St. Georgen Praktikanten aus dem Kosovo: Jeder gewinnt

Ein Kommentar zum Projekt der evangelische Altenhilfe St. Georgen: Dass sie Praktikanten und Auszubildende aus dem Kosovo beschäftigt, hat für alle Beteiligten nur Vorteile.

Es ist beeindruckend sinnvoll: Motivierte, vorqualifizierte Menschen kommen aus einem Land, das viele Jugendliche hat, aber kaum Jobs, in ein alterndes Land, das viele Jobs hat, aber kaum genug junge Menschen, um sie zu besetzen. Dieser Austausch gelingt einem Projekt, mit dem die evangelische Altenhilfe jungen Leuten aus dem Kosovo hier ein Praktikum oder eine Ausbildung ermöglicht.

Als Blineha Malohu, Nebahate Murseli, Arbenit Pllana und Qendrim Azemaj vergangene Woche im Lorenz- und Elisabethhaus ihr Praktikum begannen, betraten sie Neuland. Nicht nur, weil die zwischen 19 und 26 Jahre alten Kosovaren erstmals zum Arbeiten nach Deutschland kamen, sondern auch, weil sie diese Einrichtung gar nicht kannten. Seniorenheime, wie wir sie haben, gibt es im ärmsten Balkanland nicht. "Uns gefällt die Arbeit sehr gut, auch wenn sie neu für uns ist", sagt Azemaj. Bis 13. Mai absolvieren er und seine Mitstreiter das Praktikum, im Herbst winkt eine Ausbildungsstelle. Das schon seit drei Jahren laufende Projekt ist keine bloße Sozialaktion der Altenhilfe, um einigen Kosovaren etwas Zukunft zu bieten. Und genau so wenig der händeringende Versuch, irgendwo die vermeintlich so sehr fehlenden Fachkräfte für Pflegeberufe aufzutreiben. Denn: "Es ist nicht so, dass wir keine deutschen Bewerber oder Auszubildenden hätten", stellt Florije Sula, die Personalleiterin der Altenhilfe, klar, "und die Kosovaren müssen klare Anforderungen erfüllen.

" Nicht älter als 30 Jahre dürfen sie sein, müssen eine zwölfjährige Schulzeit mit vier Jahren Medizinschule vorweisen und "bevor wir die Ausbildung anfangen, müssen wir eine Deutschprüfung bestehen", so Azemaj, "jetzt helfen uns die Bewohner, sind sehr nett und sprechen langsamer, damit wir es verstehen." Geschont werden die Praktikanten nicht: "Sie sollen wissen, wie es ist", so Sula. Das heißt: Früh- und Spätschicht, Wochenendarbeit. "So normal wie möglich" ist das Motto. "Bei den Kosovaren im zweiten Ausbildungsjahr merkt man fast keinen Unterschied zu den Einheimischen mehr, sie sind mindestens genau so gut", bekräftigt Michael Werler, Pflegedienstleiter im Lorenzhaus. Bei diesem Projekt gewinnt jeder – gerade, wenn sich die Kosovaren wie Pllana "über die Natur und frische Luft" hier freuen können.

dominik.dose@suedkurier.de

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