Schüler diskutieren mit dem Bürgermeister über Fairtrade

Achtklässler der Robert-Gerwig-Schule beschäftigen sich zwei Tage mit dem Thema Fairtrade. Im St. Georgener Rathaus dürfen sie dazu dem Bürgermeister allerlei Fragen stellen

"Wie fair kauft unsere Stadt?" – zu diesem Thema konnten Schüler der Robert-Gerwig-Schule am Dienstagmorgen Bürgermeister Michael Rieger allerlei Fragen stellen. Das Gespräch fand im Rahmen der Aktionstage "Fair macht Schule" statt, die der Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) anbietet.

Eigens dafür erhielten die Achtklässler Besuch von Johanna Menzinger, Referentin des DEAB, die auch das Gespräch im Rathaus moderierte. Die Schüler hatten zuvor einige Fragen an den Rathauschef vorbereitet.

So wollte eine Schülerin wissen, welche fairen Produkte die Stadt selbst denn kaufe. "Die Verwaltung und der Gemeinderat haben dabei eine Vorbildfunktion. Wir sind dort gleich umgestiegen auf fairen Kaffee und fairen Zucker. Allerdings wurde beispielsweise bei den Steinen des Kreisverkehrs am Bärenplatz auch darauf geachtet, dass das Material nicht aus Ländern kommt, in denen Kinderarbeit praktiziert wird", erklärte Michael Rieger.

Der Bürgermeister erklärte den Schülern allerdings auch, dass das Fairtrade-Prinzip leider nicht immer eingehalten werden könne: "Wir wollen das unterstützen und weiter ausbauen, leider ist das oft einfach nicht möglich. Es stellt sich immer die Frage, wie es sich mit den Kosten verhält und ob wir es uns leisten können." Bei der speziellen Kleidung der Feuerwehrleute könne darauf keine Rücksicht genommen werden: "Das ist Kleidung mit höchster Anforderung und Auflage, die wir von deutschen Produzenten beziehen", so der Bürgermeister.

Auch bei Ausschreibungen der Stadt gebe es zu strikte Auflagen zu erfüllen: "Wir müssen Leistungen europaweit ausschreiben und dann das günstigste Angebot nehmen. Wo fair möglich ist, da machen wir es auch", so Rieger. Bei der Sanierung der Robert-Gerwig-Schule sei es möglich gewesen, viele Arbeiten an St. Georgener Handwerker zu vergeben, dafür habe es auch die explizite Erlaubnis des Landes gegeben. "Dass heimische Handwerker jedoch bei der Sanierung einer heimischen Schule Vorrang haben, können wir nicht versprechen", erklärte Rieger und ergänzte: "Es kann also auch sein, dass ein neues Feuerwehrauto eben aus Polen oder Portugal kommt."

Michael Rieger ermutigte die Schüler dazu, sich ebenfalls für Fairtrade und für die Stadt St. Georgen zu engagieren: "Es hat enormes Gewicht, was junge Leute sagen. Bei Ideen, Fragen und Anregungen stehen euch in St. Georgen alle Türen offen. Es braucht nur etwas Mut und kann die Stadt nur weiterbringen."

Thematisiert wurden auch negative Aspekte. Die Schüler hatten am Dienstagmorgen zuerst die Aufgabe, sich mit den Menschen in der Stadt über Fairtrade zu unterhalten. Dabei haben sie zahlreiche positive Reaktionen, allerdings auch negative Kommentare zu hören bekommen. Teilweise werde gesagt, mit dem Siegel solle nur Geld erwirtschaftet werden. Der Rathauschef ermahnte jedoch dazu, Fairtrade positiv zu sehen: "Es gibt Leute, die lesen keine Zeitung, informieren sich nicht und wissen nichts über Fairtrade oder über St. Georgen. Jedoch muss man sich zuerst informieren, bevor man sprechen kann. " Gerade in der Bergstadt habe man sehr viel Werbung für Fairtrade gemacht, dennoch gebe es immer noch einen Satz an Leuten, die immer noch nicht wüssten, was es damit auf sich habe. "Fairtrade geht allerdings nicht von heute auf morgen, wir müssen motiviert dranbleiben und der Sache Zeit geben", sagte Rieger. Er ergänzte: "Für Motorenöl wird meistens kritiklos mehr Geld bezahlt als für Salatöl, dabei kommt das doch direkt unserem Körper zugute. Die Geldfrage spielt definitiv bei Fairtrade eine Rolle, ist jedoch auch eine Frage der Mentalität."

Fair macht Schule

Die Aktionstage an den Schulen erstrecken sich über zwei Tage. Am ersten Tag findet eine inhaltliche Vorbereitung zu den Themen nachhaltiger Konsum, fairer Handel und sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen und in der öffentlichen Beschaffung statt. Am zweiten Tag gibt es eine Stadtrallye und Dialoge mit verschiedenen Akteuren vor Ort und Vertretern der Stadtverwaltung. Zum Abschluss werden in einem gemeinsamen Gespräch die Ergebnisse ausgewertet. (guy)

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