St. Georgen Stadt strebt Sanierung des "Roten Löwen" an

Millionenbetrag müsste investiert werden. Gebäude soll öffentlicher Treffpunkt werden. Bis dahin können aber noch Jahre vergehen.

Es steht nicht besonders gut um den „Roten Löwen“ im Herzen St. Georgens. Das ehemalige Gasthaus verwittert und wird mittlerweile kaum mehr genutzt. Die Stadt will das Gebäude nun aber wieder in den Mittelpunkt rücken und auf Vordermann bringen. „Das Gebäude ist stadtbildprägend. Es kann nach einer erfolgten Sanierung das Erscheinungsbild von St. Georgen in sehr positiver Weise beeinflussen, was wegen des derzeitigen Zustandes allerdings nicht behauptet werden kann“, sagt Bürgermeister Michael Rieger.

Was genau im „Roten Löwen“ entstehen kann, sei noch in der Diskussion und letztlich eine Entscheidung des Gemeinderats. Das Projekt soll ein Teil der Innenstadtsanierung werden. Wichtig aber ist, dass sich eine Investition, die im Millionenbereich liegen wird, aus Sicht des Bürgermeisters auf jeden Fall lohnt. Michael Rieger: „Wir müssen uns alle einmal deutlich vor Augen führen, welche Kosten das Gebäude im Moment verursacht, und zwar nicht in Form von Geld, sondern im Stadtbild und Image, welches in diesem Zustand nicht positiv ist.“

Das Gebäude hat eine Grundrissfläche von rund 1400 Quadratmetern und wird nur noch spärlich genutzt. Die aktuelle Nutzfläche könne derzeit, so heißt es, nicht berechnet werden, weil einige Räume nicht mehr begeh- und nutzbar sind. Neben dem Blumenladen haben zwar einige Vereine kleinere Flächen angemietet, doch darüber hinaus ist das einst so bedeutsame Gebäude in die Belanglosigkeit gerutscht. Zwar wissen viele St. Georgener von der wechselvollen Geschichte, im Hier und Jetzt haben sie aber längst den Bezug verloren. Das soll sich ändern: „Es gibt viele Beispiele aus anderen Städten, wie man aus ehemals schönen Gebäuden wieder schöne und attraktive Einrichtungen macht, auf die die Bürger dann auch stolz sind“, sagt Michael Rieger.

Man sollte, so der Bürgermeister, den Anspruch haben, sich an dieses Projekt heranzuwagen, und das Gebäude wieder zu einem öffentlichen Mittelpunkt der Stadt werden lassen.

Wie bei so vielen Projekten steht über der Sanierung des „Roten Löwen“ aber die Kostenfrage. Viele Millionenprojekte, die entweder gerade abgeschlossen sind oder noch anstehen, drücken das Budget in der Bergstadt-Kasse. Sei es die Sanierung des Hallenbads oder die Ertüchtigung des Rathaus-Komplexes mitsamt Tiefgarage und Marktplatz. Auch in den Schulen stehen große Investitionen an. „Ich werde mich nicht auf eine Zahl festlegen“, sagt Michael Rieger über den „Roten Löwen“. Und wegen der anderen Großprojekte werden voraussichtlich noch ein paar Jahre ins Land ziehen, bis sich wirklich etwas tut. „Wir werden deshalb im Rahmen einer Klausurtagung unsere finanzielle Leistungsfähigkeit in Augenschein nehmen. Der Antrag auf Aufnahme ins Sanierungsprogramm läuft jedenfalls. Ich betone nochmals, dass wir uns diese Chance nicht entgehen lassen dürfen. Sie kommt so schnell nicht wieder und dann kann es zu spät sein“, sagt Michael Rieger.

Geschichte über viele Jahrhunderte

Das Gebäude des "Roten Löwen" steht seit Jahrhunderten in St. Georgens Mitte. Es hat viele unterschiedliche Nutzungen erfahren.

  • Anfänge im 16. Jahrhundert: Der älteste Nachweis für den "Roten Löwen" stammt aus dem Jahre 1548. Als sogenannte Klosterbannwirtschaft wird er in einer Urkunde erwähnt. Am 5. September 1572 beantragt der Wirt Hans Engelhör, einen Keller bauen zu dürfen. "Damit der Wein im Winter nicht gefriert und im Sommer nicht verdirbt", heißt in dem Buch "Historischer Stadtführer St. Georgen".
  • Ein Haus mit großen Privilegien: Später, bereits Ende des 17. Jahrhunderts, war der "Rote Löwen" ein Gasthaus mit großen Privilegien. So hätten beispielsweise alle Hochzeiten nur in diesem Gasthaus stattfinden dürfen.
  • Andere lehnen sich dagegen auf: Im Jahre 1800 haben sich andere Gastwirte über die genannten Privilegien beschwert. Zwar durften beispielsweise Hochzeiten auch in anderen Gaststätten gefeiert werden, an den Löwenwirt musste man jedoch eine Entschädigung bezahlen. Die Vorteile des "Löwen", die durch ein sogenanntes Bannrecht gesichert wurden, versuchte man in Folge durch ein Gericht aufheben zu lassen, ohne Erfolg.
  • Es geht bergab: Im Jahre 1848 wurden Banngesetze allgemein aufgehoben, der "Löwen" verlor seine Vorteile. In der Folge ging es mit dem Gasthaus steil bergab. Das traditionsreiche Gasthaus schloss 1921 seine Pforten.
  • Großbrand in St. Georgen: Beim Großbrand 1865 wurde auch der historische „Rote Löwen“ ein Raub der Flammen, wurde aber ein Jahr später in gleicher Größe mit eigener Brauerei wieder aufgebaut. Wie aus den dicken Mauern im Erdgeschoss ersichtlich, ist neben den Kellerräumen auch sonst noch alte Bausubstanz vorhanden.
  • Als Feuerwehrhaus: In den letzten Jahrzehnten gab es viele Nutzungen. Als Feuerwehr-, Wohn- und Kaufhaus. Es diente auch als Begegnungsstätte für Vereinen. (pga)

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