St. Georgen Mit 79 Jahren noch immer an der Werkbank

Otto Rapp für Bergstadtgeschichten vor der Kamera. Er repariert immer noch Uhren

Es ist still in der kleinen Werkstatt. Nur ein leises, gleichmäßiges Ticken durchbricht die Ruhe. Langsam schwenkt die Kamera über die zahlreichen Dreh-, Stanz-, Rollier- und Fräsmaschinen und bleibt schließlich auf Otto Rapp stehen. Der sitzt an einer Werkbank, blickt konzentriert durch eine Lupe und versucht, das winzige Innenleben einer Uhr wieder zusammenzusetzen. „Das ist gut, die nehmen wir“, nickt Rainer Jörger zufrieden. Der Kameramann und Produzent der von ihm und dem SÜDKURIER entwickelten Bergstadtgeschichten ist bei Otto Rapp, um die Filmaufnahmen für das Portrait für die neue Multimediashow zu machen.

An diesem Nachmittag kehrt richtig Leben in die Werkstatt ein, die Otto Rapp vor 15 Jahren endgültig geschlossen hat. Über Jahrzehnte hinweg wurden in dem Kleinbetrieb Otto Rapp, technische Uhrwerke und Feingerätetechnik Null- und Kleinserien für die St. Georgener Uhrenindustrie hergestellt. Dabei bezieht sich der Firmenname ursprünglich auf den Vater von Otto Rapp, der ebenfalls Otto hieß. „Mein Vater war ein Tüftler“, erinnert sich Otto Rapp.

Nach dem Krieg hat er zunächst Fahrtenschreiberantriebe und Steuerungen für Bergwerkstachografen, Eisenbahnuhren und Betriebsstundenzähler entwickelt. Später war der Kleinbetrieb mit seinen fünf Mitarbeitern ein wichtiger Zulieferbetrieb für die aufstrebende Uhrenindustrie. Der Niedergang der Uhrenfabriken bedeutete ab den späten 1990er Jahren auch das Aus für den Betrieb von Otto Rapp. Noch heute sind die Schubladen voll mit Teilen, die irgendwann einfach nicht mehr gebraucht wurden.

Oder fast nicht mehr gebraucht werden. Denn Otto Rapp sitzt heute noch jeden Tag in der Werkstatt und repariert Uhren. Die notwendige ruhige Hand hat er immer noch. „Nur mit dem Sehen lässt es so langsam nach.“

Doch das macht er mit seiner langjährigen Erfahrung wett. Nach wie vor schätzen Kunden das Können des 79-Jährigen. Er bringt jede Uhr wieder zum Laufen. Das Ticken der mechanischen Uhren ist für ihn wie Musik in den Ohren. Und wenn ein Teil irreparabel kaputt ist, stellt es Otto Rapp an einer seiner vielen Maschinen einfach selbst her.

„Diese Maschinen sind das Modernste, was es seinerzeit in Deutschland gegeben hat“, sagt er stolz und zeigt auf die Maschinen, die blitzblank geputzt sind und jede einzelne noch voll funktionsfähig ist. Und dann setzt er sich wieder an die Werkbank und tüftelt so lange, bis die Uhr des Kunden wieder funktioniert.


Bergstadtgeschichten

Bei den Bergstadtgeschichten, eine Produktion von Rainer Jörger und SÜDKURIER, werden am 21. und 22. März in der Stadthalle viele Portraits von interessanten Menschen aus der Bergstadt vorgestellt. Die insgesamt drei Shows sind bereits ausverkauft. Ab Mitte Februar verlost der SÜDKURIER im Rahmen einer Serie jedoch wöchentlich Karten. (spr)

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