbeiterin im Bereich Flüchtlingshilfe, die Gleichstellungsbeauftragte des Schwarzwald-Baar-Kreises, Annette Banholzer sowie Erwin Müller, Unternehmer im Ruhestand. Allen weiblichen Podiumsteilnehmern gemein war, dass sie Mütter sind, die den Spagat zwischen Familie und Beruf kennen. Bis heute fehle sowohl die finanzielle als auch die gesellschaftliche Anerkennung, wenn sich Frauen dafür entscheiden, sich in den ersten Jahren nur ihrem Kind zu widmen. Andererseits werden Mütter, die nur eine kurze Erziehungszeit nehmen und beruflich wieder einsteigen, gerne als Rabenmütter angesehen.

Rund 30 überwiegend weibliche Zuhörer nehmen an der Podiumsdiskussion im Theater im Deutschen Haus teil.
Rund 30 überwiegend weibliche Zuhörer nehmen an der Podiumsdiskussion im Theater im Deutschen Haus teil.

Ob sich die Frauen für ihre bewusst getroffenen Entscheidungen rechtfertigen mussten, wollte Moderatorin Sandra Tenschert wissen. Die Gleichzeitigkeit von Familie und Arbeit gehe auf Dauer nicht, sagte Helen Rollinger. Die Sozialarbeiterin und zweifache Mutter, die ihr drittes Kind erwartet, arbeitet Teilzeit in der Flüchtlingshilfe. Sie spüre den gesellschaftlichen Druck hinter der Entscheidung, als Frau mit abgeschlossenem Studium nur eine geringfügige Beschäftigung auszuüben. Eine bessere Aufteilung fände sie persönlich zwar toll, sie weiß aber auch, dass das oft nicht gehe, "weil der Mann der Besserverdienende ist".

Sandra Rieger-Trenkle, dreifache Mutter und selbständige Unternehmerin, konnte das bestätigen, als sie wieder in das Arbeitsleben zurückkehrte. "Aber in Vollzeit zu arbeiten bedeutet ja nicht, dass man tagsüber arbeiten muss." So arbeite sie ab dem Nachmittag und könne auch noch Arbeit erledigen, wenn die Kinder schlafen.

"Als alleinerziehende Frau hat man keine Rechte. Arbeitgeber sollten bei Alleinerziehenden sozialer und flexibler reagieren." Anja Agsten, St. Georgen
"Als alleinerziehende Frau hat man keine Rechte. Arbeitgeber sollten bei Alleinerziehenden sozialer und flexibler reagieren." Anja Agsten, St. Georgen

Das Zeitmanagement sei entscheidend, sagte auch Tanja Neipp, die als alleinerziehende Mutter eine Vollzeitarbeitsstelle hat. Aus Sicht eines Unternehmers sagte Erwin Müller, ehemaliger Geschäftsführer eines Softwareunternehmens, dass von beiden Seiten Flexibilität gefordert ist. "Das geht beispielsweise in Form von flexiblen Arbeitszeiten oder auch mit Heimarbeitsplätzen." Er sei immer bemüht gewesen, in seinem Unternehmen individuelle Arbeitszeitmodelle für seine Mitarbeiter zu finden, die an die Lebensumstände seiner Beschäftigten angepasst werden konnten. Leistung und Loyalität hätten darunter nicht gelitten. "Im Gegenteil, die Mitarbeiter sind motiviert und bringen ihre Leistung, weil sie den Kopf frei haben."

Gleichstellungsbeauftragte Annette Banholzer sagte, dass derzeit aufgrund des Fachkräftemangels die Chancen gut stünden, "um die Belange der Frauen stärker zu berücksichtigen." Mütter, die in Teilzeit arbeiten, seien Gold wert, wie Florije Sula sagte. 70 Prozent der Mitarbeiterinnen bei der Evangelischen Altenhilfe seien Mütter, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.

"Ein Punkt ist gleiches Geld für gleiche Arbeit. Die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern für dieselbe Leistung ist in vielen Bereichen mehr als unverschämt." Florije Sula, St. Georgen
"Ein Punkt ist gleiches Geld für gleiche Arbeit. Die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern für dieselbe Leistung ist in vielen Bereichen mehr als unverschämt." Florije Sula, St. Georgen

Die überwiegend weiblichen Zuhörer steuerten Redebeiträge bei. So fand es eine Zuhörerin nicht rechtens, dass Frauen bei der Rentenberechnung benachteiligt werden, weil ihnen durch Kinderzeit Arbeitszeiten für die Rentenberechnung fehlt. "Wir ziehen für den Staat den Nachwuchs groß."

Ihre Meinung ist uns wichtig
☀ Einzigartige Sonnenstücke vom See ☀
Neu aus diesem Ressort
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
Die besten Themen