St. Georgen St. Georgen: Rentner ist nach Ausweis-Zoff wieder auf freiem Fuß

Siegfried Zielasko ist am Mittwoch aus der Villinger Justizvollzugsanstalt entlassen worden. Ein Bürger hatte die fällige Geldbuße in Höhe von knapp 200 Euro bei Obergerichtsvollzieher Lothar Hoch bezahlt.

Der 82-jährige Rentner aus St. Georgen, der am Dienstag wegen einer nicht bezahlten Geldbuße ins Gefängnis musste, ist wieder auf freiem Fuß. Am Mittwochmorgen wurde die offene Geldsumme in Höhe von knapp 200 Euro von einem Bürger bei Obergerichtsvollzieher Lothar Hoch eingezahlt. Kurze Zeit später wurde der Mann aus der Justizvollzugsanstalt in Villingen-Schwenningen freigelassen und von der Tochter abgeholt.

Die Berichterstattung über Siegfried Zielasko, der eine Geldbuße von ursprünglich 50 Euro nicht bezahlte, löste eine Welle der Entrüstung gegen die Justiz, aber auch Anteilnahme und Hilfsbereitschaft für den Rentner aus. Zielasko wurde vom Amtsgericht zu der Strafe verdonnert, nachdem der Senior wegen einer Anzeige vor Gericht gezogen war. Diese wiederum hatte die Stadt Ende des Jahres 2012 gegen ihn gestellt, weil er seinen im Februar 2011 abgelaufenen Ausweis nicht verlängerte. Zuvor hat der Senior mehrfach versucht, den Ausweis verlängern zu lassen, was aber daran scheiterte, dass er kein biometrisches Passbild mitbrachte. Aus Prinzip heraus weigerte sich der Mann dann, seinen Strafbefehl zu akzeptieren.

Empörung äußerten die Kommentatoren über die Unverhältnismäßigkeit der Mittel. Viele zogen zum Vergleich die Kinderpornoaffäre des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy heran, dessen Verfahren einen Tag zuvor gegen eine Geldstrafe von 5000 Euro eingestellt wurde. In unzähligen Onlinekommentaren auf den Facebookseiten dieser Zeitung bekundeten Bürger, dass sie die Summe gerne für den Rentner bezahlen würden. Sowohl beim Autor des Artikels wie auch in der Redaktion und bei Obergerichtsvollzieher Lothar Hoch stand das Telefon am Mittwochmorgen nicht still.
 

Anrufe kamen unter anderem aus München, Stuttgart und sogar aus den Niederlanden. Der Tenor war stets der gleiche: Die Anrufer sorgten sich um den Rentner und wollten die Geldsumme aufbringen. Einer von ihnen hat es dann auch getan. „Mir ist es grundsätzlich egal, woher das Geld kommt. Sobald die Summe einbezahlt ist, wird der Schuldner aus dem Gefängnis entlassen“, sagte Lothar Hoch im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass der Fall so hohe Wellen schlägt, ist für den Obergerichtsvollzieher auch ungewöhnlich. Ebenso wie die Tatsache, dass er einen 82 Jahre alten Schuldner ins Gefängnis bringen musste. „Das ist schon außergewöhnlich. Aber so sehen die Bürger, dass eine Geschichte auch so enden kann.“

Dass sein Fall derart großes Aufsehen erregen würde, hätte Siegfried Zielasko wohl kaum vermutet. Der St. Georgener, nach eigenen Angaben früher im Management eines Schweizer Unternehmens tätig, hatte im Vorfeld durchblicken lassen, dass er medialer Aufmerksamkeit gegenüber nicht abgeneigt sei.
 

Bei seiner Verhaftung am Dienstagvormittag wollte er trotz kühler Witterung weder feste Schuhe noch Mantel anziehen und ließ sich in Hemd und Hausschuhen mitnehmen. Gleichwohl wäre er gerne in Handschellen abgeführt worden, worauf die Polizeibeamten jedoch verzichteten. Als er am Mittwochnachmittag von seiner Tochter aus der Villinger Justizvollzugsanstalt abgeholt wurde, wirkte er erschöpft, seine Tochter bat darum, in Ruhe gelassen zu werden und verbat sich ein Foto.
 

St. Georgens Bürgermeister Michael Rieger wurde in den vergangenen Tagen regelrecht mit E-Mails überhäuft. „Teils mit bitterbösem Inhalt, was wir alten Menschen antun würden“, wie er sagt. Ihn wundere dieses Echo – zumal die Stadt das Verfahren gegen Zielasko bereits vor längerer Zeit eingestellt hatte. „Herr Zielasko und ich hatten ein persönliches Gespräch, das auch wirklich angenehm verlief“, schildert Michael Rieger. Er habe versucht, dem Rentner klarzumachen, dass er schon in seinem eigenen Interesse einen Ausweis benötige. Daraufhin habe sich Siegfried Zielasko tatsächlich das neue Dokument ausstellen lassen.
 

Die Mühlen der Justiz allerdings hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zu mahlen begonnen – schließlich war Zielasko vom Gericht zu einer Geldbuße von 50 Euro zuzüglich der Gerichtskosten verurteilt worden. „Ich kann dem Gericht ja nicht vorschreiben, dass es die Finger von einem 82-Jährigen lassen soll“, sagt Rieger. Er stehe voll und ganz hinter seinen Mitarbeitern im Rathaus, die sich Zielasko gegenüber stets fair verhalten hätten. „Wir sind mit Sicherheit keine Unmenschen“, sagt der Rathauschef. „Und bevor man urteilt, sollte man beide Seiten kennen.“

Ihre Meinung ist uns wichtig
Zum Valentinstag ❤ Geschenke mit Herz ❤
Neu aus diesem Ressort
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
Die besten Themen
Kommentare (13)
    Jetzt kommentieren